Häusliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt immer weiter zu. Laut polizeilicher Kriminalstatistik sind rund 70 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt Frauen. Das beschäftigt auch die Frauenhäuser in der Westpfalz. Hier finden Frauen mit ihren Kindern Schutz vor gewalttätigen Partnern. Die drei Einrichtungen in der Westpfalz können insgesamt etwa 17 Frauen mit ihren Kindern aufnehmen. Doch die Plätze reichen längst nicht aus. Und ein weiterer Faktor erschwert den Schutz der Frauen: Die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt.
In Rheinland-Pfalz fehlten laut einer aktuellen Auswertung des Pestelinstituts Ende 2024 rund 133.000 Wohnungen. Vor allem für Frauen, die aus der gemeinsamen Wohnung mit dem gewalttätigen Partner ausziehen wollen, ist das ein Problem. Der angespannte Wohnungsmarkt sei als Risikofaktor für die Entstehung oder Eskalation von Gewalt zu bewerten, so Yvonne Rothenberger vom Frauenhaus im Donnersbergkreis. Laut ihr können viele Frauen der gewalttätigen Beziehung nicht entkommen, weil sie keinen bezahlbaren Wohnraum finden.
Verbreitet auch ökonomische Gewalt gegen Frauen
Viele Frauen erfahren außerdem ökonomische Gewalt. Sie werden oft von ihren Partnern dazu gedrängt, Verträge auf ihren Namen abzuschließen - die Männer zahlen dann aber am Ende nicht. Kommt es zu Zahlungsausfällen, müssen die Frauen haften. Dadurch überschulden sich die Frauen häufig.
Frauen, die auf Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, haben es nach Angaben der Frauenhäuser besonders schwer. Sie müssen sich die Wohnung vom Jobcenter genehmigen lassen. Die Bearbeitungszeit der Anträge dauere oft so lange, dass viele Vermieterinnen und Vermieter die Geduld verlieren, so Yvonne Rothenberger vom Frauenhaus im Donnersbergkreis.
Kaiserslautern: Frauen bleiben länger im Frauenhaus
Auch das Frauenhaus in Kaiserslautern wünscht sich eine schnelle Lösung, was die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt betrifft. Der mangelnde Wohnraum führe nämlich dazu, dass viele Frauen länger in den Frauenhäusern bleiben als eigentlich notwendig. Dadurch können andere Frauen, die ebenfalls Hilfe benötigen, nicht aufgenommen werden. Die Frauenhäuser versuchen dann die schutzsuchenden Frauen bei Freunden, Verwandten oder in einem anderen Frauenhaus unterzubringen. Doch das ist nicht immer möglich, gerade wenn Frauen durch ihre Arbeit an einen Ort gebunden sind.
Bei Instagram nach Wohnungen für Frauen gesucht
Fazit: Die Frauenhausplätze in der Westpfalz reichen insgesamt nicht aus. Im Frauenhaus im Donnersbergkreis gab es 2025 sogar eine Überbelegung, weil zwei Frauen für eine bestimmte Zeit zusammen in einem Zimmer lebten. "Wir sind auf der Suche nach zusätzlichen oder neuen Räumlichkeiten, aber der Wohnungsmarkt gibt nichts her", krititiert Yvonne Rothenberger.
Sie kritisiert zudem den Donnersbergkreis, der sich hier nicht in der Verantwortung sehe. Das Frauenhaus hat deshalb auch mit einem Post auf Instagram nach zu vermietenden Wohnungen gesucht. Die Einrichtung hofft, auf diese Weise Wohnungen für die Frauen zu finden, die an die zulässigen Mietpreise des örtlichen Jobcenters angepasst sind.