Auch ein Problem für Tiere

Steigende Spritpreise: Das sind die Folgen für die Westpfalz

Die Spritpreise sind zuletzt deutlich gestiegen - unter anderem wegen des Krieges im Iran. Auch in der Westpfalz spürt man die Preiserhöhung - nicht nur an der Zapfsäule.

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Von Autor/in Anna-Lena Fürst

In Deutschland schießen aktuell die Spritpreise in die Höhe. Auch die Westpfalz bleibt davon nicht verschont. Wir haben mal geschaut, welche Auswirkungen die hohen Preise auf die Betriebe, Menschen und Tiere der Region haben:

Wenn Tanken teuer wird: So reagieren Menschen in der Westpfalz

Wir haben zum Beispiel eine Umfrage gemacht und die Leute gefragt, welche Auswirkungen die teuren Spritpreise auf ihr Leben haben. Viele Befragte waren sich einig: Sie versuchen, so wenig wie möglich zu fahren. Für manche geht es jetzt mit der Bahn zur Arbeit. Alex aus Kaiserslautern gab auch an, mit der Bahn zur Uni nach Zweibrücken zu fahren. Andere, wie Steffen aus Kaiserslautern, sparen an anderer Stelle Geld, zum Beispiel beim Einkaufen.

Einige schreiben außerdem, dass sie auf Reisen verzichten oder sich künftig genauer überlegen, ob eine Autofahrt wirklich nötig ist. Gerade Menschen aus ländlichen Regionen zeigen sich ratlos, weil sie sich nicht auf den ÖPNV in ihrem Ort verlassen können. Andere, wie Johannes aus Breitenbach, gaben wiederum an, wie froh sie über ihr E-Auto sind, weil sie damit nicht von den Spritpreisen abhängig sind.

Tierrettung Contwig fürchtet Folgen der steigenden Spritpreise

Die steigenden Spritpreise betreffen nicht nur Menschen. Sie bereiten auch der Tierrettung Contwig in der Südwestpfalz zunehmend Sorgen. "Wenn sich die Kosten weiterhin so rasant entwickeln, müssen wir unsere Arbeit möglicherweise einstellen oder können nur noch Einsätze übernehmen, für die es vertragliche Regelungen mit Städten gibt", sagt Mireille Leutz. Die tiermedizinische Fachangestellte engagiert sich bei der Tierrettung Contwig und sorgt sich um die Versorgung von Tieren in Not.

Die Mitarbeiter der Organisation fahren derzeit täglich zu mehr als zehn Einsätzen, um verletzten oder hilflosen Tieren zu helfen. Auch Tierarztfahrten übernimmt der Verein, wenn Tierbesitzer zum Beispiel nicht mehr selbst fahren können. Dabei müsse jedes Fahrzeug zweimal täglich betankt werden. "Da sind wir schnell bei rund 400 Euro", sagt Mitarbeiterin Gudrun Roth. In den Sommermonaten rechnet der Verein sogar mit etwa dreimal so vielen Notfällen.

Auch die Tierrettung in Contwig hat Probleme wegen der hohen Spritpreise.
Auch sie könnten die hohen Spritpreise indirekt treffen: Tiere die Hilfe brauchen Tierrettung Contwig

Als gemeinnützige Organisation habe man jedoch nur begrenzte finanzielle Mittel. Der steigende Spritpreis belaste die Arbeit zunehmend. Zusätzlich würden auch die Kosten für Tierarztbehandlungen weiter steigen, erklärt der Verein.

Spedition rechnet mit höheren Preisen im Supermarkt

Auch in anderen Branchen machen sich die steigenden Spritpreise bemerkbar. Für Speditionen, die Waren in Geschäfte liefern, wird der Treibstoff ebenfalls teurer. Eine Sprecherin einer Spedition in Thaleischweiler-Fröschen in der Südwestpfalz vermutet deshalb, dass einige Unternehmen ihre höheren Kosten an die Endverbraucher weitergeben könnten. Das würden Kunden dann zum Beispiel beim Einkauf von Lebensmitteln merken.

Bauern in der Westpfalz unter Druck

Gerade jetzt im Frühling treffen die hohen Spritpreise viele Landwirte in der Westpfalz besonders stark. Vor ein paar Tagen sind viele Betriebe in die Saison gestartet und bereiten seitdem ihre Felder und Höfe auf die kommenden Monate vor. Dafür sind sie aktuell mit zahlreichen Maschinen im Einsatz, erklärt Uwe Bißbort, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Südwestpfalz. "Natürlich versuchen wir, unnötige Fahrten zu vermeiden", sagt der Landwirt. "Aber die allermeisten lassen sich einfach nicht vermeiden."

