Die Wände sind in hellen Farben gestrichen, Bücher und zahlreiche Spielzeuge stehen bereit. Es gibt einen großen Spielbereich für die Kinder, die eine Tagesmutter aus dem Kreis Bad Dürkheim hier betreut. Sie möchte anonym bleiben. Ihre Arbeit mache ihr großen Spaß, erzählt sie - doch seit einiger Zeit habe sich ein ungutes Gefühl breitgemacht. "Ich und auch viele meiner Kolleginnen haben große Existenzängste", sagt sie.
Die Tagesmutter hat schon viele schlaflose Nächte hinter sich: "Ich überlege sogar, bis März aufzuhören. Und das, obwohl mir die Arbeit so viel zurück gibt und ich mich eigentlich bewusst dafür entschieden habe."
Ich und auch viele meiner Kolleginnen haben große Existenzängste.
Tagesmütter leiden unter ungleichen Voraussetzungen
Zurzeit betreut sie nur drei Kinder, obwohl sie Kapazitäten für fünf hätte. "Wir haben einfach keine Nachrücker, weil viele Kinder in den Kindergarten wechseln." In der Kindertagespflege zahlen Eltern für ihre Kinder Beiträge, die sich pro Kind und Betreuungsstunde sowie nach dem Einkommen der Eltern berechnen. Die Kita ist dagegen für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr bis zum Schuleintritt beitragsfrei.
Immer weniger Nachfrage nach dem Betreuungsangebot Tagesmütter in der Krise im Westen der Pfalz
In etlichen Regionen landesweit haben es Tagesmütter und Väter immer schwerer, Kinder zum Betreuen zu finden. Auch in einigen Kreisen im Westen der Pfalz. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Kitas sind für Eltern günstiger
Das seien unfaire Voraussetzungen, sagt auch Dorothee Geishecker, die als Fachberaterin für die Kindertagespflege im Kreis Mayen-Koblenz zuständig ist. Tageseltern würden hier klar benachteiligt.
"In Rheinland-Pfalz entscheiden sich viele Eltern einfach, ihre Kinder mit zwei wieder aus der Kindertagespflege zu nehmen und in den Kindergarten zu geben", erklärt Geishecker. Das sei aus Sicht der Eltern auch verständlich, weil sie bei einer Tagesmutter monatlich weiter 300 bis 500 Euro bezahlen müssten. Für viele Tagesmütter sei das aber ein großes Problem, denn sie müssten eigentlich dauerhaft vier bis fünf Kinder in Betreuung haben, damit sich das Modell für die selbständig Beschäftigten rechne, sagt die Fachberaterin aus Koblenz.
Das Problem kennt auch Felicitas Haupt aus Hoppstädten-Weiersbach im Kreis Birkenfeld. Dort ist sie die einzige, die eine Kindertagespflege betreibt. Sie sieht dabei jedoch nicht nur das Finanzielle, sondern auch eine Herausforderung für die Kinder. Sie findet es schwierig für die Kleinen, wenn sie sich im Kindergarten dann mit zwei Jahren neu eingewöhnen müssen.
Verband fordert Gleichstellung von Kitas und Kindertagespflege
Diana Fabro ist selbst Tagesmutter und engagiert sich im Landesverband "Kindertagespflege RLP". Dort steht sie im engen Austausch mit Kollegen aus dem ganzen Land. "Bei vielen Kindertagespersonen ist die Zusammenarbeit mit Städten und Kommunen leider nicht so gut. Oft wird die Kindertagespflege auch gar nicht gesehen", berichtet sie.
Der Landesverband fordert unter anderem mehr Öffentlichkeitsarbeit, damit Eltern auf das Angebot der Kindertagespflege aufmerksam werden. Der Verein bevorzugt den Begriff "Kindertagespflegeperson", da die Betreuungskräfte entsprechend qualifiziert und ausgebildet sind. Außerdem setzt sich der Verband für eine stärkere Kooperation zwischen Kitas und Kindertagespflege sowie eine Gleichstellung der beiden Betreuungsmodelle ein: Eltern sollen, wie in Kitas, keine Beiträge zahlen müssen, wenn ihr Kind ab dem zweiten Lebensjahr bei einer Tagesmutter betreut wird. "Wir sind keine Konkurrenz für Kitas, sondern können sie entlasten und ergänzen. Ich habe mehr Zeit und Möglichkeiten, spontane Aktivitäten zu planen und individuell auf jedes Kind einzugehen. Unsere Arbeit ist sehr wichtig", sagt Fabro.
Kindertagespflege braucht größere Lobby in RLP
Bis es soweit ist, bleibt den Tagesmüttern nur die Möglichkeit, auf die Vorteile der Kindertagespflege aufmerksam zu machen, so wie beispielsweise in Ludwigshafen. "Wir gehen auf Faschingsumzüge oder machen Aktionswochen, sodass Eltern auf uns aufmerksam werden." Viele wüssten zunächst gar nicht, dass es dieses Angebot überhaupt gebe.
Fachberaterin: Angebot kann Eltern entlasten
Auch Geishecker betont, die individuelle Betreuung, die durch die Kindertagespflege abgedeckt werden könne, sei durch nichts zu ersetzen. "In Randzeiten, an Wochenenden, in Betrieben oder Seniorenzentren: Kindertagespflege hat ganz viele Möglichkeiten, die eine Kita gar nicht haben kann." Das Angebot könne viele Nischen abdecken, um Familie und Beruf besser zu vereinen und Eltern zu entlasten.
Die Kindertagespflege ist kein Auslaufmodell, wir müssen die Bedingungen nur so verändern, dass sie eine echte Chance hat.
"Die Kindertagespflege ist kein Auslaufmodell, wir müssen die Bedingungen nur so verändern, dass sie eine echte Chance hat", sagt Geishecker. Die Fachberaterin für den Kreis Mayen-Koblenz warnt aber auch, "wenn wir den ganzen Bereich gegen die Wand fahren und aushungern, dann brauchen wir locker fünf bis zehn Jahre, um die Situation wieder zu verändern. Das kann niemand wollen."