Neuer Dienstleister

Aramark übernimmt die Küche am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern

Neue Küche, 70 Jobs, 3.000 Essen täglich. Die Essensversorgung von Patienten am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern geht mit dem Verteilzentrum von Aramark und KI in eine neue Ära.

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Stand

Von Autor/in Alexandra Dietz

Krankenhausküche im Wandel: Abschied am Westpfalz-Klinikum mit Tränen

Es ist ein emotionaler Einschnitt für das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern: Im Mai endet eine Ära, die eigene Krankenhausküche wird ersetzt durch einen externen Dienstleister. Die Firma Aramark übernimmt die Essensversorgung von Patienten. Für die bisherigen Mitarbeitenden, die dort jahrzehntelang gearbeitet haben, ist das ein Moment "voller Wehmut. Das ist die härteste Entscheidung gewesen“, sagt der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums Thorsten Hemmer. "Da ist hier und da auch mal eine Träne zu sehen.“

Thorsten Hemmer - Geschäftsführer der Westpfalz-Klinikum GmbH - ist zuversichtlich, dass das Essen vom  externen Dienstleister jährlich mehrere hunderttausend Euro spart
Thorsten Hemmer - Geschäftsführer der Westpfalz-Klinikum GmbH - ist zuversichtlich, dass das Essen vom externen Dienstleister jährlich mehrere hunderttausend Euro spart

Es gab aber keine andere Wahl: Das Klinikum ist wirtschaftlich unter Druck: Rund "sechs Millionen Euro Investitionen wären nötig gewesen, um die alte Küche zu modernisieren. Mit dem neuen Modell spart das Haus künftig etwa 500.000 Euro jährlich", betont Hemmer. Die bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Küche werden weiter im Klinikum bschäftigt, aber an anderer Stelle.

Verteilzentrum in Industriegebiet: Neue Jobs und Wirtschaftsschub für die Region

Mit dem neuen Zentrum entsteht auch wirtschaftlich ein Impuls für die Region. Rund 70 Mitarbeitende werden vor Ort ab sofort beschäftigt, von Köchen über Diätassistenten bis zu Logistikkräften. Und das ist erst der Anfang. Die Anlage ist darauf ausgelegt, künftig weitere Einrichtungen versorgen zu können, wie etwa Schulen, Kitas oder auch Senioreneinrichtungen in der Westpfalz. Die Investitionen gehen in die Millionen.

Aramark Geschäftsführer Arnd Rune Thomas schafft dem Verteilerzentrum in der Westpfalz etwa 70 neue Arbeitsplätze
Aramark Geschäftsführer Arnd Rune Thomas schafft dem Verteilerzentrum in der Westpfalz etwa 70 neue Arbeitsplätze

"Wir können auch noch wachsen“, sagt Arnd Rune Thomas, der Geschäftsführer von Aramark Deutschland und Österreich. Für Kaiserslautern bedeute die Zusammenarbeit nicht nur modernere Patientenversorgung, sondern auch neue Arbeitsplätze und langfristige wirtschaftliche Perspektiven.

Logistische Mammutaufgabe: 3.000 Mahlzeiten an 365 Tagen im Jahr

Die Zahlen zeigen, wie groß die Herausforderung sein wird: Rund 800 Patienten werden täglich am Standort Kaiserslautern versorgt, dazu kommen Mahlzeiten für Mitarbeitende. Das ergibt etwa 1.000 Essen pro Mahlzeit – dreimal täglich, 365 Tage im Jahr. Insgesamt also rund 3.000 Portionen jeden Tag. Die Abläufe müssen deshalb im Verteilzentrum perfekt abgestimmt sein: Vorbereitet und produziert werden die Tabletts für Patientinnen und Patienten ab sofort im Lautrer Industriegebiet, transportiert per Logistiker und im Klinikum schließlich punktgenau warm gemacht. "Die Abläufe sind im Vorfeld gut besprochen worden", sagt Thorsten Hemmer. "Ich bin überzeugt, dass es keine Überraschung geben wird.“

