Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hat sich im Ahrtal in das kollektive Gedächtnis aller Menschen eingebrannt. Die Flutnacht hat auch bei den Gemeindemitgliedern des katholischen Pfarrbezirks St. Laurentius in Ahrweiler tiefe Spuren hinterlassen - und an ihrer Kirche. Hüfthoch stand hier vor vier Jahren das Wasser.
Es stank, es war alles braun. Es war ein unglaubliches Bild der Verwüstung.
Wasser, Schlamm und zerstörte Einrichtung von St. Laurentius
Pfarrer Jörg Meyrer erinnert sich noch genau an den Morgen nach der Flut in seiner Kirche, wenn auch nicht gern: "Da war das Wasser schon abgelaufen, zum Teil versickert in die Heizungsschächte. Es war ein grauenhaftes Bild." Alles habe wild durcheinander gelegen - Kirchenbänke und andere Einrichtungsgegenstände, erzählt Meyrer: "Es stank, es war alles braun. Es war ein unglaubliches Bild der Verwüstung."
Kirche hat neuen Boden, Kunstwerke wurden aufgearbeitet
Ein Bild der Verwüstung, das in den vergangenen vier Jahren beseitigt werden musste. Nach Schätzungen des Pfarrbezirks hat die Sanierung der ältesten Hallenkirche des Rheinlands vier Millionen Euro gekostet. Aktuell ist der Betrag noch eine Schätzung, weil laut den Verantwortlichen noch nicht alle Rechnungen und Belege der Handwerker vorliegen.
Jetzt hat St. Laurentius unter anderem einen neuen Boden, neue Kirchenbänke, einen neuen Anstrich. Und auch die Deckenfresken und Kunstschätze aus den rund 750 Jahren Kirchengeschichte haben Experten wieder aufgearbeitet.
Detail am neuen Altar zeigt Flutlinie
Ein neuer Altar ist ebenfalls in St. Laurentius eingezogen. Einerseits als Stein der Hoffnung für eine gute Zukunft, andererseits als Mahnmal. Der massive belgische Blaustein ist mit zwei Linien aus Messing verziert. Eine Linie zeige den Wasserstand nach der Flut 2021 an, die zweite Linie stehe symbolisch für die verheerende Flutwelle, erklärt Pfarrer Meyrer.
Es ist eine unglaubliche Erleichterung, dass dieser riesige Schritt geschafft ist.
Gemeinde fühlt sich endlich wieder zuhause
Für Jörg Meyrer und seine Gemeinde ist es nicht nur eine Liste von Bauarbeiten, die jetzt nach vier Jahren abgearbeitet ist. Denn die Gläubigen haben in der Flutnacht nicht nur privat viel verloren. Auch ihre Kirche als Ort des Trostes fehlte: Die Gottesdienste mussten zeitweise im Pfarrsaal oder im Garten unter freiem Himmel abgehalten werden.
Diese Zeit der Entbehrung endet heute. "Es ist eine unglaubliche Erleichterung, dass dieser riesige Schritt geschafft ist. Dass wir endlich wieder ein gutes Stück zu Hause sind. Und das geht der ganzen Stadt so", fasst Pfarrer Meyrer seine Gefühle in Worte.
Festgottesdienst mit Bischof
Am Sonntagvormittag segnete Bischof Stephan Ackermann St. Laurentius bei einem Festgottesdienst wieder ein. Die Ahrweiler Schützen holten ihn dafür gemeinsam mit anderen Geistlichen am Ahrtor ab. Denn der Verein feiert zeitgleich den Patronatstag des Heiligen St. Laurentius.
Die Hauptkirche von Ahrweiler ist die erste Großkirche der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die nach der Flut wiedereröffnet wurde. In der katholischen Rosenkranzkirche soll es im Winter 2025 so weit sein, die evangelische Martin-Luther-Kirche befindet sich nach einem Bericht der Evangelische Zeitung weiter im Rohbau.