Hund, Katze und Meerschweinchen

Haustiere in guten Händen: Wohin im Urlaub oder bei Trennung?

Im Sommer können viele Tierhalter ihren Hund oder ihre Katze nicht mit in den Urlaub nehmen. Andere müssen sich von ihren Tieren aus anderen Gründen trennen. Wie gelingt die Abgabe?

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Von Autor/in Ingrid Reitenbach

Wer sich ein Tier anschafft oder ein Tier hält, übernimmt Verantwortung für dieses Lebewesen. Neben Nahrung und Pflege muss vor allem der Aspekt Zeit eine Rolle spielen. Selbst wenn zum Beispiel die Gassi-Zeiten des Hundes mit den Arbeitszeiten abgestimmt sind, kommen viele Tierhalter im Sommer an ihre Grenzen - wenn es um Urlaub und (Fern-)Reisen geht und sie ihre Tiere nicht mitnehmen können.

Andere Tierbesitzer wiederum müssen manchmal ihr großes oder kleines Tier aus familiären oder gesundheitlichen Gründen abgeben. Weil Tiere aussetzen niemals die richtige Option ist, stellt sich folgende Frage: Wie können Tiere temporär oder auf Dauer tierfreundlich oder möglichst stressfrei für alle Beteiligten abgegeben werden?

Mainz

Wegen Trockenheit, Wind und Regen Volle Tierheime in Rheinhessen - zu viele Jungvögel

Die Tierheime in der Region betreuen derzeit überdurchschnittlich viele Wildvögel. Allein in Mainz wurden in der vergangenen Woche täglich zwischen 40 und 60 Jungtiere abgegeben.

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Tiere temporär abgeben: Bei Privatpersonen oder Tierpensionen

Wer im Urlaub verreisen möchte und sein Tier nicht mitnehmen kann oder möchte, muss eine Unterbringung finden. Denn nicht jedes Tier kann oder sollte mit auf Reisen gehen, sagt die Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbands im Deutschen Tierschutzbund, Anna-Lena Busch. Von Langstreckenflügen oder längeren Schiffsreisen mit Haustieren rät die Tierschützerin ab. Das Tierheim ist für die temporäre Abgabe keine Option.

Zuallererst können Tierhalter Freunde, Verwandte oder Bekannte anfragen, die das Tier vielleicht schon sogar kennen. Wenn der Nachbar schon mal nach dem Meerschweinchen gesehen hat, übernimmt er die Obhut vielleicht auch ein weiteres Mal. Hunde- oder Katzensitter können je nach Angebot auch mehr als ein paar Stunden auf das Tier aufpassen.

Ansonsten sind Tierpensionen eine weitere, aber mit mehr Kosten verbundene Möglichkeit der Unterbringung. Bei einer Tierpension im Westen von Rheinland-Pfalz kann der Hund für eine Woche (7 Tage) für 175 Euro abgegeben werden. Das Futter muss vom Tierhalter selbst gestellt werden. Kleintiere, wie Hasen oder Frettchen, verbringen dort für 70 Euro eine Woche. Wichtig ist bei allen Tierpensionen, dass sich rechtzeitig nach einem Platz erkundigt und er schon vor dem eigenen Urlaub gebucht wird. Den meisten Tieren hilft es, den Ort und das Personal schon im Vorfeld kennengelernt zu haben, damit sie gleich von Beginn an einen entspannten Aufenthalt haben.

Trennung unumgänglich? Darauf ist bei einer Abgabe von Tiere zu achten

Wenn ein Tier aus familiären, beruflichen oder gesundheitlichen Gründen abgegeben werden muss, dann sollten einige Schritte beachtet werden, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen.

Das Land Rheinland-Pfalz rät, sich zuerst an die Gemeinde- oder Stadtverwaltung zu wenden. Diese kann Auskunft zu Tierheimen in der Region geben. Anschließend soll man sich im gewünschten Tierheim erkundigen, ob ein Platz vorhanden ist und dort das Tier persönlich abgeben.

Das Tierheim in Worms betont allerdings, dass Tierheime nicht verpflichtet sind "Abgabetiere" aufzunehmen. Das erfolgt wirklich nur dann, wenn genug Platz ist. Der Tierbesitzer übergibt dann sein Tier und erhält danach keine Auskunft mehr - aus Datenschutzgründen. Ist das Tierheim voll und es können keine weiteren Tiere aufgenommen werden, so gibt es für Notfälle immer noch einen Platz. Ein Notfall ist zum Beispiel ein Todesfall, bei dem ein Haustier übrig bleibt, das nirgends unterkommt.

