Mehr als 1.000 Beratungen

Mainzer Frauennotruf: Immer mehr Mädchen unter 14 Jahren melden sich

Sie kommen mit ihren Schulsozialarbeiterinnen oder melden sich über das Internet. Die Zahl der Mädchen unter 14, die sich wegen sexueller Gewalt beim Mainzer Frauennotruf melden, hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Gesa Walch

Die Mädchen erleben sexuelle Gewalt zuhause, aber auch über What's App-Gruppen oder über die sozialen Medien. Und sie sind erschreckend jung. 19 Mädchen unter 14 Jahren haben sich im vergangenen Jahr beim Mainzer Frauennotruf gemeldet. Das mag wie eine geringe Zahl erscheinen, sollte jedoch trotzdem alarmieren.

Sexuelle Gewalt über digitale Medien

Eva Jochmann ist seit über 30 Jahren Beraterin beim Mainzer Frauennotruf. Sie hat beobachtet, dass sich die Entwicklung von Mädchen verändert hat. "Mädchen sind früher offen für Beziehungen, Kontakte zum anderen Geschlecht, gehen früher aus, treten über digitale Medien früher in Kontakte ein."

Ganz großes Thema bei jungen Mädchen ist der Bereich digitale Gewalt, zum Beispiel über das Verschicken von Fotos.

Dadurch kämen sie auch früher in Situationen, in denen sie Unterstützung benötigten. Außerdem gebe es Mädchen, die eine Beziehung zwar vorsichtig beginnen, dann aber einen Übergriff erleben: "Sexuelle Handlungen werden vollzogen, die die Mädchen noch nicht wollten, die aber einfach von älteren Jungen oder Männern ausgeübt werden."

Beraterinnen gehen in Mainz gezielt in Schulen und Jugendzentren

Ein Grund, warum sich mehr Mädchen beim Frauennotruf melden, sei auch, dass der Frauennotruf für diese Zielgruppe präsenter geworden ist. Seit August 2022 gibt es das Projekt "Mädchen und junge Frauen" beim Mainzer Frauennotruf, gefördert durch die Aktion Mensch. Das ermögliche dem Verein, mehr in Schulen und Jugendzentren zu gehen, so Jochmann. "Darüber docken mehr Mädchen bei uns an. Sie haben im Bewusstsein: Ich kann mich da hinwenden."

Frauennotruf Mainz öffnet sich für Männer, Jungen und Transpersonen

Eine weitere Gruppe, die der Frauennotruf in Zukunft gezielt unterstützen möchte, sind Jungen, Männer und Transpersonen. Es gebe bundesweit viel zu wenige Beratungsstellen für Männer, die sexuelle Gewalt erfahren.

"Wir erleben es immer wieder, dass Männer hier anrufen und sagen: Ich weiß, Sie sind ein Frauennotruf, aber ich weiß nicht, wo ich sonst hin soll."

"Warten hilft nichts, wir müssen selber etwas tun und wir haben die Expertise", sagt Beraterin Eva Jochmann. Deswegen hat der Verein gerade eine Stelle ausgeschrieben und sucht gezielt einen männlichen Berater. Auch eigene Räumlichkeiten gebe es für diese Beratungen.

Frauennotruf Mainz: Zu wenig Mitarbeiterinnen, zu wenig Geld

Eva Jochmann vom Frauennotruf hat festgestellt, überall da, wo sie und ihre Kolleginnen anknüpfen, melden sich auch Personen mit Gewalterfahrungen bei ihnen. "Wir bräuchten wesentlich mehr Mitarbeiterinnen, um für bestimmte Gruppen von Frauen und Mädchen da zu sein und um uns zu vernetzen, damit auch Frauen, die wir bisher nicht gut erreichen, den Weg zu uns finden." Das seien Frauen mit Beeinträchtigungen, geflüchtete Frauen, Migrantinnen oder ältere Frauen. "Das schaffen wir momentan personell überhaupt nicht", sagt Eva Jochmann.

Mehr als 1.000 Beratungsgespräche im vergangenen Jahr

Ein weiteres Problem: Insgesamt seien nur sechs Beratungstermine pro Person vorgesehen. Das reiche oft nicht aus, wenn zum Beispiel Vergewaltigungsopfer in Prozessen begleitet würden oder wenn die Beraterinnen die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrücken müssten.

Insgesamt habe der Frauennotruf im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Beratungsgespräche gestemmt - mit vier hauptamtlichen Beraterinnen, so Jochmann. Mehr finanzielle Mittel, die sich Land und Kommunen zum Teil über Förderprogramme des Bundes holen könnten, seien dringend notwendig.