Conrad Lunar wurde 1983 in Manila der Hauptstadt der Philippinen geboren. Von 1984 bis 2008 lebte er mit kurzen Unterbrechungen in Nassau an der Lahn. 2008 zog er nach Neuwied und wohnt aktuell im Stadtteil Engers. Er ist geschieden und hat eine 15-jährige Tochter und einen zehn Jahre alten Sohn. Conrad Lunar ist Diplom-Verwaltungswirt und arbeitet als Büroleiter bei der Bundespolizei in Sankt Augustin.
Alter: 42
Wohnort: Neuwied-Engers
Beruf: Büroleiter bei der Bundespolizeidirektion in Sankt Augustin (Rhein-Sieg-Kreis)
SWR Aktuell: Warum wollen Sie Oberbürgermeister von Neuwied werden, Herr Lunar?
Conrad Lunar: Die Bürgerinnen und Bürger von Neuwied müssen das wollen. Sie müssen wollen, dass sich etwas in Neuwied ändert, dass Chancen genutzt werden, kein Stillstand herrscht und sich alle mitgenommen fühlen. Sie müssen entscheiden, wem der Kandidaten sie einen Schritt in die Zukunft zutrauen. Mit meiner Kandidatur biete ich einen Neustart an, ein "weiter so", wie bisher wird es nicht geben.
SWR Aktuell: Was ist für Sie das wichtigste Problem, das in Neuwied angepackt werden muss?
Lunar: Von den vielen Problemen in Neuwied sind Sicherheit/Ordnung, Sauberkeit, Bürgernähe, eine effizientere Verwaltung und Wohnraum ganz oben. Menschen, die in einer sicheren und sauberen Stadt wohnen und von einer transparenten und schnellen Verwaltung als Dienstleister betreut werden, bleiben auch hier. Die Verwaltung muss wieder zum effektiven Partner der Bürgerinnen und Bürger, der Ehrenamtlichen, des Gewerbes usw. werden.
Ein Überlassen des Wohnungsbaus nur dem privaten Sektor wird nicht funktionieren.
SWR Aktuell: Neuer, bezahlbarer Wohnraum für die Stadt wird - wie in anderen Kommunen im Land - auch in Neuwied dringend benötigt. Wie wollen Sie das Problem lösen?
Lunar: Die GSG (Gemeindliche Siedlungs-Gesellschaft) muss auch wieder als Wohnungsbauunternehmen auftreten. Die Gelder müssen wieder für Baumaßnahmen genutzt werden, so dass 20 bis 30 Wohnungen im Jahr gebaut werden. Ein Überlassen des Wohnungsbaus nur dem privaten Sektor wird nicht funktionieren. Sofern man Private bauen lässt, muss hier eine Sozialquote eingefordert werden - unter Umständen auch mit einer Förderung.
SWR Aktuell: Die Stadthalle Heimathaus ist ein wichtiger Veranstaltungsort für die Menschen in Neuwied - aber noch immer ist nicht klar, ob das Heimathaus saniert oder neu gebaut wird - wo werden künftig Großveranstaltungen in Neuwied stattfinden?
Lunar: Das Problem ist seit 2016 bekannt. Erschreckend ist, dass nun kurz vor Ende der Nutzung noch keine wirkliche Antwort auf Sanierung oder Neubau vorliegt - das sollte man vom Oberbürgermeister (Jan Einig, CDU) als Baufachmann erwarten. Zur Zeit ist eine Eventhalle als Ausweichort im Gespräch. Das ist durchaus sinnvoll, das unterstütze ich. Allerdings muss man auch hier die zusätzlichen Kosten betrachten, die entstehen. Betrachtet man die Kosten im Jahr 2016 zu heute, hätte man deutlich Geld sparen können. Was nicht vergessen werden darf, sind die über 30 Arbeitsplätze der beiden Gastronomieunternehmen, die gefährdet sind. Da muss mehr passieren!
Seit Jahren wird mit dem Potential des UNESCO Welterbes, der kulturellen Einrichtungen nicht wirklich nach außen geworben.
SWR Aktuell: Wie stehen Sie zum Thema Innenstadtentwicklung? Wie kann man Neuwied als Einkaufsstadt attraktiver machen?
Lunar: Ich bin der Meinung, dass die Entwicklung der Innenstadt nie abgeschlossen ist, sondern ein stetiger Prozess bleiben muss. Wichtig wäre, aktuell einen runden Tisch mit allen Beteiligten zu schaffen, das heißt mit Eigentümern, Investoren, Immobilienentwicklern, Architekten und der Verwaltung. Außerdem muss man über ein effektives Tourismuskonzept die Frequentierung der Innenstadt erhöhen - Nachfrage und Angebot ergänzen sich dann. Seit Jahren wird mit dem Potential des UNESCO Welterbes, der kulturellen Einrichtungen nicht wirklich nach außen geworben.
SWR Aktuell: 2023 hat die Stadt einen Verkehrsentwicklungsplan beschlossen - mit dem Ziel den Radverkehr in der Stadt voranzubringen. Radwege sind seitdem auch entstanden. Wie wollen Sie die Stadt noch fahrradfreundlicher machen?
Lunar: Neuwied belegt regelmäßig die letzten Plätze bei Umfragen des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.). Die Unzufriedenheit der Radfahrerinnen und Radfahrer ist groß. Die bisherigen neu gebauten Radwege sind nicht durchgängig, bilden ein zu großes Flickwerk. Der Verkehrsentwicklungsplan hat eine lange Laufzeit - hier muss pragmatisch und schneller gehandelt werden. Insbesondere Maßnahmen, die der Sicherheit von Kindern und älteren Menschen zugutekommen, haben Priorität (Anfahrtswege zu Schulen, Begegnungsstätten usw.) Es würde schon ausreichen, wenn man die vorhergesehenen Gelder für den Radverkehr auch wirklich verbaut.