Die Protestantische Kirche St. Georg in Wachenheim (Kreis Bad Dürkheim) ist voll besetzt. "Was wird aus unserer Kirche?" ist der Titel der Podiumsdiskussion am Montagabend. Eingeladen hat die Initiative "Pro-Presbyterium". Etwa 150 Mitglieder Protestantischer Kirchengemeinden sind gekommen, vor allem aus Städten und Gemeinden entlang der Deutschen Weinstraße.
Zuerst präsentiert Timo Schmidt, persönlicher Referent von Kirchenpräsidentin Wüst im Landeskirchenrat die Fakten zum "Zukunftsprozess" der Evangelischen Kirche der Pfalz.
Evangelische Kirche der Pfalz steht vor Problemen
Es sieht nicht gut aus: Mitgliederrückgang, knappe Kassen und fehlender Pfarrer-Nachwuchs verlangten "Mut, neue Wege zu gehen", sagt Schmidt. Schon vor drei Jahren bei der Herbstsynode 2022 sei klar formuliert worden: "Wenn wir so weitermachen, werden wir in zehn Jahren kein Geld mehr haben", so Schmidt. Der Zukunftsprozess sei nicht von oben diktiert, sondern ein Entschluss von gewählten Vertretern der Landeskirche.
Kritik an "Monster-Dekanaten"
Versammelte Pfarrer, Presbyter und Gemeindemitglieder kritisieren in der Diskussion vor allem zwei Eckpunkte: Statt der bisher 15 Kirchenbezirke soll es in Zukunft nur noch vier geben. Das spare Personal und Geld. Die Kirchenmitglieder an der Basis befürchten jedoch, dass sie in diesen "Monster-Dekanaten" ihre Selbstständigkeit und zahlreiche Rechte verlieren werden.
Denn die Kirchengemeinden sollen gleichzeitig den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verlieren: Der Grundbesitz, die Gebäude und die Hälfte des Barvermögens gingen an den Kirchenbezirk. Die Initiative Pro Presbyterium befürchtet: "Wir können dann keinen eigenen Haushalt mehr verwalten, keine Ortskirchensteuer erheben, kein Personal einstellen. Die Kirchengemeinden verlören ein entscheidendes Stück ihrer Gestaltungshoheit und ihrer Einflussmöglichkeiten", fürchtet Pfarrer Andreas Funke von der Kirchengemeinde Grünstadt. Sie würden bei zukünftig nur noch vier großen Kirchenbezirken "entmündigt und entmachtet."
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Die Evangelische Kirche der Pfalz muss massiv sparen. 60 Millionen Euro müssen es bis zum Jahr 2035 sein. Die Kirchenaustritte lassen die Einnahmen immer mehr schrumpfen. Wo will die Kirche sparen?
Landeskirche will Ängste nehmen
Die Rechte der Gemeinden an der Basis sollen erhalten bleiben, erklärte Projekt-Referent Timo Schmidt in der Podiumsdiskussion und versuchte, die Gemüter zu beruhigen. Zuwendungen wie Erbschaften oder Spenden könnten auch in Zukunft durch die Gemeinden selbst verwaltet werden. Wenn es zukünftig nur vier statt bisher 15 Kirchenbezirke gebe, sei dies eine Entlastung für die Menschen vor Ort. In Zukunft werde sich die Zahl der Pfarrer von 260 auf 120 etwa halbieren. Grund sei der drastische Rückgang an Theologiestudenten. "Die Welt hat sich verändert, die Synode sucht Wege, damit Kirche mit neuen Realitäten lebendig bleibt", so Schmidt.
Synodale beantworten Fragen
Zwei Mitglieder der Synode versicherten in der rund dreistündigen Diskussion, die Verwaltung habe kein Interesse Kirchengemeinden durch die Reform zu zerstören. Die Sorgen der Kirchengemeinden seien jedoch berechtigt, angesichts der Tatsache, dass Mitgliederzahlen und Ressourcen weiter sinken.
Finanzielle Lage unterschiedlich
Die protestantischen Kirchengemeinden an der Weinstraße stünden jedoch finanziell und personell häufig besser da, als Gemeinden zum Beispiel in Ludwigshafen, berichtet Dekan Paul Metzger vom Kirchenbezirk Ludwigshafen. Eine volle Kirche wie an diesem Abend in Wachenheim erlebe er in Ludwigshafen nur selten.
Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion spüren in der Georgskirche was durch Engagement und Spenden in einer schön restaurierten Kirche noch möglich ist: zum Beispiel ein neues, kunstvoll gestaltetes Kirchenfenster oder beheizbare Sitzkissen auf den Kirchenbänken.
Herbstsynode beginnt am 21. November
Das Kirchenparlament der Evangelischen Kirche der Pfalz wird in seiner Herbstsynode ab 21. November den Gesetzentwurf für die Umsetzung der Reformen vorlegen. Dach sollen Bezirkssynoden, Kirchenbezirke und Kirchengemeinden beteiligt werden. Die Frage aus dem Publikum, ob diese dann noch eine Chance hätten, etwas zu ändern, beantwortete Dekan Metzger nach der dreistündigen Diskussion ganz kurz und knapp mit "Ja".