Es ist bunt in der Pop-Up-Werkstatt bzw. im Atelier im leerstehenden Ladenlokal im Forum Confluentes auf dem Koblenzer Zentralplatz. Unter anderem hat hier die Kürschnermeisterin Martina Stertz ihren vorübergehenden Arbeitsplatz bis Sonntag. Sie sitzt an einem Tisch und schneidet ein Stück weiches Leder zu. Das soll ein Modellkleid werden, allerdings in Puppengröße.
Die Koblenzerin ist begeistert vom neuen, alten Messestandort. Im ehemaligen Restaurant "Vapiano" zeigt sie zusammen mit einer Keramikerin und einem Künstler ihre Arbeiten. Leder- und Pelzjacken, Jacken aus Fell, sogar Sitzwürfel aus Leder stellen sie und ihre Mitarbeitenden her und zeigen eine Auswahl bei der Handwerksmesse. "Die Messe muss da sein, wo die Menschen sind, nicht in einer Messehalle - wir haben hier den schönsten Platz der Messe", schwärmt die Pelz- und Lederfachfrau.
Hier mitten in der Stadt, da gehen auch mal Leute vorbei, die jetzt eigentlich nicht vorhatten, auf die Messe zu gehen und sich dann trotzdem interessieren.
Auf dem Zentralplatz reihen sich ebenfalls die Ausstellungszelte und Stände aneinander. An jedem Stand können sich die Besucherinnen und Besucher informieren, bekommen Info-Flyer oder kommen gleich mit den Standbetreibern ins Gespräch.
Rund 80 Betriebe sind bei der "Handwerksmesse 2.0" dabei
Ein paar Meter weiter in der Altstadt auf dem Münzplatz ein ähnliches Bild. Dort steht ein Stand, an dem man sich informieren kann, wie Terrassen überdacht werden können. Am Rande des Platzes haben Dachdecker und eine Dachdeckerin ihren Stand. Nele Grinninger aus Lahnstein vertritt hier die Jugendorganisation der Dachdecker-Innung Rheinland-Pfalz. Die 22-Jährige macht seit drei Jahren eine Ausbildung zur Dachdeckerin und im Sommer ihre Gesellenprüfung.
Sie will bei der Messe in der Stadt junge Leute für das Handwerk gewinnen und für den Dachdecker-Beruf werben. Und: hier können Besucherinnen und Besucher selbst einmal ausprobieren was Dachdecker können müssen. Auf einem Holzblock kann man versuchen aus einem Stück Schieferplatte ein Herz zu schlagen - mit Werkzeugen, die Dachdecker benutzen. "Hier mitten in der Stadt, da gehen auch mal Leute vorbei, die jetzt eigentlich nicht vorhatten, auf die Messe zu gehen und sich dann trotzdem interessieren", schwärmt die junge Frau.
Ein Mann ist mit einer Gruppe aus Neuwied nach Koblenz gekommen, um sich auf der Handwerksmesse nach einem möglichen neuen Job umzuschauen. Er hält die Schieferplatte in der Hand, die er vorher bearbeitet hat. Leider ist das Herz kurz bevor er es geschafft hatte, zerbrochen. Trotzdem ist er nicht enttäuscht. "Die Messe hier unter freiem Himmel ist toll, es gibt so viel zu sehen und zu entdecken, wir sind noch gar nicht so lange da und haben schon einiges gesehen".
Einen Platz weiter an der Liebfrauenkirche zeigen zwei Stände ihre Produkte. Ein Stand verkauft gestrickte Pullis, Mützen und Jacken aus Alpakawolle, am Nachbarstand bekommt man Schmuck und filigrane Figuren aus Mammutelfenbein. Die Standbetreiber Louis Richard Corrigan und seine Partnerin Paula Reiche strahlen über das ganze Gesicht. Sie lieben es im Freien mit ihrem Stand den Besucherinnen und Besuchern zu erklären, wie sie den Elfenbeinschmuck herstellen und woher sie den "Rohstoff" haben.
Dass die Messe mitten in der Stadt veranstaltet wird, ist einfach großartig. Wir fühlen uns sehr wohl hier.
Am Stand zeigen sie auf ein unterarmdickes Stück, das aussieht wie ein Stück Holz. "Das ist ein Teil eines Stoßzahnes eines Mammuts", erklärt der Elfenbeinfachmann. "Es ist 10.000 bis 40.000 Jahre alt und wurde im Eis in Sibirien gefunden. Wir benutzen ausschließlich solche Zähne und keine Stoßzähne von Elefanten, die dafür geschlachtet werden. Das ist ohnehin verboten".
An einem aufgeschnittenen Stück eines Mammutstoßzahnes sieht man haarfeine Risse. "Die sind natürlich im Eis entstanden und hier in der Mitte, das ist ganz spannend bei dem Stück, sieht man den Nerv, da ist ein schwarzer winziger Punkt. Und drumherum das bräunliche das ist Karies, also Karies aus der Eiszeit".
Natürlich wollen die Aussteller der Koblenzer Handwerksmesse nicht nur erklären, sondern ihre Produkte auch verkaufen. Louis Richard Corrigan hat gleich am Vormittag, am ersten Messetag, ein Stück verkauft. "Dass die Messe mitten in der Stadt veranstaltet wird, ist einfach großartig. Wir fühlen uns sehr wohl hier". Der Elfenbein-Experte ist sich sicher, dass er bis zum Sonntag ein gutes Geschäft in Koblenz macht. So wie auch Kürschnerin Martina Stertz. "Sie kommen bestimmt auch nochmal wieder", sagt sie schmunzelnd zum Abschied.