Bürgermeister Jens Güllering (CDU) geht durch eine leer stehende Wohnung, die seine Gemeinde Nastätten für Flüchtlinge bereit hält. Er sieht nach, ob alles in Ordnung ist - für den Fall der Fälle. "Aktuell sind es tatsächlich acht freie Wohnungen", erzählt er. Daran sehe man, dass sich die Zuweisungszahlen entspannt haben. "Die Wohnungen sind möbliert und können jederzeit auch genutzt werden, wenn der Bedarf sich wieder ergibt."
Drastischer Rückgang der Zahlen seit 2023
Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Eine Nachfrage beim rheinland-pfälzischen Integrationsministerium ergibt, dass bis Ende Juni 2025 gut 2.600 Flüchtlinge nach Rheinland-Pfalz gekommen sind. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 hat das Land noch gut 14.800 Menschen aufgenommen, im vergangenen Jahr waren es noch knapp 9.650.
Die meisten der Asyl suchenden Menschen stammten aus Syrien, der Türkei, Afghanistan, Ägypten und Somalia. Darüber hinaus hat das Land auch wieder viele Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. Diese gelten aber nicht als Asylsuchende und werden deshalb gesondert erfasst.
Wohnungsnot vorerst vorbei
Wohnungsknappheit gab es noch bis vor Kurzem deshalb auch in Nastätten. Lange waren die Wohnungen für Geflüchtete voll belegt. Die Kommune musste neuen Wohnraum suchen. Ein Kraftakt. Nun endlich eine kleine Verschnaufpause.
"Verschnaufpause muss man durchaus in Anführungszeichen sehen, denn es ist eine Verschnaufpause bei der Unterbringung der Menschen", so Güllering. "Aber die Menschen, die da sind, werden natürlich weiter betreut und auch weiter begleitet."
Kommunen bei der Integration weiter vor großen Aufgaben
Diese Erfahrung machen auch andere Kommunen in Rheinland-Pfalz. Zwar habe die Zahl der Asylbewerber abgenommen. Aber - so der rheinland-pfälzische Landkreistag - aktuell gebe es dennoch mehr als genug zu tun.
"Die Arbeit fängt jetzt erst an, das ist ein Prozess, der über Jahre dauert", sagt Andreas Göbel, geschäftsführender Direktor beim Landkreistag. Die Hälfte der Asylsuchenden, die 2015 und 2016 gekommen sind, seien noch nicht in Vollzeit erwerbstätig.
Beratungsbedarf ungebrochen
Diesen Menschen hilft Carolin Donath. In Nastätten berät sie Flüchtlinge. Von den Auswirkungen sinkender Asylbewerberzahlen merke sie nichts. Alleine in diesem Jahr habe sie schon mehr als 500 Beratungsgespräche geführt - etwa wenn es um die Suche nach einem Schulplatz oder einer Arbeitstelle geht. Es müsse mehr Beratungsstellen geben, findet sie: "Das ist das, was ja immer weniger wird, aber der Bedarf ist da."
Auch wenn weniger Menschen nach Deutschland kommen, so ganz traut die Gemeinde Nastätten der Ruhe nicht. In einem Lagerraum sammelt sie Spenden und alles, was eine Familie für den Neustart in Deutschland braucht, um vorbereitet zu sein, wenn die Zahl der Asylbewerber wieder steigen sollte.