In der Pflege ist der Fachkräftemangel mittlerweile so groß, dass auch außergewöhnliche Einrichtungen vor dem Aus stehen. Betroffen ist das Kinder-Palliativ-Team zur ambulanten Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen in Mainz.
Kinder, die eigentlich in einem Hospiz untergebracht werden müssten, können durch dieses Team weiter bei ihren Familien zu Hause betreut werden.
Das Team in Mainz war das erste dieser Art in Rheinland-Pfalz. Jetzt fehlen Ärzte und vor allem Pflegekräfte. Das sagt der Geschäftsführer des Mainzer Hospizes, Uwe Vilz. Wir haben mit ihm über die Ursachen und mögliche Auswirkungen gesprochen.
Gründe für mögliches Aus des Kinder-Palliativ-Teams Mainz
SWR1: Was fehlt Ihnen – Ärzte, Pfleger?
Uwe Vilz: Wenn Sie mich so offen fragen, beides. Pflegekräfte sind im Moment unsere größte Baustelle. Da brauchen wir dringend in den nächsten Wochen und Monaten neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
SWR1: Es fehlt also nicht an Geld, sondern an geeigneten Bewerbungen?
Vilz: Es fehlt wirklich "nur" an den Menschen, die sich bei uns bewerben, die diese Arbeit gern tun möchten. Geld ist bei uns jetzt nicht das Thema.
Wir haben einen Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen. Da gibt es bestimmte Bedingungen, die wir erfüllen müssen. Das ist alles noch gegeben. Aber demnächst werden wir dann auch da in die Schwierigkeit kommen, dass wir bestimmte Anforderungen gar nicht mehr erfüllen können.
Unterstützung für schwerstkranke Kinder Fachkräftemangel: Kinderpalliativteam in Mainz droht das Aus
Das Kinderpalliativteam pflegt schwerkranke Kinder und Jugendliche zuhause. Diese wichtige ambulante Versorgung steht nun wegen Pflegekräftemangel auf der Kippe.
Arbeit des Kinder-Palliativ-Teams
SWR1: Das Team zur ambulanten Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen ist ein kleines Team aus Ärzten und Pflegern, das zu Familien, die ein todkrankes Kind haben, nach Hause fährt.
Vilz: Die Mitarbeitenden fahren zu den Familien nach Hause, begleiten dort die erkrankten Kinder. Sie versuchen auch deren Eltern so fit zu machen, dass sie mit bestimmten Schwierigkeiten, mit bestimmten Situationen zurechtkommen.
Das heißt, dass sie aufgeklärt werden, was mache ich, wenn das und jenes passiert. Zum Beispiel, wenn mein Kind krampft, dass sie da handlungsfähig sind.
Aber ansonsten steht rund um die Uhr und 365 Tage eine Rufbereitschaft für die Familie zur Verfügung. Das Ganze machen wir in einem großen Einzugsgebiet. Das geht bis Worms, Donnersberg, die Nahe, Hunsrück bis in Richtung Simmern.
Voraussetzungen für die Arbeit beim Kinder-Palliativ-Team
SWR1: Warum ist das eine besonders wichtige und fordernde Aufgabe? Warum ist es sinnvoll, sich genau darauf zu bewerben?
Vilz: Weil die Mitarbeiter immer signalisieren, dass sie von den Familien eine ganz große Dankbarkeit zurückbekommen für diese Möglichkeit, das Kind zu Hause zu begleiten, nicht in eine Klinik oder auch irgendwann in ein Kinderhospiz umzuziehen zu müssen.
Das ist eine sinnstiftende Tätigkeit. Sie ist auch fordernd, das sei auch nicht verschwiegen, durch die Krankheitsbilder, die man zu sehen bekommt.
Das bedeutet das mögliche Aus des Kinder-Palliativ-Teams für die Familien
SWR1: Die Hilfe des Teams wird dringend gebraucht. Aktuell werden zwischen 20 und 25 Kinder durch das Team ambulant betreut. Wie haben die Familien darauf reagiert, dass dieser Dienst ab dem nächsten Jahr möglicherweise eingestellt werden muss?
Vilz: Für die Familie ist es natürlich jetzt auch nicht die tollste Nachricht. Die ersten Familien haben auch schon Unterstützung signalisiert in dem Sinne, dass sie sagen, was können wir tun, damit dieses Team weiter existiert?
Das wird unter anderem dazu führen, dass zum Beispiel eine Familie sich bereit erklärt hat, auch mal für einen Fernsehbericht zur Verfügung zu stehen. Die Familien versuchen ihren Teil, den sie leisten können, dazu beizutragen, dass das Team erhalten werden kann.
SWR1: Wie wichtig ist es für die Familien, dass die Kinder zu Hause bleiben?
Vilz: Das ist die oberste Priorität bei den Familien, wenn es um die Versorgung des Kindes geht, dass es so lange wie möglich zu Hause bleiben kann.
Gibt es Hoffnung für das Kinder-Palliativ-Team?
SWR1: Haben Sie Hoffnung, dass es doch noch klappt und das Projekt gerettet werden kann?
Vilz: Wir haben die Hoffnung dadurch, dass es jetzt medial ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt. Dass wir dann nochmal an andere Menschen ankommen, die sich vielleicht trauen, sich bei uns zu bewerben. Die sich vielleicht auch sagen, ich traue mir das gar nicht zu. Die Arbeit kann man leisten.
Das ist kein großes Hexenwerk für jemanden, der aus der Kinderkrankenpflege kommt und ein bisschen Berufserfahrung hat. [...] Der Vorteil ist, dass wir keinen Schichtdienst haben, sondern "nur" eine Rufbereitschaft sicherstellen müssen. [...] Vor allen Dingen muss es innerhalb der nächsten paar Wochen und Monate passieren, dass wir in Kontakt kommen.