Die Wissenschaftlerin Luisa Heyn verteilt Augenbinden und die neun Teilnehmenden stellen sich in der Turnhalle auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität auf. "Jeder schaut bitte, wie viel Platz ihr habt, damit niemand gegen die Wand läuft", sagt sie. Dann schaltet sie die Musik an. Material Girl von Madonna kommt laut aus der großen Box.
Freies Tanzen mit Augenbinde
Direkt fangen alle an, sich zur Musik zu bewegen. Daniela Tratschitt zum Beispiel bewegt ihre Arme rhythmisch zur Musik, mit den Füßen macht sie Salsa-Schritte.
Jeder bewegt sich so, wie er es eben gerade fühlt - ohne bewertet zu werden. "So frei zu tanzen, das mache ich selten, weil man sich immer überlegt, wie sieht das jetzt aus?", sagt Daniela Tratschitt. Denn als Dicke spüre sie immer die Blicke der anderen.
Blicke spürst du als Dicker immer auf dir. Egal wo du bist, ob beim Einkaufen, beim Essen oder im Bus. Die Leute urteilen über dich.
Auf die Studie ist die Mainzerin über einen Flyer bei ihrem Arzt aufmerksam geworden. "Ich denke, wenn mehr Menschen merken, dass sie sich nicht dafür schämen müssen, wie sie aussehen oder wie sie tanzen, dann ist das gut", sagt sie.
Teilnehmende füllen Fragebögen nach Tanzstunden aus
Neben dem freien Tanzen macht die Doktorandin Luisa Heyn mit den Teilnehmenden auch Bewegungsübungen. Oder sie bekommen kleine pantomimische Aufgaben. Nach den Tanzstunden füllen die Teilnehmer dann Fragebögen aus und führen ein Tagebuch zum Beispiel darüber, wie sie sich vor oder nach dem Tanzen fühlen. Ums Abnehmen geht es bei der Studie nicht.
"Man fühlt sich mit dem eigenen Problem nicht so allein"
Luisa Heyn will, dass ihre Tanzstunden ein sicherer Raum für die Teilnehmenden sind. Daniela Tratschitt und auch die anderen fühlen sich in der Gruppe sehr wohl, erzählen sie. Sie würden ihren Körper so annehmen, wie er ist.
Hier kann ich meinen Körper so nehmen, wie er ist. Das ist ungewöhnlich für mich.
Das freut Luisa Heyn. Ihre Studie läuft zwar noch. Die ersten Ergebnisse sind aber vielversprechend, sagt sie. "Ich hatte eine Probandin, die war sehr in sich gekehrt. Am Ende der Einheiten ist sie durch den Raum getanzt und hat gesagt, sie will nicht mehr aufhören", erzählt die 28-Jährige.
Teilnehmer haben Lust auf mehr Bewegung
Fast alle der Teilnehmenden hätten außerdem nach den Tanzeinheiten vor, sich weiter zu bewegen. "Viele melden sich bei Sportangeboten an oder suchen Tanzprogramme, die sie weiter machen können", freut sich die Doktorandin.
Weitere Teilnehmer und Teilnehmerinnen für Studie gesucht
Wer will, kann noch mitmachen. Luisa Heyn sucht noch Teilnehmende für ihre Studie. "Alle, die Interesse haben, können sich bei mir melden. Mitmachen kostet nichts und Tanz-Erfahrung braucht man auch nicht", sagt die Wissenschaftlerin.