Was ist, wenn das Tierheim keine Kapazitäten hat?

Viele Tierheime können die Anzahl der Tiere, die abgegeben werden, nicht mehr stemmen, weil sie keinen Platz mehr für sie haben. „Wenn Menschen ihre Haustiere abgeben wollen oder müssen, sind Tierheime die erste Anlaufstelle. Gleichzeitig kümmern sich Tierheime um gefundene und behördlich beschlagnahmte Tiere“, so der Deutsche Tierschutzbund. Gründe für den Abgabewunsch seien auch Überforderung, fehlende Zeit, Beißvorfälle oder gestiegene Tierarztkosten.

Findet sich auch nach intensiver Suche kein Tierheimplatz, empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund den Haltern eine private Vermittlung innerhalb der eigenen Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis. Auch Aushänge in der Nachbarschaft oder beim Tierarzt können weitere Möglichkeiten sein.

Man sollte sicherstellen, dass das Tier in ein gutes Zuhause kommt und sich die Haltungsbedingungen anschauen. Tier und Interessent müssen sich vorab kennenlernen.

Verkauf im Internet oder Aussetzen von Tieren ist keine Option

Vor Verkäufen über Kleinanzeigenportale im Internet warnt der Deutsche Tierschutzbund eindringlich: „Wer sein Tier online deutschlandweit anbietet, weiß nicht, in welche Hände es gelangt. Tiere werden schnell zu Wanderpokalen, die mehrfach weitergereicht bzw. verkauft werden. Für die Tiere eine Tragödie.“

Wer sein Tier aussetzt, handelt nicht nur verantwortungslos, sondern begeht auch eine Ordnungswidrigkeit. Es droht ein Bußgeld von bis zu 20.000 Euro. Kommt das Tier durch das Aussetzen ernsthaft zu Schaden, handelt es sich sogar um eine Straftat. Das Strafmaß liegt dabei bei bis zu drei Jahren Haft.

Was bleibt Tierbesitzern also übrig? "Am Ende ist und bleibt der Besitzer selbst verantwortlich für das Tier, das er sich zugelegt hat. Er muss für sein Tier sorgen - solange, bis sich eine Lösung findet“, fasst Anna-Lena Busch, die Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbands im Deutschen Tierschutzbund, zusammen. Am besten sei natürlich, gar nicht erst in diese schwierige Lage zu geraten.

Mainz

Hohe Steuern, wenig Leistung Kein Platz für Bello - Demo für Hundewiese in Mainz

Mainzer Hundebesitzer fordern mehr Auslauf für ihre Tiere. Sie kritisieren: Mainz verlangt deutschlandweit die höchste Hundesteuer und hat trotzdem keine Hundewiese.

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Wie können Tierheime besser unterstützt werden?

Freiwillige können Tierheime auch bei der Pflege unterstützen. "Viele Tierheime freuen sich über Unterstützung beim Gassigehen", sagt Anna-Lena Busch mit Blick auf die Ferienzeit. Wer seinen Urlaub zu Hause verbringt, könnte die freie Zeit sinnvoll nutzen und sich engagieren. Auch Schülerinnen und Schüler könnten die Ferien aber auch für ein Praktikum im Tierheim nutzen und das Team bei der Pflege der Tiere unterstützen.

Viele Tierheime setzen auf Spenden statt auf Geschenke. Einige haben eine Wunschliste bei Onlineversandhändlern, über die Plattform können gewünschte Produkte bestellt und dem Tierheim auf diesem Weg geholfen werden. Auf solchen Listen stehen zum Beispiel Transportboxen, Tierfutter oder Besen. Wer ein Tierheim in seiner Nähe unterstützen möchte, sollte am besten vor Ort nachfragen, was gerade benötigt wird.

Für die Unterstützung der Tierheime auf lange Sicht fordert der Deutsche Tierschutzbund vor allem mehr Geld. Außerdem ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren, eine verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung für Hunde und Katzen, einen verpflichtenden Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung und eine bundesweite Kastrationsplicht für Katzen mit Freigang.

Ingelheim

Aus einem Haushalt mit 50 Katzen Verwahrloste Rassekatzen im Tierheim Ingelheim abgegeben

Sie sind unterernährt, verängstigt und krank: Zwölf vernachlässigte Rassekatzen wurden im Tierheim Ingelheim abgegeben. Sie stammen aus einem Haushalt mit insgesamt 50 Katzen.

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