Heide Kalyandjian-Conradt redet nicht gerne über sich selbst. "Ich bin normalerweise lieber in der zweiten Reihe", erzählt die 85-Jährige, die zurückgezogen in einer Gemeinde bei Idar-Oberstein lebt. Mit ihrem Gesicht in der Öffentlichkeit auftauchen will sie nicht.
Doch ihre Entscheidung, rund 1,2 Millionen Euro für eine heruntergekommene Idar-Obersteiner Sportanlage zu spenden, hat für ordentlich Aufregung im Hunsrück gesorgt. Das Geld nimmt man schließlich nicht so einfach aus der Portokasse. "Trotzdem war für mich eigentlich ziemlich schnell klar, ich mache das!"
Von Idar-Oberstein in die USA
Heide Kalyandjian-Conrad wächst im Idar-Obersteiner Stadtteil Tiefenstein auf. Gelebt hat die Hunsrückerin aber in den USA, Frankreich und England. Ihren Ehemann - einen französisch-armenisch stämmigen US-Amerikaner - lernte sie vor mehr als 60 Jahren in einem Idar-Obersteiner Depotmarkt für amerikanische Streitkräfte kennen.
Nach einigen Jahren folgt sie ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann in die USA. "Wir hatten damals nichts", erinnert sie sich an eine herausfordernde Zeit in ihrem Leben. Doch ihr Ehemann sei ehrgeizig gewesen, habe sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet, bis er schließlich Geschäftsführer eines großen Automobilzulieferers mit Sitz in England geworden sei.
"Mein Mann hat dann irgendwann mehr Geld verdient, als wir zum Leben gebraucht haben. Dann haben wir die Stiftung gegründet", erzählt Heide Kalyandjian-Conrad.
Stiftung 2009 gegründet
In dieser Zeit lebt die 85-Jährige wieder im Hunsrück, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Mit der Kalyandjian-Conrad-Stiftung seien zunächst naturwissenschaftlich begeisterte Studierende gefördert worden. Vor allem jene, die sich ein Studium nicht leisten können.
Doch auch das Thema Sport liegt ihr am Herzen. "Ich selbst habe eine Gehbehinderung und durfte deshalb früher nicht beim Sport mitmachen. Das war falsch, aber so war es eben", erzählt sie. Und eins ist für sie klar: "Sport ist wichtig!" Von ihrem Steuerberater erfährt sie von den Problemen der größten Sportanlage in Idar-Oberstein, die auch von rund 1.000 Schülerinnen und Schülern genutzt wird.
Probleme, die der Landrat des Kreises Birkenfeld, Miroslaw Kowalski (CDU), nur zu gut kennt. Schließlich ist er gemeinsam mit der Stadt Idar-Oberstein für die Anlage zuständig. Als er erfährt, dass eine Privatperson Geld spenden möchte, geht er von einem viel kleineren Betrag aus.
Landrat begeistert über Geldsegen
Am Ende ist es die Hälfte der mit 2,3 Millionen kalkulierten Kosten. "Ich war völlig baff. Ich kam vom Termin und musste erst einmal vor Freude meine Frau anrufen", erzählt Kowalski. Für den Landkreis sei das "ein Sechser im Lotto".
Das sieht auch Jonas Jäckel so. Der 20-Jährige gehört in seiner Altersklasse zu den besten Zehnkämpfern in Deutschland. Die Idar-Obersteiner Sportanlage ist nur ein paar Meter von seiner Haustür entfernt.
Zum Training muss der Topathlet aber trotzdem ins teilweise mehr als eine Stunde entfernte Zweibrücken fahren. Denn viele Disziplinen kann er in Idar-Oberstein nicht trainieren. "Ich war im ersten Moment schon erstarrt, als ich von der Spende erfahren habe", sagt er.
Weitere Projekte geplant
Neben einer neuen Tartanbahn und neuen Wurfanlagen soll nach derzeitigen Planungen auch ein Kunstrasenplatz für die Fußballmannschaften her. Heide Kalyandjian-Conrad soll mit einer Gedenktafel gewürdigt werden.
Darüber freut sie sich. Sie sei jetzt auf die Zielgerade ihres Lebens abgebogen, habe keine Nachfahren und wolle mit ihrem Vermögen in ihrer Heimat noch weitere Projekte ermöglichen.
Ihr nächstes Ziel sei eine Kreativwerkstatt für die Berufsbildende Schule. "Dort sollen die jungen Menschen lernen und forschen können." Für Landrat Kowalski, dessen Verwaltung Träger der Schule ist, und viele Schülerinnen und Schüler winkt dank Heide Kalyandjian-Conrad also der nächste Sechser im Lotto.