"Ich hab selbst schon einige akute Krisen durchstehen müssen," erzählt Aileen Ruff. Allerdings habe sie ein stabiles Umfeld, wofür sie sehr dankbar sei. "Das haben ganz viele andere nicht", so die Studentin. Deshalb will sich die 23-Jährige am Caritas-Standort in Worms ehrenamtlich engagieren, im Rahmen des neuen Hilfsangebots "U25".
Das richtet sich an 16- bis 25-Jährige, die in einer Krise stecken. Mobbing, Krankheit, Probleme in der Familie und in der Welt - für junge Menschen kann das alles sehr belastend sein und sogar zu Selbstmordgedanken führen. Genau hier setzt die Online-Suizidprävention "U25" der Caritas an. Sie bietet Jugendlichen eine zusätzliche und niedrigschwellige Anlaufstelle, wenn sie mit dem Gedanken spielen, sich das Leben zu nehmen.
Gleichaltrige beraten die Jugendlichen
Das Besondere an "U25": die jungen Menschen werden von gleichaltrigen Ehrenamtlichen beraten - online, anonym und kostenlos. Dazu müssen sie sich nur auf einer Onlineplattform anmelden. Für die Anmeldung brauchen sie keine E-Mail-Adresse, sondern geben einfach einen selbst ausgewählten Benutzernamen und ein Passwort ein.
Danach können die Jugendlichen auf der Beratungsplattform mit den Ehrenamtlichen schreiben. Nicht in einem Echtzeit-Chat, aber trotzdem im regelmäßigen Austausch.
Ehrenamtliche werden geschult und begleitet
Eine der Ehrenamtlichen wird Aileen Ruff sein. Sie befindet sich dazu gerade noch in einer mehrmonatigen Schulung. Denn die jungen Beraterinnen und Berater brauchen nicht nur Fachwissen. Sie müssen auch lernen, damit umzugehen, schlimme Dinge zu lesen. Deswegen werden sie auch dauerhaft von hauptamtlichen Mitarbeitenden der Caritas begleitet.
"Ich glaube, dass ich damit wachsen werde", meint Ruff. "Ich denke schon, dass die einen oder anderen Gedanken da wahrscheinlich hängen bleiben, aber es ist immer besser, zu helfen, statt nichts zu tun."
Jungen Menschen auf Augenhöhe begegnen
Es sei wichtig, den jungen Menschen zuzuhören, ihre Ängste und Sorgen ernst zu nehmen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, sagt auch Caritas-Mitarbeiter Marius Rathke. Er leitet die neue "U25"-Beratungsstelle am Standort Mainz. "Die Ratsuchenden freuen sich, wenn ihnen jemand Gleichaltriges schreibt, der sozusagen die gleiche Sprache spricht."
So hätten die Jugendlichen auch weniger Hemmungen, sich zu öffnen. Es gehe darum, Beziehungen aufzubauen - das könne bei Bedarf auch über längere Zeit gehen. "Die Ratsuchenden bekommen so lange Hilfe von uns, wie sie wollen." In Fällen von ganz akuter Suizidgefahr würden sie natürlich an andere Hilfestellen weiterverweisen.
Suizidberatung als ergänzendes Angebot für Jugendliche
Eine Therapie und professionelle psychologische Hilfe könne "U25" nicht ersetzen. Aber es sei eine wichtige Ergänzung, um gerade junge Menschen besser zu erreichen, findet Rathke.
Vielen von ihnen falle es schwer, zu telefonieren. Es sei auch nicht mehr so üblich in dieser Generation. "Da ist ein Online-Zugang nochmal wichtiger. Manchmal ist es so auch einfacher, Sachen zu formulieren und es hilft, seine Gedanken aufzuschreiben."
Hohe Suizidrate bei Jugendlichen
Die Online-Suizidprävention "U25" wird von der Caritas deutschlandweit bisher an elf verschiedenen Orten angeboten. Mit Mainz, Worms und Rüsselsheim kommen nun drei weitere Standorte hinzu. Insgesamt fangen dort in den kommenden Monaten zunächst zwölf ehrenamtliche Beraterinnen und Berater an, die zwischen 16 und 28 Jahre alt sind.
Dass der Bedarf hoch ist, stehe außer Frage, sagt Eva Welskop-Deffaa, die Präsidentin der Caritas.
Suizid ist eine der häufigsten Todesursache bei jungen Menschen.
Caritas und Bistum finanzieren Online-Suizidprävention
Das Hilfsangebot wird in Mainz, Worms und Rüsselsheim zunächst von der Caritas und dem Bistum Mainz finanziert. Ziel sei aber, dass der Bund ab 2028 die Finanzierung der drei Standorte übernimmt. Die anderen elf Standorte werden bereits aus Bundesmitteln bezahlt.