Erfolgreich im Handwerk

Wie man im Handwerk gut verdient und Karriere macht

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz, Ralf Hellrich, spricht in SWR1 über Karriere, gute Verdienstmöglichkeiten und aktuelle Herausforderungen im Handwerk.

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SWR1: Handwerker sind gesucht und begehrt, aber auch oft genervt. Woran liegt es?

Ralf Hellrich: Es ist natürlich eine gewisse Überlastung da. Jeder einzelne Handwerker wird sehr stark nachgefragt. Da kann es schon vorkommen, dass Kunden unzufrieden werden, weil sie länger warten müssen.

Dann ist es natürlich auch für den Handwerker nicht lustig, wenn er zu misslaunigen Kunden kommt, weil er sehr spät kommt. Aber man muss damit umgehen lernen.

Das Handwerk - viele Aufträge, wenig Personal

SWR1: Welches Gewerk kann sich vor Arbeit kaum retten - Installateure, Dachdecker, Metallbauer?

Hellrich: Ich bin gerade auf der "Light + Building". Das ist eine Leitmesse für alles, was mit Installationen zu tun hat. Die Aussteller sind […] sehr zufrieden mit der Resonanz auf der Messe.

Es bleibt auf einem hohen Niveau, dass Renovierungen und Modernisierungen stattfinden. Dementsprechend werden auch Installateure sehr stark nachgefragt.

SWR1: Auf der anderen Seite haben wir Metzger und Bäcker, die schließen müssen, auch weil die Kundschaft auf Supermärkte ausweicht.

Hellrich: Zum Teil ist das so, dass oft die Nachfolge fehlt. Da müsste auch das ein oder andere neue Konzept her. Es gibt durchaus auch Fleischereien, Metzgereien, die sehr gut angenommen werden, mit neuen Konzepten. Auch mit vegetarischen und veganen Angeboten, über das normale Fleisch- und Wurstwarensortiment hinaus.

Es gibt auch Fleischereien, Metzgereien mit neuen Konzepten. Mit vegetarischen und veganen Angeboten, über das normale Fleisch- und Wurstwarensortiment hinaus.

Insofern glaube ich, gibt es sehr gute Zukunftschancen. Es gibt nur sehr wenig junge Menschen, die diese Nachfolge antreten und diese Verantwortung in Fleischereien, in Metzgereien übernehmen wollen. Ich glaube, dagegen müssen wir alle etwas tun, um den Wert von Lebensmitteln und den Wert von guten Fleischereien und Bäckerprodukten zu unterstreichen.

SWR1: Die Herausforderung für das Handwerk ist, Personal zu finden. Und dann haben wir noch die Bürokratie. Lässt sich daran etwas ändern?

Hellrich: Wir haben die Hoffnung, dass KI in der Erstellung von Dokumentationen, in der Nachweispflicht und in ähnlichen Dingen hilft. Die andere Hoffnung ist […], dass wir aufhören, immer wieder neue Vorschriften zu machen und immer wieder neue Schutzrechte einzuführen, denn kleine und mittelständische Betriebe machen das selbst, im Familienkreis.

Da muss man auch ein bisschen Freiheit lassen, um die Leute wieder "an die Werkbank, an ihre Arbeit" zu bringen und weniger an den Schreibtisch.

Wenig Geld im Handwerk? Die Mär von schlechter Bezahlung

SWR1: Das Handwerk hat ein Imageproblem. Eltern raten Kindern zum Studium. Schulen betonen immer noch den akademischen Weg. Warum lohnt es sich, Ihrer Meinung nach, eine Ausbildung in einem Handwerksberuf zu machen?

Ralf Hellrich: Es gibt zuerst die Mär, dass Handwerksberufe schlechter bezahlt werden als alle Büroberufe. Ich glaube, mittlerweile ist bekannt, dass es nicht so ist, dass wir da wirklich deutlich nachgelegt haben.

Andererseits ist es auch so, dass die Freude, die man an seinem Beruf hat, im Handwerk wesentlich größer ist, als in vielen anderen Berufen. Das haben wir mittlerweile auch mit Studien festgestellt. Die gehen davon aus, dass der Handwerker ein viel glücklicherer Mensch sein kann. Weil er eben den Lohn seiner Arbeit sozusagen sieht. Er sieht, was er getan hat, sein Tagewerk.

Studien gehen davon aus, dass der Handwerker ein viel glücklicherer Mensch sein kann. Weil er den Lohn seiner Arbeit sieht.

Wir haben auch einen kleinen Shift in der Bevölkerung, die doch sagt, wir brauchen Handwerker. Der Respekt vor dem Handwerk wächst. Und es ist ein sehr hoher Wert, der wirklich bei Feuerwehr, Polizei und Ähnlichem liegt.

Der Start im Handwerk - Hilfestellung für Azubis wichtig

SWR1: In manchen Ausbildungsbetrieben muss der Lehrling noch die Brotzeit holen und wird nicht wirklich eingebunden.

Hellrich: Die Betriebe, die das heute noch so praktizieren, werden wahrscheinlich keinen Nachwuchs mehr finden. Junge Menschen von Anfang an etwas tun zu lassen, was sinnerfüllend ist, das machen viele Betriebe. […]

Es ist ganz wichtig, jungen Menschen zu zeigen, dass man ihnen Hilfestellung gibt, dass man im Prinzip für sie da ist und dass sie am Anfang auch eine Begleitung erleben, die dann dazu führt, dass sie früher selbständig werden.

Letztlich haben wir das Ergebnis, dass viele nach dreieinhalb Jahren Lehrzeit auch tatsächlich gut selbständig arbeiten können.

Geld und Karriere im Handwerk? Kein Problem!

SWR1: Jugendliche würden auch gerne Karriere machen. Kann man das im Handwerk heute überhaupt noch?

Hellrich: Der beste Karriereweg ist immer noch der Meister. Und dann vielleicht noch den Betriebswirt HWK oder ähnliche Weiterbildungen daraufzusetzen, wenn man tatsächlich Handwerksmanager werden will. Ein ausgebildeter Meister kann heute unter Umständen wesentlich mehr verdienen als ein Ingenieur.

Naurath/Dreis

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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Deeg Claudia
Claudia Deeg
Christian Balser
SWR1 RP Moderator Christian Balser
Interview mit
Ralf Hellrich, Handwerkskammer Koblenz
Onlinefassung
SWR1 Rheinland-Pfalz
Eins gehört gehört. SWR1. (Schriftzug SWR1 auf gelbem Hintergrund)