Kurz nach 7 Uhr morgens an der Konrad-Adenauer-Brücke in Ludwigshafen, kurz nach der Hochstraße: Während sich auf der Straße die Autos aneinanderreihen, kommen auf dem Radweg ständig neue Radfahrer vorbei. Einige fahren gemütlich, andere sind mit ihren E-Bikes schnell unterwegs. Dazwischen sind auch Eltern mit kleinen Kindern auf dem Fahrrad.
Direkt an der Brücke stehen an diesem Mittwoch die Ehrenamtlichen vom Brückenkaffee. Jeden zweiten Mittwoch verteilen sie Kaffee, Obst und Muffins an vorbeikommende Radfahrer. Damit wollen sie vor allem eines sagen: Danke fürs Radfahren. Heute halten Pendler auf dem Weg zur Arbeit, E-Bike-Fahrer und Eltern mit kleinen Kindern. Auch Leihräder fahren vorbei.
Nach Brückensperrung: Erste Autofahrer steigen aufs Fahrrad um
Eine der Radfahrerinnen ist Martina aus Ludwigshafen, die jeden Tag zur Arbeit in die Mannheimer Innenstadt fährt - eigentlich immer mit dem Auto, sagt sie, "weil es gemütlicher ist und weil man nicht friert und es auch nicht warm wird."
Aber seit es nach der Brückensperrung Staus zwischen Ludwigshafen und Mannheim morgens und abends gibt, hat sie ihren inneren Schweinehund überwunden. Sie fährt mit dem Rad. "Klar ist man verschwitzt, aber man kann sich ja ein Wechselshirt mitnehmen." Jetzt überlegt sich Martina, ein E-Bike zu kaufen.
Am Brücken-Café ist viel los - zwischen 7 und 8 Uhr an dem Morgen sind rund 200 Muffins weg. Die Ehrenamtlichen vom Brückenkaffee sagen, sie beobachten schon seit Jahren, dass mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind. Auffällig sei auch, dass immer mehr hochwertige Fahrräder und vor allem E-Bikes genutzt werden.
Wenn der Leidensdruck steigt, steigen noch mehr vom Auto aufs Fahrrad um
Andere Radfahrer, die schon länger zwischen Ludwigshafen und Mannheim unterwegs sind, freuen sich über die vielen Menschen auf den Radwegen. Viele ihrer Kollegen beschwerten sich über den Berufsverkehr, sagt Radfahrerin Christine Stock. "Ich glaube wenn der Leidensdruck auf Dauer hoch ist, wird sich schon der ein oder andere eine Alternative überlegen." Stock jedenfalls ist überzeugte Radlerin.
Nach Sperrung von Kurt-Schumacher-Brücke Handwerker befürchten Verkehrskollaps zwischen Ludwigshafen und Mannheim
Pendlern zwischen Ludwigshafen und Mannheim steht mit der Konrad-Adenauer-Brücke nur noch eine Rhein-Brücke zur Verfügung. Handwerksbetriebe erwarten massive Staus und sind verunsichert.
Fahrradfahrer: Autoabgase auf Konrad-Adenauer-Brücke
Ganz ungetrübt ist die Freude über das Radfahren allerdings nicht. Auf der Brücke riecht es deutlich nach Autoabgasen - dafür sind die Radler wesentlich schneller auf der anderen Rheinseite als mancher Autofahrer.
Ob die Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke für vier Jahre langfristig tatsächlich mehr Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad bewegt, lässt sich nach den ersten Tagen noch nicht sagen. An der Konrad-Adenauer-Brücke allerdings ist aber bereits zu beobachten, dass schon jetzt ziemlich viele Menschen auf zwei Rädern unterwegs sind.