Es ist eine Geschichte, die eigentlich zu unglaublich klingt, um wahr zu sein. 1971 sind Gerhard Hosser und sein Sohn Detlev Bankräubern auf der Spur. Nicht, um die Verbrecher zu stellen, sondern auf der Jagd nach den besten Aufnahmen. Das Kamerateam hört dafür heimlich den Polizeifunk ab.
Der Bankräuber holt seinen Ballermann raus und zielt auf ihn. Aber mein Vater hat sich nichts draus gemacht.
Und tatsächlich: Die Hossers heften sich den Bankräubern im Saarland an die Fersen. Als die Flüchtigen an einer roten Ampel anhalten, steigt Gerhard Hosser aus und filmt ins Auto. "Und der Bankräuber holt seinen Ballermann raus und zielt auf ihn. Aber mein Vater hat sich nichts draus gemacht", erzählt Detlev Hosser heute.
Seit 75 Jahren im Land unterwegs
Die Hossers verfolgen die Bankräuber weiter. Der furchtlose Gerhard Hosser unterhält sich sogar mit ihnen. Er baut schließlich eine Verbindung zu ihrem Anführer auf, erzählt Sohn Detlev.
Später kommt der Bankräuber bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben. Es ist nicht das einzige Unglück, bei dem die Hossers live dabei sein werden. Seit 75 Jahren ist das Idar-Obersteiner Familienunternehmen mit der Kamera im Land unterwegs. Heute sind Gerhards Enkel Christian und seine Mutter Judith für den SWR, aber auch für die "Nahe-Zeitung" im Einsatz.
Buch über Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg
Doch wie hat das alles angefangen? Das hat der im letzten Jahr verstorbene Gerhard Hosser in einem Buch aufgeschrieben, in dem er über seine Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg berichtet.
Sein Enkel Christian Schulz erzählt, wie ein Fotograf mit jüdischen Wurzeln, der unter der Verfolgung während der NS-Zeit leidet, zu einem Freund für seinen Großvater wird. "Der Fotograf sagte zu meinem Opa: Gerhard, wenn ich noch fit bin, können wir nach dem Krieg ein schönes Fotogeschäft aufmachen, und ich bringe dir alles bei."
Weil er krank ist, kann der Freund Gerhard Hosser nicht mehr viel beibringen, doch er überlässt ihm einen Teil seiner Ausrüstung – der Grundstein für die Kameradynastie Hosser.
Die Hossers im Team
Gerhards Sohn Detlev Hosser tritt früh in die Fußstapfen seines Vaters. Bereits mit sieben Jahren macht er sein erstes Zeitungsfoto in Idar-Oberstein, weil sein Vater an dem Tag mehrere andere Termine hat. "Ich bin dann irgendwann lieber mit ihm zu Terminen gefahren und habe die Schule geschwänzt", erinnert sich Detlev.
Für ihn sei immer klar gewesen, dass er irgendwann in die Fußstapfen seines Vaters treten werde. Gemeinsam mit seinen Schwestern Sylvia und Judith führt er das Geschäft weiter. Sie werden unter anderem Zeuge einer der größten Tragödien in Rheinland-Pfalz.
Detlev Hosser ist für den SWR auf der Air Base in Ramstein, als dort 1988 bei einer Flugshow drei Maschinen zusammenstoßen und 70 Menschen sterben. "Ich habe viele verbrannte Menschen und Leichen um mich herum gesehen. Wie in Trance habe ich einfach weitergefilmt", erzählt Detlev. Die Bilder gehen um die Welt, stolz ist er darauf aber nicht. "Diese Geschichte berührt mich noch heute, wenn ich darüber spreche."
Heute führt Enkel Christian Schulz das Erbe der Hossers fort. Als Kameramann dreht er zum Beispiel beim Hoteleinsturz in Kröv und beim Tankstellenmord in Idar-Oberstein. Erlebnisse, die ihn prägen.
Verschüttete geborgen Nach Hoteleinsturz von Kröv: Mutige Retter geehrt
Mitarbeiter einer Baufirma haben am Mittwochabend die Rettungsmedaille des Landes erhalten. Sie hatten mit Bohrern den Weg zu den verschütteten Kröver Hotelgästen freigelegt.
Enkel will Lebenswerk weiterführen
Dabei zweifelt Schulz zu Beginn seiner Karriere noch, ob er in die großen Fußstapfen seines Opas und Onkels treten kann. Obwohl er schon als Kind Kameramann werden will, traut er sich das Erbe lange nicht zu.
Doch er beißt sich durch und übernimmt, als Onkel Detlev aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitermachen kann. Mittlerweile ist der Beruf ein Traumjob für ihn, sagt er.
Und die Geschichte der Kameradynastie Hosser soll nach seinem Willen noch lange weitergehen. "Das ist das Lebenswerk von meinem Opa, von meinem Onkel, von meiner verstorbenen Tante und von meiner Mama. Ich sehe das mittlerweile auch als mein Lebenswerk. Wir versuchen alles, als Familie zusammen so lange wie möglich weiterzumachen."