In ein Industriegebiet hereinfahren, dann durch den Zaun, über einen Kieselweg, dann zur Wiese mit den Hängematten: so ungefähr kommt man zur Antifa, irgendwo in der Pfalz. Da sitzen in der Sonne Leo und Karl, so sollen sie in diesem Text zumindest heißen.
Sie sprühen auch illegale Graffiti
Die beiden sind unter 30 Jahre alt und bereits seit einiger Zeit bei der Antifa. Und mit ihrem politischen Aktivismus wollen sie das Stadtbild verändern.
Dafür sprüht Leo Graffiti, und nicht alles, was er macht, ist legal. Manchmal sprüht er unter Autobahnbrücken, an Wände mitten in der Stadt oder an Bahnhöfen. Oft bieten Städte aber auch "Free Walls" an: Da können Graffiti-Künstler legal sprühen.
Unter den meisten Sprayern ist klar: Privathäuser sind tabu. Es sei denn, man weiß, da wohnt eine Person, die aus irgendwelchen Gründen problematisch ist.
Ihm ist wichtig: "Unter den meisten Sprayern ist klar, Privathäuser sind tabu. Es sei denn, man weiß, da wohnt eine Person, die aus irgendwelchen Gründen problematisch ist." Aber das würden sowohl politisch rechte als auch linke Sprayer so handhaben.
Antifa macht auch Sachbeschädigungen
Auch Karl ist Antifaschist. Er sprüht selbst zwar keine Graffiti, kennt sich aber mit Sachbeschädigung aus. Er hat schon rechte bis rechtsextreme Wahlplakate abgehängt oder rassistische Sticker überklebt. Das Stadtbild zu ändern, ist beiden wichtig. Denn: "Es ist eine Präsenzfrage. Es ist ein Statement für Betroffene von Diskriminierung, dass es uns nicht egal ist."
Und die Aktionen der Antifa seien auch ein Statement gegen rechts: "Eine AfD tritt anders auf, wenn sie weiß, dass jedes Wahlplakat wieder abgehängt werden könnte."
Bürgermeister: "Wir kommen nicht hinterher"
Es ist teilweise so viel, dass wir nicht hinterherkommen.
Die Antifa ist nicht die einzige Bewegung, die Graffitis in Städten sprüht. Graffiti an öffentlichen Flächen sind illegal. Darum müssen sich dann die Kommunen kümmern. Lukas Hartmann, Bürgermeister und Ordnungsdezernent der Stadt Landau, sagt: "Es ist teilweise so viel, dass wir nicht hinterherkommen."
Vieles sei aber an privaten Flächen und dafür sei die Stadt nicht zuständig. Der Bürgermeister sagt aber auch: Wenn die Stadt etwas mitbekomme, das sofort weg muss – gemeint sind politisch extreme Graffiti – dann kommen sie auch weg. Die Entfernung von Graffiti ist aber teuer, sagt Hartmann: "Da müssen Sie mit einer zwei- bis dreistelligen Summe rechnen pro Graffiti."
Wer prägt das Stadtbild?
Leo und Karl wollen mit ihren Aktionen das Stadtbild verändern. Kunst und Vandalismus könne man deswegen nicht genau trennen, sagt Karl. Im Zweifel sei es ihnen wichtiger, linke Graffiti zu sprühen und damit rechte Symbole nicht stehen zu lassen.
Zudem argumentiert Karl, dass Städte von reichen Menschen geprägt werden. Denn die könnten es sich leisten, Werbeflächen zu mieten. Deshalb sei Graffiti-Kunst umso wichtiger, weil theoretisch jeder sprühen kann.
Antifa ist nicht gleich Antifa
Dass die Antifa auch krassere Aktionen macht, die extremistisch sind, ist für die Macher klar. Doch: Antifa ist nicht gleich Antifa. Die Antifa ist eine Bewegung, keine Organisation. Jede Gruppe handelt unterschiedlich, je nach Region. So viel steht fest: Karl und Leo werden weiter politische Statements gegen rechts in der Pfalz setzen. Auch, wenn nicht alles, was sie tun, legal ist.