Viele Betriebe beziehen ihren Diesel über regionale Mineralölhändler. Manche schließen dafür Jahresverträge ab, um Preisschwankungen abzufedern, erklärt Bißbort. In seinem Kreis hätten jedoch nicht alle Landwirte solche Verträge rechtzeitig vor dem Ausbruch des Krieges im Iran abgeschlossen und müssten ihren Diesel deshalb aktuell zu den höheren Preisen einkaufen. Inzwischen lägen die Preise beim Mineralölhändler fast auf dem Niveau normaler Tankstellen. Auch ein Abstecher nach Frankreich lohne sich für die Betriebe in Grenznähe kaum, denn dort sei der Sprit nur geringfügig günstiger, so Bißbort.

Welche Folgen die höheren Spritkosten am Ende für Verbraucher haben könnten, lasse sich derzeit noch schwer abschätzen. Bißbort befürchtet jedoch, dass die Gewinne vieler Betriebe sinken könnten, weil sich die zusätzlichen Kosten nicht ohne Weiteres an die Kunden weitergeben lassen.

Führerschein bald teurer?

Auch Fahrschulen in der Westpfalz spüren die Entwicklung. "Wir müssen ja fahren, damit die Schüler üben können und ihre Prüfung bestehen", erklärt Fahrlehrer Stefan Louis. Aktuell will er seine Fahrstunden aber noch nicht teurer machen, weil viele Fahrschüler laufende Verträge haben. "Günstiger wird der Führerschein auf Dauer aber sicher nicht", gibt Louis zu bedenken.

Auch andere Fahrschulen in Kaiserslautern überlegen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Bleibt der Sprit noch mehrere Monate so teuer, könnten Fahrstunden wohl ebenfalls teurer werden, heißt es von einer Lautrer Fahrschule. Außerdem wird über weitere Sparmaßnahmen nachgedacht.

Freie Tankstellen in der Westpfalz spüren hohen Spritpreis

Die hohen Spritpreise betreffen auch freie Tankstellen in der Westpfalz. Sie gehören keinem großen Ölkonzern an, sondern kaufen ihren Sprit bei verschiedenen Großhändlern auf dem freien Markt ein. Deshalb können sie oft etwas günstiger anbieten als Markentankstellen – haben aber auch weniger Einfluss auf ihre Einkaufspreise.

"Wenn ich günstig einkaufe, kann ich den Sprit auch günstiger verkaufen. Kaufe ich teuer ein, muss ich ihn auch teurer anbieten", erklärt der Betreiber einer freien Tankstelle in Hermersberg in der Südwestpfalz. Aktuell unterscheiden sich seine Preise aber kaum von denen der Markentankstellen in der Region. Wenn er allerdings günstiger ist, kommen viele Kunden mit Kanistern vorbei, um bei ihm Sprit zu kaufen.

Rettungsdienst muss trotz hoher Spritpreise weiter ausrücken

Auch der Rettungsdienst spürt die Entwicklung bei den Spritpreisen. Beim Deutschen Roten Kreuz in Kaiserslautern zeigen sich die Schwankungen regelmäßig in den Abrechnungen mit den Tankstellen, sowohl wenn die Preise steigen als auch wenn sie sinken, erklärt Geschäftsführer Axel Gilcher.

Maßnahmen, um Fahrten zu reduzieren, seien jedoch nicht möglich. Welche Rettungswagen zu einem Einsatz fahren, entscheidet die Integrierte Leitstelle nach einem festen Schema und der sogenannten Nächste-Fahrzeug-Strategie. Dabei wird immer das Fahrzeug geschickt, das dem Einsatzort am nächsten ist.

Die Kosten für den Rettungsdienst werden über sogenannte Einsatzentgelte gedeckt, die einmal im Jahr landesweit mit den Kostenträgern verhandelt werden. Eine Nachverhandlung wäre zwar theoretisch möglich, etwa bei sehr starken und unerwarteten Kostensteigerungen. Wegen der aktuellen Spritpreise sei das laut DRK jedoch nicht zu erwarten. Für Patientinnen und Patienten habe die Situation keine Auswirkungen.

Damit zeigt sich: Die steigenden Spritpreise machen sich in der Westpfalz längst in vielen Bereichen bemerkbar – nicht nur an der Zapfsäule.

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