Sogar im Stadtrat am Mittwoch ist die Babyklappe Thema. Auf eine persönliche Anfrage der SPD-Abgeordneten Sissy Westrich erklärte die Verwaltung, dass aktuell Gespräche liefen. So habe der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz gegenüber Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD) eine "wohlwollende Prüfung" zugesichert, ob die Babyklappe auf dem Campus eingerichtet werden könne.
Allerdings müssten dafür zunächst noch einige grundsätzliche Aspekte geklärt werden. Laut Unimedizin geht es dabei vor allem um die Trägerschaft und andere rechtliche Fragen.
Stadt sieht Chancen für Babyklappe an einem Krankenhaus
Ähnliche Gespräche sollen in den nächsten zwei Wochen auch mit dem Marienhaus Klinikum Mainz geführt werden. An beiden Krankenhäusern sei eine Babyklappe denkbar. Als Voraussetzung nennt die Verwaltung eine geschützte Lage und eine gute Erreichbarkeit. Zudem müsse es ein Wärmebett und rund um die Uhr verfügbares Personal geben. Auch der "sichere zügige Transport in die Klinik muss gewährleistet sein".
Babyklappe in Mainzer Altstadt existierte fast 23 Jahre
Fast 23 Jahre lang war der Seiteneingang des Bruder-Konrad-Stifts in der Kappelhofstraße in der Mainzer Altstadt für zehn Neugeborene vermutlich die Rettung. Die unscheinbare Holztür führte zur Babyklappe. Dort stand in einem kleinen Vorraum ein Wärmebettchen, in das Mütter anonym ihr Kind legen konnten. Seit Dienstag ist die Babyklappe am Ende - altersbedingt.
Begleiterinnen zu alt für Babyklappe
Der Betreiber der Babyklappe, der Sozialdienst katholischer Frauen, bedauere die kurzfristige Schließung. Die Marienschwestern, die das Angebot bisher begleitet hatten, seien zu alt. "Unser Alter und das Fehlen jüngerer Mitschwestern, die diese Aufgabe fortführen könnten, waren Gründe für diese Entscheidung, die uns sehr schwergefallen ist", heißt es von zwei der Schwestern.
Stadt Mainz bedauert Aus für Babyklappe
Die Stadt Mainz bedauert das Aus für die Babyklappe. Sie habe "Müttern in extrem belastenden Lebenssituationen eine Möglichkeit zur anonymen und sicheren Abgabe ihres Kindes geboten", so Sozialdezernentin Schmöller. Die Stadt stehe weiter hinter der Idee einer Babyklappe.
Zehn Kinder wurden in Babyklappe abgegeben
Nach Angaben des Sozialdienstes wurden seit Gründung der Babyklappe zehn Kinder dort abgegeben. 2014 hat der Gesetzgeber die vertrauliche Geburt möglich gemacht, also anonyme Geburten, bei denen die Kinder später ihre Herkunft erfahren können. Trotzdem seien seitdem noch vier Kinder in der Babyklappe aufgefunden worden. Das zeige, dass die Babyklappe eine wichtige Anlaufstelle für Frauen in höchster Not war.
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Für betroffene Mütter gibt es noch andere Hilfsangebote. Die Stadt empfiehlt, das Hilfetelefon "Schwangere in Not" zu kontaktieren. Der Service ist rund um die Uhr anonym und kostenfrei erreichbar unter der Telefonnummer 0800 40 40 020. Außerdem könnten sich die Frauen auch jederzeit an die Universitätsmedizin oder an das Marienhaus Klinikum Mainz wenden.