Schon auf dem Weg vom fast neuen Flughafen von Zhanjiang in die City fallen diese gigantischen Hochhaus-Komplexe ins Auge. Aber klar, irgendwo müssen die sieben Millionen Menschen, die in dieser Metropole leben, ja auch wohnen.
Vieles sieht neu und auch beeindruckend aus, wie der vor vier Jahren fertiggestellte neue Flughafen rund 40 Kilometer außerhalb. Aber zwischendrin zeugen auch einige Hochhaus-Rohbau-Ruinen von der chinesischen Immobilien-Krise.
Rollerschwärme mit E-Antrieb
Das Zentrum von Zhanjiang ist quirlig und es sind riesige Schwärme von Rollern auf den Straßen unterwegs, manchmal bepackt mit Kartons und Tüten oder ein Kind steht vor der Fahrerin, eines sitzt dahinter. Im ersten Moment fällt gar nicht auf, was an diesem Bild von urbaner Mobilität fehlt: Der Lärm. Es sind praktisch ausschließlich Elektro-Roller, die die Menschen hier fahren. Nichts stinkt, nichts macht Krach.
China fördert die E-Mobilität und es gab auch Verbote für Verbrenner-Roller in Innenstädten. Und offenbar können sich diese E-Roller auch viele Menschen leisten. Als Fußgänger muss man halt aufpassen, auch wenn die Fußgängerampel grün zeigt.
CDU-Wirtschaftsministerin Reiche schickte Videobotschaft BASF-Werk in China offiziell eröffnet
Die BASF hat in China einen neuen Verbundstandort feierlich in Betrieb genommen, der so ganz anders ist, nicht nur, weil er neu ist. Er ist digital, arbeitet mit 100 Prozent Ökostrom und steht nach Ansicht des Unternehmens genau an der richtigen Stelle.
Neues BASF-Werk in China außerhalb des Stadtzentrums
Das neue BASF-Werk in Zhanjiang liegt rund 40 Kilometer außerhalb, auf einer vorgelagerten Insel. Täglich fahren Shuttle-Busse die rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Stadt zum Werk. Die Stadtteile und ländlicheren Bereiche auf dem Weg zeigen dann auch ein anderes Bild: verfallene Gebäude am Straßenrand, zwischendrin ein paar Felder, einzelne Kühe, dann wieder Müll und auch wieder gut ausgebaute Bereiche. Es gibt da auch arme Leute und noch viel Entwicklungsarbeit.
Was ist "Basfu"?
BASF ist ein Begriff in Zhanjiang. Das merke ich, als ich in die Altstadt laufe und angesprochen werde. Touristen aus Westeuropa verlaufen sich nicht oft hierher. Ob ich was mit "Basfu" zu tun hätte und aus Deutschland komme, werde ich gefragt. Ja, sage ich - zu kompliziert, zu erklären, dass ich über die Eröffnung berichtet habe. Aber "BASF" und "Germany" reichen als Stichworte und der Mann strahlt und ruft mir gute Wünsche hinterher. Es sprechen nicht viele hier Englisch, selbst am Flughafen-Schalter und auch vereinzelt im Hotel muss die Übersetzungs-App auf dem Smartphone helfen.
Zhanjiang war einst französische Kolonie
Hier in der Altstadt stehen noch Häuser aus der Zeit, als die Region französische Kolonie war. Viele kleine Stände gibt es hier, mit Obst und Gemüse, mit Holzarbeiten oder allerlei Krimskrams. Die Menschen sind ungemein herzlich und hilfsbereit - es ist der Stadteil, den uns am Vortag eine BASF-Mitarbeiterin gezeigt hat, weil sie hier aufgewachsen ist. Alte Gemäuer, aber mit Seele und Charme. Und bei ihr war deutlich spürbar, wie stolz sie darauf ist, bei der BASF zu arbeiten.
BASF-Werk offiziell eröffnet
Es ist nur ein kurzer Eindruck, man müsste viel intensiver mit den Menschen ins Gespräch kommen, um all die schnellen Eindrücke zu hinterfragen. Die Korrespondenten-Kolleginnen und -Kollegen erzählen, wie schwierig es für Journalisten ist, unabhängig und unbeobachtet zu berichten. Wäre ich hier mit Kamerateam und Übersetzer aufgekreuzt, hätte das wahrscheinlich die Staatsmacht auf den Plan gerufen. Wer weiß. So bleibt es bei der kurzen Visite im Schatten der BASF-Eröffnungsfeier.
Hochglanzfassade mit Brüchen
Der zweitstündige Trip zu Fuß durch die Straßen von Zhanjiang ist schweißtreibend, bei 30 Grad im Schatten und hoher Luftfeuchtigkeit. Hier in der Gegend wachsen Ananas und Mango. Chinesen machen hier auch Urlaub, der Strand kann sich sehen lassen. Die Stadt kommt mir sehr aufstrebend und modern vor und gleichzeitig sind da Brüche in der Hochglanz-Fassade, wie sie jede Großstadt hat. Apropos Großstadt, wie sagte doch der Korrespondentenkollege, der sich in China auskennt: Eigentlich ist Zhanjiang ein Kaff, im Vergleich zu den richtigen Metropolen Chinas. Ein Kaff mit sieben Millionen Einwohnern.