Die Bundeswehr selbst macht keine Angaben dazu, ob der Personalwechsel an der Spitze der Kaserne in Zweibrücken mit den laufenden Ermittlungen zusammenhängt. Der abgesetzte Kommandeur, Oberst Oliver Henkel, dementierte diese Vorwürfe in seiner Abschiedsrede. Das Rede-Manuskript liegt dem SWR vor. Die Presse war zum feierlichen Kommando-Wechsel auf der Rennwiese in Zweibrücken nicht eingeladen.
Fallschirmjäger Zweibrücken zu Unrecht am Pranger?
Oberst Henkel sagte, bei Extremismus, sexualisiertem Fehlverhalten und Verstößen mit Drogen gebe es eine Null-Toleranz-Grenze. Was in der Presse geschrieben oder von höherer Stelle über den Verband gesagt worden sei, entspreche nicht den Tatsachen. "Ich habe ein reines Gewissen und bin davon überzeugt, dass am Ende des Tages die Wahrheit und Gerechtigkeit siegen werden", erklärte Henkel beim Kommandowechsel.
Bundeswehr will Vorwürfe aufarbeiten
Der Chef der übergeordneten Luftlandebrigade 1, der die Fallschirmjäger Zweibrücken angehören, Oberst Markus Meyer, ergänzte in seiner Rede, dem sei nichts hinzufügen. Es sei von Einzelnen eine Rote Linie überschritten worden, was Auswirkung auf alle habe. Nun gehe es darum, innezuhalten, aufzuarbeiten und den Blick nach vorne zu richten.
Feierlicher Kommandowechsel trotz Vorwürfen
Bei dem Kommandowechsel am Dienstag war die Presse bewusst nicht eingeladen worden. Die Bundeswehr wollte die Veranstaltung weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhalten, heißt es von der Stadt Zweibrücken. Trotzdem standen rund 900 Soldaten auf einem zentralen Platz Spalier und ein großes Transportflugzeug des Typs A400M donnerte im Tiefflug über die Rennwiese, mitten in der Zweibrücker Innenstadt. Im Rahmen der Verabschiedung wurde Henkel auch mit der Ehrennadel des Fallschirmjägerregiments ausgezeichnet. Als bisher jüngster Träger der Regimentsnadel.
Nach Vorfällen in Niederauerbach-Kaserne Nazi-Uniformen und sexuelle Übergriffe: Bundeswehr kündigt weitere Konsequenzen an
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fallschirmjäger aus Zweib rücken: Die Vorwürfe reichen von Cannabismissbrauch bis Volksverhetzung. Die Bundeswehr hat weitere Konsequenzen angekündigt.
Oberst Henkel war beliebt in Zweibrücken
Vielen der anwesenden Soldaten habe man angemerkt, dass sie nicht damit einverstanden sind, dass ihr Chef versetzt wird, sagte ein Sprecher der Stadt Zweibrücken. Oberst Henkel habe ein hohes Ansehen innerhalb und außerhalb der Kaserne genossen. Das bestätigte auch der Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) in seiner Abschiedsrede auf der Rennwiese. In den drei Jahren unter Oberst Henkel habe sich die Verbindung zwischen der Stadt Zweibrücken und dem Fallschirmjägerregiment 26 spürbar vertieft.
Bundeswehr in Zweibrücken positiv ins Bewusstsein gerückt
"Unter Ihrer Führung ist die Niederauerbach-Kaserne wieder stärker ins Bewusstsein der Zweibrücker Bevölkerung zurückgekehrt. Das war keine Selbstverständlichkeit. Sie haben die Türen weit geöffnet", sagte Wosnitza. Zuletzt sogar nicht nur sprichwörtlich, beim gut besuchten "Tag der offenen Tür" in der Zweibrücker Kaserne.
Die Nachfolge von Oberst Henkel an der Spitze der Fallschirmjäger in Zweibrücken hat Oberstleutnant Martin Holle angetreten. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der 44-Jährige ist seit 25 Jahren bei der Bundeswehr und war in den Jahren 2010 und 2020 jeweils mehrere Monate in Afghanistan im Einsatz.