Eine Stadt im Wandel der Zeit

Trotz Entlassungen bei Pfaff: Arbeitsmarkt in Kaiserslautern zeigt positiven Trend

Der Arbeitsmarkt hat sich in Kaiserslautern im vergangenen Jahrzehnt insgesamt positiv entwickelt. Und doch profitieren nicht alle gleichermaßen. Eine Analyse.

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Stand

Von Autor/in Friederike Pick

In der vergangenen Woche hat das Traditionsunternehmen Pfaff mehr als die Hälfte seiner Mitarbeitenden entlassen. Meldungen wie diese sind keine Seltenheit in Kaiserslautern. Der Autobauer Opel zum Beispiel hat dort in den vergangenen Jahren rund zwei Drittel der Stellen gestrichen. Der Industriestandort Kaiserslautern hat ein Stück seiner Identität verloren, nämlich ein Stück seiner Industrie.

Neues Gesicht für Kaiserslautern: Technologie

Zugleich hat die Stadt ein neues Gesicht bekommen. Andere Unternehmen besetzen nun die einstigen Industriegebiete, zudem haben sich zahlreiche Forschungsinstitute in Kaiserslautern angesiedelt. Die Stadt vermarktet sich inzwischen mit dem Titel "Silicon Woods", weil insbesondere die IT-Branche stark vertreten ist.

"Kaiserslautern hat eine Transformation vom Industrie- zum Wissenschaftsstandort durchgemacht", sagt Johannes Korz, Geschäftsführer des Wissenschaftscenters "42". Er sieht darin eine große Chance für die Stadt. "Aus den Forschungsergebnissen heraus gründen sich neue Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen." Kaiserslautern habe ein gutes Netzwerk zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die Wege seien kurz. Damit sei die Stadt sehr gut für die Zukunft aufgestellt.

Zahlen für Arbeitsmarkt in Kaiserslautern sind besser geworden

Die Statistiken der Agentur für Arbeit scheinen ihm Recht zu geben. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten war im vergangenen Jahr deutlich höher als noch zehn Jahre zuvor. Die Arbeitslosenquote ist zeitgleich gesunken. "Die Situation am Arbeitsmarkt ist nicht so schlimm, wie es oft dargestellt wird", sagt Peter Weißler, Leiter der Arbeitsagentur in Kaiserslautern. Vor allem in den Bereichen Lager, Logistik und Verkehr sowie im Gesundheitswesen seien zuletzt viele Arbeitsplätze dazugekommen. "Wir haben hier eine gesunde Mischung an Unternehmen und sind nicht von einer Branche abhängig."

Einen Haken haben die Veränderungen in Kaiserslautern jedoch: Die neuen Jobs in Kaiserslautern werden teilweise schlecht bezahlt, zum Beispiel im Bereich Logistik. Der Online-Händler Amazon hat 2022 ein Logistikzentrum in Kaiserslautern eröffnet und erntete immer wieder Kritik vonseiten der Gewerkschaft ver.di. "Das Lohnniveau ist in diesem Bereich nicht so hoch wie im verarbeitenden Gewerbe", erklärt Arbeitsagentur-Leiter Peter Weißler. Es handele sich um eher einfache Tätigkeiten, die für Menschen mit geringer formaler Bildung geeignet seien.

Peter Weißler ist Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens.
Peter Weißler ist Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens.

"Kaiserslautern kann sich Trends nicht entziehen"

Natürlich habe die Stadt in einigen Branchen auch Verluste erlebt, erklärt Weißler. Vor allem das verarbeitende Gewerbe sei davon betroffen. "Demografischer Wandel, E-Mobilität, Digitalisierung - den großen Trends können wir uns auch hier nicht entziehen", begründet der Agenturleiter. Nicht zuletzt lag die Arbeitslosenquote in Kaiserslautern mit neun Prozent im Jahr 2024 deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von sechs Prozent.

Die Gewerkschaft IG Metall zeichnet aktuell ein optimistisches Bild von der Lage in Kaiserslautern: "Der Personalabbau in der Metall- und Elektroindustrie ist vorbei", heißt es von dort selbstbewusst. Einige Unternehmen, zum Beispiel Opel, suchten aktuell sogar nach Arbeitskräften. Generell stelle sich der KFZ-Bereich in Kaiserslautern positiv dar.

Lage am Arbeitsmarkt in Kaiserslautern ist besser als die Stimmung

Dass sich die Stadt bereits stark verändert hat, sei bei vielen Menschen einfach noch nicht angekommen, vermutet Johannes Korz, der Geschäftsführer des Wissenschaftscenters "42". "Ein Teil der Bürgerinnen und Bürger hat einen sehr negativen Blick. Die sehen vor allem den Leerstand und dass die großen Arbeitgeber nicht mehr da sind." Auf der anderen Seite seien da jene Menschen, die im Innovationsbereich tätig sind, also an den Forschungsinstituten, der Universität oder den zahlreichen Startups. "Die schauen mit einem positiven Blick nach vorn." Korz findet: "Die Lücke der Industrie kann nicht genau so ersetzt werden, aber durch etwas Neues, Zukunftsfähiges ergänzt werden."

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Friederike Pick
Friederike Pick.
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Jürgen Rademacher
Jürgen Rademacher, Redakteur im SWR Aktuell Studio Kaiserslautern

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