"Meine Frau weint jeden Tag", sagt Oleksiy Doroschev. Er ist 2024 aus Kropyvnytskij in der Ukraine nach Deutschland geflohen. Sein Zuhause, das gebe es dort jetzt nicht mehr. Er sagt, es wurde von den Russen zerstört. Neben ihm sitzt Jurii Solodovnyk, er kam schon im März 2022 nach Ludwigshafen. Die beiden haben sich im Verein "Kinderhilfe Ukraine" in Ludwigshafen kennengelernt.
Flucht aus der Ukraine nach Ludwigshafen
Oleksiy Doroschev ist gelernter Schauspieler und hat in der Ukraine an einer Kunsthochschule unterrichtet. Als Russland die Ukraine vor vier Jahren angegriffen hat, durften nur Frauen und Kinder ausreisen, er musste damals dort bleiben. "Ich wollte auch nicht weg, ich wollte zum Militär und für mein Land kämpfen", sagt er. Aber er sei zu alt gewesen, wurde von der Armee abgelehnt.
Deshalb entschloss er sich 2024 mit seiner Frau zu fliehen. In der Ukraine habe er niemanden mehr. Seine Schwester sei von russischen Soldaten getötet worden, weil sie Ukrainisch sprach, sagt er. Seine Tochter lebt mit Mann und Kindern in Heidelberg, deshalb wollen er und seine Frau jetzt hier bleiben.
Ich habe meine Frau und Kinder gepackt und bin geflohen.
Auch der 66-jährige Jurii Solodovnyk ist aus Kiew nach Ludwigshafen geflohen. Allerdings schon im März 2022. "In der Nacht vom 24. Februar wurde ich von Explosionen geweckt, ich habe meine Frau und Kinder gepackt und bin geflohen", sagt er.
Ein Lebenstraum: Goethe und Schiller im Original lesen
Für Oleksiy Doroschev ist die deutsche Sprache die einzige Herausforderung in der Integration. Er lernt die Sprache in einem Deutschkurs, der von der Caritas angeboten wird. "Um sich zu integrieren, muss man deutsch sprechen können", sagt er.
Für den Künstler ist die deutsche Sprache aber nicht unbekannt. "Es ist für mich ein Lebenstraum, einmal die Werke von Goethe und Schiller in Originalsprache lesen und verstehen zu können", sagt er. Auch das spornt ihn an.
Wie lernt man eine Sprache, ohne sie zu hören?
Für Jurii Solodovnyk ist die Integration über die Sprache deutlich schwerer. Er hat im Laufe seines Lebens sein Gehör verloren und hört jetzt nur noch Geräusche. Weil es in Ludwigshafen keinen Sprachkurs für Gehörlose gab, hat der 66-Jährige erstmal die deutsche Gebärdensprache gelernt. Diese unterscheidet sich gänzlich von der ukrainischen, erklärt er.
"Kinderhilfe Ukraine" in Ludwigshafen hilft Gehörlosen
Der Verein "Kinderhilfe Ukraine" Rhein-Neckar mit Sitz in Ludwigshafen bietet verschiedene Kurse für Ukrainerinnen und Ukrainer an, um zusammen zukommen und sich zu integrieren. Die beiden Ukrainer Jurii Solodovnyk und Oleksiy Doroschev engagieren sich beide in diesem Verein. Solodovnyk leitet eine Gruppe von gehörlosen Ukrainerinnen und Ukrainern, die einmal wöchentlich zusammen kommen.
Deutsch lernen mit Volleyball und Basteln
Der Verein bietet aber auch einen Chor, ein Volleyballteam oder eine Bastelstunde für ukrainische Kinder. In allen Kursen lernen die Teilnehmenden Deutsch in Verbindung mit ihrem Hobby. Noch viel wichtiger für die Integration seien aber Sprach- und Integrationskurse, erklärt Sobetska.
Besonders Ukrainerinnen und Ukrainer haben keinen garantierten Platz mehr in diesen Kursen, weil das Bundesinnenministerium die Kurse nicht mehr finanzieren will. Lediglich Geflüchtete mit gesicherter Bleibeperspektive bekommen diese Kurse noch garantiert.
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Hoffnung auf freie Ukraine bleibt
"Wir müssen uns hier integrieren und die Sprache lernen, aber wir dürfen niemals vergessen, dass wir Ukrainer sind", sagt Oleksiy Doroschev. Ihm ist es wichtig, dass er ukrainische Traditionen weiter auslebt, auch wenn er jetzt in Deutschland ist. "Ich bin stolz darauf, Ukrainer zu sein", betont er.
Besonders der Austausch im Verein in Ludwigshafen helfe vielen Ukrainerinnen und Ukrainern in der Pfalz Hoffnung zu bewahren, erklärt die Leiterin des Vereins Valentyna Sobetska. Auch nach vier Jahren Krieg, halten Solodovnyk und Doroschev an ihrem Land fest.
"Wir haben diesen Freiheitsgedanken in unserer Genetik", sagt Doroschev. Er wünscht sich, dass die Ukraine ein Teil der Europäischen Union wird und gemeinsam ein demokratisches Europa bildet.