Autofahrer missachten Sperrung Überfahrene Feuersalamander in Wachenheim: Polizei ermittelt
Nach dem Bericht über Autofahrer, die trotz Sperrung zur Krötenwanderung hunderte Feuersalamander und Kröten auf einer Kreisstraße zwischen Wachenheim und Lindenberg überfahren, prüft jetzt der Kreis die Sperrung zu verschärfen. Auch die Polizei ermittelt.
Seit mehr als 20 Jahren gibt es auf der Kreisstraße 16 zwischen Wachenheim und Lindenberg ein nächtliches Durchfahrtsverbot während der Kröten- und Amphibienwanderung. Von Februar bis April blinkt ab der Dämmerung ein Licht am Durchfahrtsverbotsschild.
Doch immer wieder fahren trotzdem Autos durch, deren Fahrer den 12-Minuten-Umweg offenbar nicht in Kauf nehmen wollen, beklagen Umweltschützer. Sie fordern eine automatische Schranke für die Straße, die ein Durchfahren unmöglich macht. Dafür kämpfen sie.
Nur trächtige Feuersalamander auf der Straße
Jedes Fahrzeug tötet dutzende Amphibien, sagen die Naturschützer. Auch am Mittwochabend, als sich vier Helfer von den Organisationen NABU und Pollichia auf den Weg machen, um auf der K16 Amphibien zu dokumentieren - lebende und auch die überfahrenen. Bereits einige Meter vor dem Durchfahrtverbotsschild liegt der erste tote Feuersalamander, zerquetscht von einem Autoreifen. "Es ist ein Weibchen", erläutert Susanne Dopp vom NABU Mittelhaardt.
Autofahrer missachten Sperrung Überfahrene Feuersalamander in Wachenheim: Polizei ermittelt
Nach dem Bericht über Autofahrer, die trotz Sperrung zur Krötenwanderung hunderte Feuersalamander und Kröten auf einer Kreisstraße zwischen Wachenheim und Lindenberg überfahren, prüft jetzt der Kreis die Sperrung zu verschärfen. Auch die Polizei ermittelt.
"Nur die trächtigen Weibchen versuchen über die Straße zum Bach zu gelangen, der hier parallel zur K16 verläuft. Dort wollen sie ihre Larven ablegen", sagt sie. Im Schnitt tragen Salamanderweibchen 30 Eier, aus denen beim Ableichen sofort kleine Larven mit Kiemen und vier Füßen werden.
Beim Retten der Salamander Handschuhe tragen
Aus dem kleinen toten Salamanderkörper auf der Fahrbahn sieht man Eier quellen. Theoretisch sind hier gleich 30 Feuersalamander getötet worden. Entlang des Weges entdecken Susanne Dopp und ihr NABU-Kollege Oliver Kieschnick noch weitere tote Feuersalamander. Auch drei lebende Exemplare finden sie und tragen sie über die Straße. Sie tragen Handschuhe, denn zum einen sondern Salamander ein brennendes Sekret ab, zum anderen könnten für Salamander tödliche Bakterien übertragen werden.
Bei ihrer Aktion treffen sie auf Kai Hensel und Johannes Andres vom Umweltschutzverein Pollichia. Sie sind bereits auf dem Rückweg von einer Amphibien-Zählung. Hensel ist ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter des Kreises Bad Dürkheim. Seit 2022 befährt er bei feuchter Witterung die gesperrte Straße mit dem Fahrrad und dokumentiert die Anzahl der Amphibien. Oder er zählt tagsüber die toten Tiere - beides mit einem GPS-Tracker, um aufzuzeigen, wo genau er Salamander, Kröten, Frösche oder Fadenmolche - tote oder lebendige - entdeckt hat.
Knapp 500 tote Salamander bei Wachenheim
An diesem späten Abend musste ein Autofahrer halten, weil Kai Hensel ein Salamanderweibchen rettete und auf der Fahrbahn stand. "Ich habe dem Fahrer das Tier gezeigt und ihm gesagt, dass er es sonst überfahren hätte," sagt der Naturschützer. "Seine Frau auf dem Beifahrersitz ist dann richtig pampig geworden. Sie sagte: 'Du musst Dir von dem gar nichts sagen lassen. Wir sind Jäger. Wir dürfen hier fahren.' So etwas macht mich richtig zornig und das macht die Amphibienrettung auch manchmal richtig anstrengend."
Knapp 500 tote Feuersalamander habe er in den vergangenen drei Jahren gezählt, berichtet Hensel, alle seien trächtige Weibchen gewesen. Rechnet man das hoch, konnten auch 15.000 Salamander nicht schlüpfen. Und das sind nur die, die Naturschützer bei ihren Ausflügen entdeckt haben. Die tatsächliche Zahl totgefahrener Salamander liegt sicherlich deutlich höher.
Automatische Schranken könnte Feuersalamander retten
Davon lassen sich die vier Ehrenamtlichen nicht entmutigen. Susanne Dopp vom NABU sagt: "Wenn der Kreis statt der blinkenden Durchfahrtverbotsschilder Schranken aufstellen würde, die sich bei Dämmerung schließen, könnten Autofahrer das Durchfahrtsverbot nicht länger ignorieren." Sie hofft, dass die Polizei kurzfristig häufiger kontrolliert.
Eine Lösung mit Amphibientunneln unter der K16 sei wegen der Steilhänge rechts und links nicht umsetzbar. Amphibienzäune, die regelmäßig von Freiwilligen abgelaufen werden müssten, sind auch keine Lösung, sagt sie. Schranken müssten vom Landesbetrieb Mobilität aufgestellt werden. Auf SWR-Anfrage verweist der LBM auf den Kreis, der die Entscheidungshoheit habe. Eine Antwort auf SWR-Anfrage beim Kreis steht noch aus.
Bisher seien Schranken immer mit dem Verweis abgelehnt worden, dass die K16 nachts für Notfalleinsätze offen bleiben müsste. Das lassen die Naturschützer nicht mehr gelten: "Für Rettungsfahrzeuge gibt es Sender, um Schranken zu öffnen."
Amphibien sterben auch durch Luftsog von Autos
Die Salamanderweibchen kriechen übrigens sehr langsam an diesem feuchten, aber nicht sehr kalten Abend über die Straße. Kein Wunder, dass die kleinen schwarzgelben Tierchen so leicht Opfer von Autos werden. Trotz ihrer auffälligen Zeichnung übersieht man sie sehr leicht. Selbst wenn sie nicht von Autoreifen plattgefahren werden: Sobald der Sog, den ein Auto ab 30 Kilometern pro Stunde produziert, die Tiere erfasst, platzen ihre Gedärme.
Mehr als die Hälfte der Amphibien gefährdet
Susanne Dopp zeigt ein Bild mit einer Erdkröte auf dem Rücken. Sie ist äußerlich unversehrt und trotzdem tot. Erdkröten stehen auf einer Vorwarnliste zu den bedrohten Arten. Weitere Amphibien entlang der K16 sind der Fadenmolch und der Grasfrosch. Nahezu die Hälfte der in Deutschland lebenden Amphibienarten steht auf der Liste bedrohter Tierarten.