Krankenhausküche im Wandel: Abschied am Westpfalz-Klinikum mit Tränen
Es ist ein emotionaler Einschnitt für das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern: Im Mai endet eine Ära, die eigene Krankenhausküche wird ersetzt durch einen externen Dienstleister. Die Firma Aramark übernimmt die Essensversorgung von Patienten. Für die bisherigen Mitarbeitenden, die dort jahrzehntelang gearbeitet haben, ist das ein Moment "voller Wehmut. Das ist die härteste Entscheidung gewesen“, sagt der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums Thorsten Hemmer. "Da ist hier und da auch mal eine Träne zu sehen.“
Es gab aber keine andere Wahl: Das Klinikum ist wirtschaftlich unter Druck: Rund "sechs Millionen Euro Investitionen wären nötig gewesen, um die alte Küche zu modernisieren. Mit dem neuen Modell spart das Haus künftig etwa 500.000 Euro jährlich", betont Hemmer. Die bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Küche werden weiter im Klinikum bschäftigt, aber an anderer Stelle.
Verteilzentrum in Industriegebiet: Neue Jobs und Wirtschaftsschub für die Region
Mit dem neuen Zentrum entsteht auch wirtschaftlich ein Impuls für die Region. Rund 70 Mitarbeitende werden vor Ort ab sofort beschäftigt, von Köchen über Diätassistenten bis zu Logistikkräften. Und das ist erst der Anfang. Die Anlage ist darauf ausgelegt, künftig weitere Einrichtungen versorgen zu können, wie etwa Schulen, Kitas oder auch Senioreneinrichtungen in der Westpfalz. Die Investitionen gehen in die Millionen.
"Wir können auch noch wachsen“, sagt Arnd Rune Thomas, der Geschäftsführer von Aramark Deutschland und Österreich. Für Kaiserslautern bedeute die Zusammenarbeit nicht nur modernere Patientenversorgung, sondern auch neue Arbeitsplätze und langfristige wirtschaftliche Perspektiven.
Logistische Mammutaufgabe: 3.000 Mahlzeiten an 365 Tagen im Jahr
Die Zahlen zeigen, wie groß die Herausforderung sein wird: Rund 800 Patienten werden täglich am Standort Kaiserslautern versorgt, dazu kommen Mahlzeiten für Mitarbeitende. Das ergibt etwa 1.000 Essen pro Mahlzeit – dreimal täglich, 365 Tage im Jahr. Insgesamt also rund 3.000 Portionen jeden Tag. Die Abläufe müssen deshalb im Verteilzentrum perfekt abgestimmt sein: Vorbereitet und produziert werden die Tabletts für Patientinnen und Patienten ab sofort im Lautrer Industriegebiet, transportiert per Logistiker und im Klinikum schließlich punktgenau warm gemacht. "Die Abläufe sind im Vorfeld gut besprochen worden", sagt Thorsten Hemmer. "Ich bin überzeugt, dass es keine Überraschung geben wird.“
Neues Essen im Krankenhaus: "Essen als Teil der Genesung"
Der Anspruch an das Essen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen hat sich grundlegend verändert. Essen ist heute nicht mehr nur eine reine Versorgung, es ist Teil der Therapie, sagt Projektleiterin Birte Kallenbach von Aramark. "Das, worauf man sich im Krankenhaus freut, ist das Essen. Nicht unbedingt der nächste Arztbesuch“. Statt starrer Menüpläne gibt es künftig eine große Menükarte, mit einem Angebot größer als im Restaurant.
Patienten wählen selbst aus 40 bis 60 Gerichten täglich aus. Von klassischer Hausmannskost bis zu veganen Optionen ist alles dabei. Allergien, Unverträglichkeiten und persönliche Vorlieben werden berücksichtigt. "Wir sind die Kümmerer“, so Kallenbach, "nicht nur Dienstleister".
Hightech am Fließband: KI sorgt für das richtige Tablett
Hinter den Kulissen läuft im neuen Verteilzentrum in der Merkurstraße Kaiserslautern ein hochkomplexes System. Die Speisen werden nicht einfach verteilt, sondern mithilfe moderner Technik individuell zusammengestellt. Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass genau das auf dem Tablett landet, was der Patient bestellt hat – und vor allem auch verträgt. "Ohne technische Hilfsmittel wäre das gar nicht mehr machbar“, erklärt Arnd Rune Thomas, Chef von Aramark Deutschland. Gleichzeitig garantiert das System höchste Präzision: Das richtige Essen landet zur richtigen Zeit am richtigen Bett. Warmes bleibt warm, Kaltes kühl – alles gesteuert über intelligente Transportwagen.
Ein Blick hinter die Kulissen: Von roten Böden und unerwarteten Funden
Das neue Verteilzentrum ist nicht nur technisch, sondern auch emotional ein besonderes Projekt. Birte Kallenbach hat den Bau von Anfang an begleitet: "Ich kenne jede Schraube, jede Steckdose“, dabei ist nicht immer alles nach Plan gelaufen, erzählt sie lachend. Bei Erdarbeiten sei beispielsweise überraschend ein alter Tank unter dem Boden zur Laderampe gefunden. Der musste also erst mal entfernt werden. "Improvisation war gefragt". Auch Details wie die Höhe von Steckdosen oder Wandregale wurden immer wieder angepasst. Ein besonderes Detail: Der rote Boden der Anlage, "es soll eine Hommage an die Region und den 1. FC Kaiserslautern sein", sagt die Projektleiterin mit einem breiten Lächlen. "Hier brennt der Betze“, sagt Kallenbach, nicht das Essen.