Heftige Kritik bei Podiumsdiskussion in Wachenheim

Sparkurs der Evangelischen Kirche Pfalz verärgert Mitglieder

Die Evangelische Kirche der Pfalz muss dringend sparen. Wie genau - damit wird sich ab 21. November die Herbstsynode in Speyer befassen. Aber: unter den Mitgliedern rumort es gewaltig.

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Stand

Von Autor/in Irmgard Reißinger

Die Protestantische Kirche St. Georg in Wachenheim (Kreis Bad Dürkheim) ist voll besetzt. "Was wird aus unserer Kirche?" ist der Titel der Podiumsdiskussion am Montagabend. Eingeladen hat die Initiative "Pro-Presbyterium". Etwa 150 Mitglieder Protestantischer Kirchengemeinden sind gekommen, vor allem aus Städten und Gemeinden entlang der Deutschen Weinstraße.

Zuerst präsentiert Timo Schmidt, persönlicher Referent von Kirchenpräsidentin Wüst im Landeskirchenrat die Fakten zum "Zukunftsprozess" der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Evangelische Kirche der Pfalz steht vor Problemen

Es sieht nicht gut aus: Mitgliederrückgang, knappe Kassen und fehlender Pfarrer-Nachwuchs verlangten "Mut, neue Wege zu gehen", sagt Schmidt. Schon vor drei Jahren bei der Herbstsynode 2022 sei klar formuliert worden: "Wenn wir so weitermachen, werden wir in zehn Jahren kein Geld mehr haben", so Schmidt. Der Zukunftsprozess sei nicht von oben diktiert, sondern ein Entschluss von gewählten Vertretern der Landeskirche.

Pro Presbyterium - hier wird über den Sparkurs der evangelischen Kirche der Pfalz diskutiert.
Vor der Podiumsdiskusstion gab es Informationen über den Zukunftsprozess

Kritik an "Monster-Dekanaten"

Versammelte Pfarrer, Presbyter und Gemeindemitglieder kritisieren in der Diskussion vor allem zwei Eckpunkte: Statt der bisher 15 Kirchenbezirke soll es in Zukunft nur noch vier geben. Das spare Personal und Geld. Die Kirchenmitglieder an der Basis befürchten jedoch, dass sie in diesen "Monster-Dekanaten" ihre Selbstständigkeit und zahlreiche Rechte verlieren werden.

Denn die Kirchengemeinden sollen gleichzeitig den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verlieren: Der Grundbesitz, die Gebäude und die Hälfte des Barvermögens gingen an den Kirchenbezirk. Die Initiative Pro Presbyterium befürchtet: "Wir können dann keinen eigenen Haushalt mehr verwalten, keine Ortskirchensteuer erheben, kein Personal einstellen. Die Kirchengemeinden verlören ein entscheidendes Stück ihrer Gestaltungshoheit und ihrer Einflussmöglichkeiten", fürchtet Pfarrer Andreas Funke von der Kirchengemeinde Grünstadt. Sie würden bei zukünftig nur noch vier großen Kirchenbezirken "entmündigt und entmachtet."  

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Die Rechte der Gemeinden an der Basis sollen erhalten bleiben, erklärte Projekt-Referent Timo Schmidt in der Podiumsdiskussion und versuchte, die Gemüter zu beruhigen. Zuwendungen wie Erbschaften oder Spenden könnten auch in Zukunft durch die Gemeinden selbst verwaltet werden. Wenn es zukünftig nur vier statt bisher 15 Kirchenbezirke gebe, sei dies eine Entlastung für die Menschen vor Ort. In Zukunft werde sich die Zahl der Pfarrer von 260 auf 120 etwa halbieren. Grund sei der drastische Rückgang an Theologiestudenten. "Die Welt hat sich verändert, die Synode sucht Wege, damit Kirche mit neuen Realitäten lebendig bleibt", so Schmidt.

Pro Presbyterium - hier wird über den Sparkurs der evangelischen Kirche der Pfalz diskutiert.
Viele der 150 Besucher beteiligten sich an der Diskussion.

Synodale beantworten Fragen

Zwei Mitglieder der Synode versicherten in der rund dreistündigen Diskussion, die Verwaltung habe kein Interesse Kirchengemeinden durch die Reform zu zerstören. Die Sorgen der Kirchengemeinden seien jedoch berechtigt, angesichts der Tatsache, dass Mitgliederzahlen und Ressourcen weiter sinken.

Finanzielle Lage unterschiedlich

Die protestantischen Kirchengemeinden an der Weinstraße stünden jedoch finanziell und personell häufig besser da, als Gemeinden zum Beispiel in Ludwigshafen, berichtet Dekan Paul Metzger vom Kirchenbezirk Ludwigshafen. Eine volle Kirche wie an diesem Abend in Wachenheim erlebe er in Ludwigshafen nur selten.

Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion spüren in der Georgskirche was durch Engagement und Spenden in einer schön restaurierten Kirche noch möglich ist: zum Beispiel ein neues, kunstvoll gestaltetes Kirchenfenster oder beheizbare Sitzkissen auf den Kirchenbänken.

Pro Presbyterium - hier wird über den Sparkurs der evangelischen Kirche der Pfalz diskutiert.
Auch nach drei Stunden Diskussion waren noch nicht alle Fragen beantwortet.

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Irmgard Reißinger

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