An der zentralen Gedenkveranstaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Flut im Ahrtal nahmen der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teil. Mit ihnen gedachten viele Besucherinnen und Besucher der Opfer der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021.
Schnieder bittet nach Flut im Ahrtal um Entschuldigung
Bei der Gedenkveranstaltung hat Ministerpräsident Schnieder bei den Menschen im Ahrtal um Entschuldigung gebeten: "Es war Fehlbarkeit, die dazu führte, dass das Ahrtal nicht auf diese Flutkatastrophe vorbereitet war. Es war Fehlbarkeit, die dazu führte, dass so viele Menschen gestorben sind. Es war Fehlbarkeit, dass das Leid in dieser Schicksalsnacht nicht abgemildert wurde."
Dafür bitte ich als Ministerpräsident um Entschuldigung.
Es sei das Versprechen und die Zusage des Staates, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Dieses Versprechen sei aber nicht eingehalten worden, der Staat habe in dieser Frage versagt, so Schnieder. "Dafür bitte ich als Ministerpräsident um Entschuldigung." Teilnehmende der Gedenkveranstaltung applaudierten nach der Entschuldigung.
Merz: Staat hat Pflicht, Vorsorge zu treffen
Auch Merz gedachte in seiner Rede den Opfern der Flut. Er sprach von der Verletzlichkeit und Verwundbarkeit der Menschen. Dies sei unter anderem durch die Bilder der Zerstörung deutlich geworden. Der Staat habe die Pflicht, Vorsorge zu treffen, wo Gefahren drohten, die die Vorsorgekraft des Einzelnen übersteigen, so Merz.
Keiner soll allein bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten.
Die Katastrophe habe bereits zu erheblichen Änderungen der Gesetze geführt. "Bund, Länder und Kommunen haben gemeinsam zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um Deutschland besser auf Naturkatastrophen vorzubereiten." Keiner solle allein bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten. Und dem Klimawandel. Das verstehe er als Auftrag, sagte Merz.
Nach den Reden endete die Gedenkfeier mit einem gemeinsamen Gottesdienst von katholischer und evangelischer Kirche.
Besuch bei der Jugendbauhütte und dem Lebenshilfehaus
Am Nachmittag besuchte Schnieder die Jugendbauhütte in Dernau (Kreis Ahrweiler). Junge Menschen aus ganz Deutschland haben mitgeholfen, beschädigte historische Gebäude wieder aufzubauen. Später machte der Ministerpräsident Halt beim Lebenshilfehaus in Sinzig. Es wurde im April an einem neuen Standort eröffnet. In der Flutnacht starben dort zwölf Bewohnerinnen und Bewohner mit Behinderung.
Steinmeier: "Gleichzeitig spürt man den Schmerz noch"
An der Gedenkveranstaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler nahm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) nicht teil. Er legte am Nachmittag zusammen mit dem Ministerpräsidenten in Ahrweiler einen Kranz für die Opfer der Flutkatastrophe nieder.
Man möchte nach vorne schauen, aber gleichzeitig spürt man den Schmerz noch.
"Wir erinnern nicht nur an eine Katastrophe, sondern an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat", sagte Steinmeier in Altenahr. Auch fünf Jahre später seien der Schmerz und das Leid nicht vergessen.
"Man möchte nach vorne schauen, aber gleichzeitig spürt man den Schmerz noch", so Steinmeier. Der Tag sei auch ein Auftrag an alle, dafür zu sorgen, dass sich solche Hochwasserkatastrophen möglichst nicht wiederholten.
Ursprünglich sollte Steinmeier in Altenahr an der Ausstellungseröffnung "We AHR strong" teilnehmen. Die Ausstellung zeigt Porträts von Menschen aus der Region. Doch sein Fllugzeug verspätete sich wegen eines Unwetters in Berlin. Steinmeier war seit der Flutkatastrophe immer wieder zu Besuch im Ahrtal. Auch am fünften Jahrestag nahm er sich wieder Zeit für Gespräche mit den Menschen vor Ort. Viele nahmen das positiv auf.
Anschließend reiste Steinmeier weiter nach Düsseldorf, wo eine Gedenkveranstaltung für die Flutopfer aus Nordrhein-Westfalen stattfand.