Der Markt für Altkleider ist eingebrochen

Altkleiderberge - Alzey-Worms sucht neue Wege der Entsorgung

Überfüllte Altkleider-Container und fehlende Abnehmer: Organisationen wie das DRK ziehen sich aus der Kleidersammlung zurück. Der Kreis Alzey-Worms übernimmt jetzt.

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Stand

Von Autor/in Wolfgang Seligmann

Der Grund für die überfüllten Container ist, dass sich immer mehr Altkleider-Entsorger zurückziehen und die Container nicht mehr leeren. Dazu gehören auch zum Beispiel Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Caritas.

Durch das Überangebot an alten Kleidern lässt sich hierzulande damit kein Geld mehr verdienen. Im Gegenteil: Die Entsorgung kostet inzwischen und das können sich die gemeinnützigen Organisationen nicht mehr leisten.

Altkleiderannahme auf den Wertstoffhöfen

Auch aus dem Kreis Alzey-Worms ziehen sich DRK und Malteser aus der Kleidersammlung immer mehr zurück, so eine Sprecherin des Kreises. Der ist aber seit dem 1. Januar durch eine EU-Richtlinie dazu verpflichtet, die Altkleidersammlung zu organisieren. Deshalb nimmt der Kreis das nun immer mehr selbst in die Hand.

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Die Menschen haben zum einen die Möglichkeit, Säcke voller alter Kleider kostenlos mit dem Sperrmüll abholen zu lassen. Im Laufe der nächsten Monate sollen zum anderen auch Sammelcontainer in den Wertstoffhöfen aufgestellt werden. Der Müllentsorger Remondis wird die Container leeren und die Kleidungsstücke entsprechend sortieren und weiter verwerten.

DRK hat Altkleider-Container an Stadt und Kreis verkauft

In der Stadt Mainz und dem Kreis Mainz-Bingen ist das schon länger gängige Praxis. Thomas Strack, Müllberater bei der Kommunalen Abfallwirtschaft (KAW) für Mainz und Mainz-Bingen sagt: "Wir haben schon vor längerem dem DRK die Altkleider-Container abgekauft und leeren sie jetzt selbst." Jeder Container in der Stadt und dem Kreis werde einmal pro Woche angefahren und geleert.

Aber auch dieses System leidet unter der Situation auf dem Altkleidermarkt: Es gibt viel zu viele getragene Kleider, die keiner mehr will. Der Absatz Richtung Afrika funktioniere schon lange nicht mehr, sagt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Dort wolle man die eigene Kleiderproduktion schützen.

Und Müllberater Thomas Strack vom KAW ergänzt: "Seit dem Ukrainekrieg gibt es auch kaum noch Lieferungen nach Osteuropa."

Altkleider bringen kein Geld mehr

Dazu komme das Problem der sogenannten Fast Fashion. Schnell und billig produzierte Kleidung, die ein- oder zweimal getragen und dann weggeworfen werde.

Früher war es so, dass wir 200 Euro pro Tonne Kleider bekommen haben. Damit konnte man gut leben. Jetzt müssen wir etwa 100 Euro pro Tonne bezahlen.

Dadurch sinke auch die Qualität der Altkleider. "Früher war es so, dass wir 200 Euro pro Tonne Kleider bekommen haben. Damit konnte man gut leben. Jetzt müssen wir etwa 100 Euro pro Tonne bezahlen, damit die Verwertungsfirmen die Kleider nehmen. Es liegt auf der Hand: Diese Rechnung ist schief."

Heißt: Mit anderem Müll im System muss die KAW das Geld verdient, um das Minus bei den alten Kleidern auszugleichen. Insgesamt sieht Thomas Strack nur eine Lösung für die Altkleiderberge: "Mehr Secondhand-Ware kaufen und weniger Fast Fashion."

Mehr junge Menschen setzen auf Nachhaltigkeit

Das sieht Ruth Preywisch von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz genauso. "Secondhand-Läden boomen in Mainz regelrecht. Nicht nur diejenigen mit etwas weniger Geld kommen, sondern auch viele jüngere Menschen, die dem Nachhaltigkeitsgedanken folgen."

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Aber immer noch gebe es viel mehr alte Kleider als Kunden. "Die Menschen müssen auch umdenken: Wer alte Kleider im Secondhand-Laden abgibt, sollte sich dort auch etwas kaufen und nichts neues. Da gibt es immer noch ein Missverhältnis."

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Ruth Preywisch von der Verbraucherzentrale hat zum Beispiel im April dieses Jahres eine Tauschbörse in der Mainzer Johanniskirche mitorganisiert. "Das war ein Riesenerfolg, es waren so viele Menschen da, die kräftig ihre Kleider getauscht haben."

Im Rahmen der "Fairen Woche" in Mainz findet am 24. September wieder eine Kleidertauschbörse in der Johanniskirche statt.

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Wolfgang Seligmann

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