Ein großer Raum mit Computern, Konferenztischen und Präsentationsplakaten an den Wänden, aber auch eine nagelneue Sofa-Ecke: Mit einem Klassenraum hat der neue Berufsorientierungsraum an der IGS Ernst Bloch in Ludwigshafen nichts mehr zu tun. In diesem Raum werden ab sofort Schülerinnen und Schüler regelmäßig aufs Berufsleben vorbereitet.
Acht Berufsorientierungsräume in Schulen der Pfalz
Es ist bereits die sechste Schule in der Pfalz, die so einen Raum bekommt. Einer soll noch im Sommer - der nächste im kommenden Jahr folgen. Der Sinn: Eine Atmosphäre schaffen, die das Gefühl von Arbeitsleben vermittelt, Vertrauen in das, was nach der Schule kommt, aufbauen und gleichzeitig Hemmungen oder gar Ängste vor der Berufswelt abbauen.
Schüler und Lehrer: Raum ist echte Bereicherung
An der IGS-Edigheim gibt es so einen Raum bereits seit genau sechs Jahren und sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte empfinden diesen Ort als "echte Bereicherung", sagen sie. Hier haben sich schon etliche Jugendliche informiert und beraten lassen. Dazu steht ihnen eine Fachkraft vom Zentrum für Arbeit zur Verfügung und auch Mitarbeiter der Agentur für Arbeit kommen regelmäßig in diesen Raum und nutzen die PCs, um zu beraten. Die Schülerinnen und Schüler müssen also nicht zu einer Behörde - gerade bei Acht- oder Neuntklässlern ein echtes Hemmnis, sagen die Lehrer.
Der Raum ist viel gemütlicher und strahlt mehr Wärme aus, als so ein Klassenraum mit Holzbänken.
Die Jugendlichen mögen es hier. "Der Raum ist viel gemütlicher und strahlt mehr Wärme aus, als so ein Klassenraum mit Holzbänken", sagt zum Beispiel Aris Balinger aus der 13. Klasse. Es sei ein neutraler Ort, ergänzen andere Schülerinnen und Schüler. Hier treffen sie regelmäßig auch auf Vertreter von Unternehmen, die ihnen Feedback geben, was sie in Bewerbungsgesprächen von jungen Menschen erwarten. Ein Unternehmen hat auch solche Bewerbungsgespräche in dem Raum simuliert. "Das war cool, sowas schon mal zu üben", sagt Sophie Sidlacek aus der 12. Klasse.
Luard Hoxha aus der 13. Klasse sagt, dass ihm die Beratungen sehr geholfen haben beim Schreiben von Bewerbungen - auch wenn er etwas enttäuscht ist, dass er nach "rund 200 Bewerbungen" und mehreren Vorstellungsgesprächen noch immer keinen Job oder Ausbildungsplatz in Aussicht hat.
Persönlicher Kontakt mit Firmen baut Ängste ab
Bei längst nicht allen, aber doch immer mehr Unternehmen sind der persönliche Kontakt zu künftigen Azubis wichtiger als gute Noten, berichten die Berufsorientierungslehrer. Das unterstreicht Katharina Pfeifer aus der 8. Klasse: Ein Treffen mit einem Unternehmensvertreter habe sie und ihre Mitschüler sehr beruhigt. Der habe ihnen erzählt, wie er nach der 9. Klasse mit schlechten Noten im Unternehmen angefangen hatte und sich ganz nach oben gearbeitet hat.
Ein Mitarbeiter einer Firma hat uns erzählt, wie er nach der 9. Klasse angefangen hat und sich bis ganz nach oben hochgearbeitet hat. Das hat vielen von uns die Angst genommen.
Stiftung hat die Idee zu Berufsorientierungsräumen an Schulen
Die gemeinnützige Strahlemann-Stiftung hat bundesweit bereits knapp 80 dieser Berufsorientierungsräume geschaffen. Unternehmen geben das Geld für die Ausstattung und dürfen sich mit Plakaten in den Räumen präsentieren. Auch kommen sie regelmäßig in die Schulen und gestalten das Programm zur Berufsorientierung mit. So haben die Firmen einen Werbeeffekt und können auf potentielle Azubis treffen. In dem Raum können sich aber auch andere Unternehmen vorstellen. Auch Beschäftigte von Behörden oder Universitäten werden eingeladen.
Raum für Jobbörsen, Veranstaltungen, Elternabende
Der Raum wird aber auch genutzt, wenn Jobbörse an den Schulen ist oder für Elternabende zum Thema Beruf. Auch treffen hier die Lehrkräfte für Berufsorientierung regelmäßig mit Unternehmervertretern zusammen. Drei Mal im Jahr gibt es solche Treffen, um zu besprechen, wie dieser Begegnungsraum weiterentwickelt- oder welche Projekte angegangen werden könnten. Das sei ein sehr fruchtbarer Austausch, sagen die verantwortlichen Lehrer an der IGS-Edigheim.