"Die Südwestpfalz steht angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels vor großen Herausforderungen." So hieß es vonseiten der Wirtschaftsförderung. Der Landkreis wollte nun gemeinsam mit der Stadt Zweibrücken herausfinden: Woran hakt es und was können wir tun?
Die Antworten lieferte eine groß angelegte Umfrage: Mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler sowie rund 550 Studierende aus der Südwestpfalz wurden zu ihren beruflichen Vorstellungen befragt. Außerdem wurden lokale Unternehmen und Lehrkräfte einbezogen. Für die Umfrage haben Stadt und Landkreis zwei externe Unternehmen beauftragt. Die ersten Ergebnisse liegen nun vor.
Junge Menschen in der Südwestpfalz wollen sichere Jobs
"Der größte Punkt ist Unsicherheit", sagt Jörg Lennardt. Er ist Geschäftsführer der Beratungsfirma "Lennardt & Partner" und hat die Ergebnisse der Umfrage ausgewertet. "Welcher Beruf passt zu mir? Bin ich gut genug dafür?" Das seien häufige Fragen der jungen Menschen.
"Die Jugendlichen wünschen sich Sicherheit und Sinn. Und sie sind auch bereit, etwas dafür zu leisten", sagt Frederic Keller von "Mein mutiger Weg", einem Start-Up für Berufsorientierung. Keller hat zusätzlich zur Umfrage mehrere Gruppengespräche in Schulen geführt und diese ausgewertet.
Jugendliche klagen über ÖPNV, Internet und wenig städtisches Leben
"Ein überwiegender Teil der Jugendlichen kann sich vorstellen, in der Region zu bleiben", sagt Keller. Was sie halte: die Familie, Freunde. "Die häufigsten Wegzugsgründe sind: zu wenig ÖPNV-Anbindung, schlechtes Internet und manchen fehlt das städtische Leben."
Unter den Studierenden in der Südwestpfalz fällt dieser Anteil geringer aus: Nur rund ein Viertel der Befragten kann sich sicher vorstellen, in der Region zu bleiben. Das liege auch daran, dass viele Unternehmen für junge Menschen nicht sichtbar seien. "Manche Unternehmen haben nicht einmal eine Webseite", sagt Keller. "Die junge Generation bekommt ihre Informationen über Google oder KI." Auch Jörg Lennardt sieht die Unternehmen an dieser Stelle in der Verantwortung. "Die Zeiten, dass die Azubis von alleine kommen, sind vorbei."
Schüler finden: Schulen könnten mehr zur Berufsorientierung beitragen
Eine weitere Stellschraube seien die Schulen. "Die Jugendlichen wünschen sich bessere Infos zur Berufsorientierung", sagt Lennardt. Eine Idee sei, ein eigenes Fach zu etablieren. Andere Bundesländer hätten bereits Konzepte, die die Schüler über einen längeren Zeitraum bei ihrer Berufswahl unterstützten.
Wir brauchen jetzt kreative Lösungen.
In einem nächsten Schritt sollen nun die Unternehmen mit den Schulen in der Südwestpfalz ins Gespräch kommen. "Wir haben starke Unternehmen in der Region. Es fehlt das Wissen voneinander", resümiert Susanne Ganster (CDU), Landrätin der Südwestpfalz. Das soll sich nun ändern. "Wir brauchen jetzt kreative Lösungen, die von allem gemeinsam entwickelt werden."