Ab dem 1. Mai liefert die Firma Aramark etwa 3.000 Essen täglich ins Westpfalz-Klinikum. Das neue Verteilerzentrum ist offiziell eröffnet.
Das neue Verteilerzentrum ist offziell eröffnet. Ab dem 1. Mai liefert die Firma etwa 3.000 Essen täglich ins Westpfalz-Klinikum Bild in Detailansicht öffnen
An vielen Stellen müssen bis zum Start Ende der Woche noch Arbeiten ausgeführt werden.
Überall finden aktuell noch Arbeiten statt Bild in Detailansicht öffnen
Auch in der Warenannahme müssen noch wichtige Details geklärt werden.
Letzte wichtige Details werden nochmal besprochen in der Warenannahme Bild in Detailansicht öffnen
Für die tägliche Auslieferung stehen die Wagen im Kühlraum schon bereit.
Die Wagen stehen im Kühlraum für die tägliche Auslieferung bei drei bis sechs Grad schon mal bereit. Bild in Detailansicht öffnen
Der Boden im Verteilerzentrum ist in der Farbe des 1. FCK.
Der Boden im Essens-Verteilerzentrum ist mit Absicht rot - die Farbe des 1. FC Kaiserslautern. Bild in Detailansicht öffnen
Über ein Förderband laufen täglich circa 1.000 Essen pro Mahlzeit am Morgen, am Mittag und am Abend.
Über dieses Band gehen täglich morgens, mittags und abends jeweils etwa 1.000 Essen. Bild in Detailansicht öffnen
Eine hochkomplexe und mit KI unterstützte Anlage befindet sich im Technikraum.
Im Technikraum wird die hochkomplexe und mit KI unterstützte Anlage geschaltet. Bild in Detailansicht öffnen
Etwa 3.000 Bestecke und Servietten werden in dieser Maschine voll automatisch gewickelt.
Diese Maschine wickelt täglich voll automatisiert etwa 3.000 Bestecke - also Messer, Gabeln und Löffel in Servietten ein. Bild in Detailansicht öffnen
Verpackte Nahrungsmittel, wie Tee und Konfitüre stehen im Warenlager.
Im Warenlager stehen von Tee über Leberwurst bis hin zur Konfitüre alle verpackten Nahrungsmittel. Bild in Detailansicht öffnen
Ein große Auswahl an Nachspeisen bietet das Sortiment.
Auch beim Nachtisch können Patienten sich ihre Favoriten aussuchen. Kuchen, Joghurt oder Eis, das Sortiment ist groß. Bild in Detailansicht öffnen
Die Mahlzeiten werden über eine Laderampe verladen und zum Westpfalz-Klinikum gebracht.
Über diese Laderampe werden die Essen verladen und dann direkt zum Westpfalz-Klinikum gebracht. Bild in Detailansicht öffnen
Das neue Aramark-Team freut sich auf seine Arbeit.
Ein Teil des neuen Aramark-Teams im Gewerbegebiet West in Kaiserslautern. Bild in Detailansicht öffnen

Neues Essen im Krankenhaus: "Essen als Teil der Genesung"

Der Anspruch an das Essen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen hat sich grundlegend verändert. Essen ist heute nicht mehr nur eine reine Versorgung, es ist Teil der Therapie, sagt Projektleiterin Birte Kallenbach von Aramark. "Das, worauf man sich im Krankenhaus freut, ist das Essen. Nicht unbedingt der nächste Arztbesuch“. Statt starrer Menüpläne gibt es künftig eine große Menükarte, mit einem Angebot größer als im Restaurant.

Birte Kallenbach ist Projektleiterin Health & Care und war vom Spatenstich an dabei
Birte Kallenbach ist Projektleiterin Health & Care und war vom Spatenstich an dabei

Patienten wählen selbst aus 40 bis 60 Gerichten täglich aus. Von klassischer Hausmannskost bis zu veganen Optionen ist alles dabei. Allergien, Unverträglichkeiten und persönliche Vorlieben werden berücksichtigt. "Wir sind die Kümmerer“, so Kallenbach, "nicht nur Dienstleister".

Hightech am Fließband: KI sorgt für das richtige Tablett

Hinter den Kulissen läuft im neuen Verteilzentrum in der Merkurstraße Kaiserslautern ein hochkomplexes System. Die Speisen werden nicht einfach verteilt, sondern mithilfe moderner Technik individuell zusammengestellt. Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass genau das auf dem Tablett landet, was der Patient bestellt hat – und vor allem auch verträgt. "Ohne technische Hilfsmittel wäre das gar nicht mehr machbar“, erklärt Arnd Rune Thomas, Chef von Aramark Deutschland. Gleichzeitig garantiert das System höchste Präzision: Das richtige Essen landet zur richtigen Zeit am richtigen Bett. Warmes bleibt warm, Kaltes kühl – alles gesteuert über intelligente Transportwagen.

Ein Blick hinter die Kulissen: Von roten Böden und unerwarteten Funden

Das neue Verteilzentrum ist nicht nur technisch, sondern auch emotional ein besonderes Projekt. Birte Kallenbach hat den Bau von Anfang an begleitet: "Ich kenne jede Schraube, jede Steckdose“, dabei ist nicht immer alles nach Plan gelaufen, erzählt sie lachend. Bei Erdarbeiten sei beispielsweise überraschend ein alter Tank unter dem Boden zur Laderampe gefunden. Der musste also erst mal entfernt werden. "Improvisation war gefragt". Auch Details wie die Höhe von Steckdosen oder Wandregale wurden immer wieder angepasst. Ein besonderes Detail: Der rote Boden der Anlage, "es soll eine Hommage an die Region und den 1. FC Kaiserslautern sein", sagt die Projektleiterin mit einem breiten Lächlen. "Hier brennt der Betze“, sagt Kallenbach, nicht das Essen.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Alexandra Dietz
SWR-Reporterin Alexandra Dietz aus dem Studio in Kaiserslautern.

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