Das Agri-Photovoltaik-Forschungsprojekt auf dem Bio-Obsthof Nachtwey in der Grafschaft wurde 2020 gestartet. Hier wird geforscht, wie Ernteschäden in der Landwirtschaft durch Klimawandelfolgen wie Hitze verhindert werden können und gleichzeitig grüner Strom aus Photovoltaik gewonnen wird. Für Landwirt Christian Nachtwey ist das Projekt ein voller Erfolg.
Photovoltaikpaneele schützen vor Hitze- und Hagelschäden
"Wir haben einen sehr guten Frostschutzeffekt. Wir haben eine geringere Verdunstung. Wir haben Schutz vor Hagel, der im schlimmsten Fall zu einem Komplettausfall der Ernte führt und die Bäume beschädigen würde." Auch müsse weniger bewässert werden. Bis zu 2,5 Grad kühler sei es unter der PV-Anlage. Und sein Betrieb habe durch die Stromerzeugung eine weitere Einnahmequelle. Das mache den Obsthof der Familie krisensicherer.
Agri-Photovoltaikanlage in Offenbach/Queich Oben Strom, unten Salat - Landwirt will Anbaufläche doppelt nutzen
Landwirtschaftliche Flächen sind wertvoll - warum sie nicht doppelt nutzen? Das dachte sich ein Biolandwirt in Offenbach an der Queich.
Auf der Versuchs-Apfelplantage auf Nachtweys Hof sind statt herkömmlicher Hagelschutznetze oder Folien Photovoltaikpaneele über der Apfelplantage errichtet worden. So soll eine doppelte Flächennutzung entstehen. Das heißt: Auf der einen Seite muss kein eigener Landstrich nur von Photovoltaik-Anlagen versiegelt werden und die Paneele über dem Obst ersetzen die herkömmlichen Schutznetze.
Nachhaltige Stromversorgung für bis zu 60 Haushalte
Fusionsversuch nennen das die Forschenden des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme. Auf etwa 3.600 Quadratmetern erzeugen die PV-Paneele insgesamt rund 260 Kilowatt Strom und können bis zu 60 Haushalten versorgen. Gleichzeitig spenden die Paneele Schatten für die Äpfel und schützen sie so vor Sonnenbrand oder vor Hagelschlag. Die PV-Anlage wird dabei extra hoch gebaut und an die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen angepasst.
So sieht Innovation aus, wenn Energiewende auf Obstbau trifft.
System ist für Landwirt die Zukunft des Obstbaus
Laut Nachtwey sei hier ein System entwickelt worden, das in der Zukunft überall auf der Welt genutzt werden könne. Es werde dabei helfen, mit den enormen Schwierigkeiten zurechtzukommen, die der Klimawandel mit sich bringt. Das funktioniere auch für andere Früchte wie Erdbeeren oder Süßkirschen. Schon jetzt entstehen deutschland- und europaweit große Anlagen dieser Art. Rheinland-Pfalz hätte da noch Nachholbedarf, andere Bundesländer seien schneller. Christian Nachtwey ist sich sicher, dass das System ein Teil der Zukunft des Obstbaus sein wird.