Links Apotheke, rechts Gesundheitszentrum. Direkt am Rathausplatz in Haßloch im Kreis Bad Dürkheim liegt die Apotheke von Gerd Berlin. Für viele Menschen ist sie die erste Anlaufstelle, wenn Medikamente gebraucht werden. Doch seit anderthalb Jahren bietet die Apotheke noch mehr. Jugendliche können hierherkommen, wenn es ihnen psychisch oder mental nicht gut geht.
Wenn man Bauchschmerzen hat, geht man in die Apotheke, dass sie einem helfen. so soll es auch bei psychischen Problemen sein.
Die Apotheke ist Teil des Projekts "Safe Space Apotheke". Ziel ist es, jungen Menschen einen geschützten Ort zu bieten, an dem sie offen über ihre Sorgen sprechen können; und das anonym, unkompliziert und ohne Angst vor Verurteilung.
Erste Safe Space Apotheke in der Pfalz
Damit das Angebot in Haßloch bekannter wird, wirbt die Apotheke bereits auf ihrem Botendienst-Auto für das Projekt. Zusätzlich sollen bald noch Aufkleber für die Schaufenster und Flyer folgen.
Vor rund anderthalb Jahren machte die Studentin Ladsika Balasingam, die tageweise auch in der Apotheke arbeitet, ihren Chef Gerd Berlin auf die Idee aufmerksam. Sie hatte das Konzept über eine Jugendinitiative aus Nordrhein-Westfalen kennengelernt und war überzeugt, dass auch Haßloch dringend eine "Safe Space Apotheke“ brauche. Bei Gerd Berlin stieß sie damit sofort auf offene Ohren. Schnell wurde alles in die Wege geleitet. Heute ist die Apotheke die erste ihrer Art in der Pfalz.
Hilfe bei Problemen zuhause, Sucht oder Identitätsfragen
Alle Mitarbeitenden der Apotheke wurden speziell geschult. Sie lernen, wie sie mit Jugendlichen ins Gespräch kommen können, die Hilfe suchen oder sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Die Mitarbeitenden verstehen sich dabei nicht als Therapeutinnen oder Therapeuten. Vielmehr wollen sie jungen Menschen dabei helfen, erste Schritte zu gehen und passende Unterstützung zu finden.
Dabei arbeitet die Apotheke eng mit dem Gesundheitsamt Bad Dürkheim zusammen. Gemeinsam wird geschaut, welche Angebote für die Jugendlichen geeignet sind. Zum Beispiel bei Problemen durch die Scheidung der Eltern, bei Alkohol- oder Cannabiskonsum oder bei Fragen zur eigenen Identität.
Die Apotheke hilft außerdem dabei, Kontakte zu Ärztinnen, Therapeuten oder Beratungsstellen herzustellen. Dadurch soll die Hemmschwelle sinken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Niedrigschwellige Hilfe im Alltag
Mit Eltern über depressive Gedanken zu sprechen oder Lehrkräften zu erzählen, wie schlecht es einem geht, fällt vielen Jugendlichen schwer. In einer Apotheke sei die Situation oft anonymer, sagt Gerd Berlin. Niemand müsse seine Probleme offen vor Mitschülern oder Bekannten ansprechen. Jugendliche könnten selbst entscheiden, mit wem sie reden möchten.
Für Gerd Berlin ist genau das der große Vorteil: Die Hemmschwelle sei hier deutlich niedriger als etwa in der Schule.
Noch ist die Apotheke in Haßloch die einzige "Safe Space Apotheke" in der Pfalz. In ganz Rheinland-Pfalz gibt es bislang nur eine weitere in der Nähe von Mainz. Bundesweit soll das Projekt aber weiter wachsen und es sollen irgendwann 1000 "Safe Space Apotheken" in ganz Deutschland geben.