Es geht um rund 200 Meter mitten in der Stadt, in der Nähe eines größeren Supermarktes. Dieser Bereich hat sich in den vergangenen Monaten zu einem Treffpunkt von Leuten entwickelt, die dort viel trinken, Drogen nehmen und dann grölen, Passanten anpöbeln und auch handgreiflich werden.
Zunahme der Gewalt befürchtet Entsetzen nach Angriffen auf Obdachlose in Bad Kreuznach
Die Angriffe auf zwei Obdachlose in Bad Kreuznach bereiten der Wohnungslosenhilfe Kreuznacher Diakonie große Sorgen. Sie fordert mehr Zivilcourage von Bürgerinnen und Bürgern.
Alkoholverbot soll noch diese Woche kommen
Für Passanten und Ladenbesitzer sei das eine sehr unangenehme Situation, sagt Ordnungsdezernent Markus Schlosser (parteilos) und ist überzeugt: "So geht es nicht weiter." Deshalb gab es kürzlich einen runden Tisch mit Vertretern der Stadt, der Polizei und mit Streetworkern.
Dort wurde beschlossen, eine Rechtsverordnung zu dem geplanten Alkoholverbot auszuarbeiten. Die ist jetzt fertig und soll in den kommenden Tagen in Kraft treten.
Verbotszone für Alkohol in Fußgängerzone von Bad Kreuznach
Das Alkoholverbot soll in der Mannheimer Straße für den Bereich zwischen Salinenplatz und Haus der Stadtgeschichte gelten. In dieser Verbotszone könnten die Mitarbeitenden des Ordnungsamtes künftig nicht nur kontrollieren, sondern auch durchgreifen.
Wir können dann schon einen Platzverweis aussprechen, wenn jemand nur eine Bierflasche auspackt.
Dank der neuen Rechtsverordnung sei es möglich, den Leuten dort zum Beispiel schon einen Platzverweis zu erteilen, wenn sie nur eine Bierflasche aus dem Rucksack holten.
Obdachlose finden das Alkoholverbot ungerecht
Betroffene Obdachlose erklären auf SWR-Anfrage, dass sie das geplante Alkoholverbot nicht in Ordnung finden. Es sei ungerecht, allen das Biertrinken an dieser Stelle zu verbieten, weil einige wenige sich mal daneben benähmen.
Wenn die Stadt Bad Kreuznach wirklich etwas für Obdachlose tun wollte, dann müsste sie dafür sorgen, dass es einen Platz gibt, wo wir uns aufhalten können.
Es gebe für Obdachlose keinen anderen Platz in Bad Kreuznach, wo sie sich aufhalten und treffen könnten, der so zentral gelegen sei und wo es auch eine kostenlose Toilette in der Nähe gebe. Und jetzt wolle man sie dort auch noch "verscheuchen".
Bad Kreuznach will Streetworker einsetzen
Ordnungsdezernent Schlosser sagt aber auch, dass man die betroffenen Menschen nicht einfach nur verdrängen wolle. Streetworker würden auch weiterhin das Gespräch mit ihnen suchen, um die Gesamtsituation zu entschärfen und Lösungen zu suchen.
Die Stadt arbeite dabei eng mit den Vereinen "Bastgässjer" und "Treffpunkt Reling" zusammen, die sich in Bad Kreuznach um Obdachlose kümmern.