Winzer sind in einer speziellen Situation: Sie betreuen ein Jahrhunderte altes Kulturgut und stecken deshalb in vielen Verpflichtungen fest, sagt Manuela Rimbach-Sator. Die ehemalige Pfarrerin von Oppenheim macht Winzerinnen und Winzern seit einigen Wochen ein spezielles Gesprächsangebot.
Seelsorgerin berichtet von Tränen am Telefon
"Mal beginnt ein Telefonat damit, dass einer einfach nur weint und erstmal gar keine Worte für seine Situation findet," berichtet Rimbach-Sator. Andere sprudelten geradezu los und seien kaum zu stoppen, wenn sie von ihren aktuellen Problemen erzählen.
Familienbetriebe aufzugeben ist besonders schwer
Die Themen ähneln sich, sagt die ehemalige Pfarrerin. Oft gehe es darum, dass die Zukunft des Betriebes gefährdet ist. Der sei häufig seit Jahrzehnten und mehreren Generationen in Familienhand.
Und dann ist die seelische Not groß: Wie sage ich es meinem Vater, meinem Großvater? Wie verkrafte ich das seelisch, wenn ich derjenige bin, der einen Betrieb abwickeln muss, der seit fünf Generationen besteht?
Tatsächlich sei ein Drittel der Betriebe in finanzieller Not und müsse sich fragen, ob das Ganze wirtschaftlich noch tragbar sei, so die Erfahrung von Rimbach-Sator: "Wenn mehrere Generationen davon leben, ist es doppelt schwer aufzugeben und zu sagen: Das rechnet sich nicht mehr."
Klimakrise, Personalkosten und Zollpolitik machen Winzern zu schaffen
Doch was macht es gerade für Winzerinnen und Winzer so besonders schwierig? Laut der Seelsorgerin ist es eine Kombination von Faktoren, die zurzeit geballt auftreten und dieser Berufsgruppe zusetzen.
Da seien zum einen die Klimaveränderungen und ihre Folgen, auch für den Weinbau. Dazu kämen seit Jahren steigende Personal- und Betriebskosten. Gleichzeitig sinken die Preise wegen Überproduktion.
Der Markt wird immer schwieriger. Die Winzer können nicht mehr darauf vertrauen, dass sie alles, was sie ernten, auch verkaufen.
Ein weiterer Punkt ist die unberechenbare Zollpolitik der USA. Exporte dorthin sind deutlich teurer geworden. Und schließlich trinken die Leute in Deutschland im Schnitt immer weniger Alkohol.
Evangelische Kirche will Winzer in der Krise unterstützen
All diese Entwicklungen zusammengenommen führten dazu, dass Winzerinnen und Winzer unter einem enormen Druck stünden, so die Evangelische Kirche Hessen und Nassau (EKHN). In Zusammenarbeit mit der "Landwirtschaftlichen Familienberatung der Kirchen" sei deshalb die Idee einer speziellen Seelsorge aufgekommen.
Auf ihrer Website schreibt die EKHN: "Die Winzerseelsorge möchte da sein, bevor die Überforderung zur Krise wird, und Menschen begleiten, wenn Wege unübersichtlich erscheinen." Manuela Rimbach-Sator hofft, die Menschen damit so zu stärken, dass sie doch nicht aufgeben müssen und - im besten Fall - ihre Betriebe weiterführen können.