Am Messepark in Trier steht Oliver Kolz mit einem Tablet vor einem etwa zwei Meter hohen Baum. Dieser wird gerade mithilfe eines städtischen Fahrzeugs bewässert. Der Leiter des Sachgebiets Bäume der Stadt Trier ist für mehr als 100.000 Bäume im Stadtgebiet verantwortlich. Deren Zustand macht ihm Sorgen: "Durch die aktuelle trockene Wetterlage haben wir ein nie dagewesenes Problem".
Besonders die jungen Bäume in der Stadt leiden unter Trocken- und Hitzestress, erklärt Kolz. Damit vor allem die Bäume, welche jünger als vier Jahre sind, diesen trockenen Sommer überstehen, sind seit Mai insgesamt sechs Bewässerungsfahrzeuge in der Stadt Trier im Einsatz. Sie versorgen etwa 800 Bäume mit Wasser.
Sensoren helfen bei Bewässerung
Die jungen Bäume würden ohne die Bewässerung vermutlich nicht überleben, sagt Kolz. Um zu wissen, wo es besonders trocken ist, gibt es in allen Stadteilen Triers Sensoren im Boden. Dadurch können Oliver Kolz und seine Kollegen über ein Tablet genau sehen, wo besonders dringend Wasser gebraucht wird. Diese Standorte können dann gezielt angefahren und versorgt werden.
Die Gefahr wird größer, je trockener es wird.
Jährliche Baumkontrollen in der Stadt
Um den allgemeinen Zustand der Trierer Bäume zu kontrollieren, gibt es jährlich gesetzliche vorgeschriebene Baumkontrollen, so Kolz. Die Gefahr, dass Bäume dennoch Äste verlieren, bestehe trotzdem "Die Gefahr wird natürlich größer, umso trockener es wird. In diesen extremen Heißperioden treten sogenannte Grünastbrüche viel öfter auf."
Denn durch die aktuelle Trockenheit und die Trockenperiode der vergangenen Jahre seien viele Bäume unterversorgt. Das wirke sich auf die Stabilität der Äste aus. Ein Abriss sei aber nicht vorhersehbar. Um dem entgegenzuwirken werden die Bäume, die besonders gestresst sind, öfter kontrolliert.
Kronenverlichtung, Trockenstress, Borkenkäfer Was Förster in Rheinland-Pfalz jetzt in den Baumkronen sehen
Experten aus ganz Deutschland treffen sich im Pfälzerwald und üben gemeinsam den Blick in die Baumkrone. Warum das für den Waldzustandsbericht so wichtig ist.
Das sei zum Beispiel im Trierer Alleenring der Fall. "Gerade jetzt, wenn es so trocken ist, fährt ein Kollege sehr oft vorbei und guckt sich einfach nochmal spezifisch diese Hotspots an. Ist da was zu machen? Muss der Baum bewässert oder beschnitten werden? Da reagieren wir einfach in kürzeren Kontrollintervallen."
Hitze ist nicht das einzige Problem
Vor allem Baumarten wie Bergahorn, Zeder und Birken wurden nach Angaben von Kolz in den vergangenen Jahren immer mehr zu Sorgenkindern. Neben Hitze und Wassermangel kämpfen sie häufig noch mit Pilzbefall.
Was uns zu schaffen macht, sind die Laubbäume, die sehr früh Laub abwerfen.
Das werde sich bei dem Klima in den kommenden Jahren kaum ändern. Zukünftig müssten dementsprechend immer mehr hitzeresistente Bäume wie Lederhülsenbäume, Esskastanien oder Steineichen gepflanzt werden.
Wälder leiden unter Hitze und Trockenheit
Welche Auswirkungen das Klima auf die Natur hat, wird auch rund 60 Kilometer weiter im Hunsrück sichtbar. Dort läuft Revierförster Philipp Conrad gerade durch einen Wald in der Nähe der Gemeinde Brücken. Wenn er sich die Bäume dort anschaut, bekommt er Sorgenfalten.
"Was uns aktuell zu schaffen macht, sind vor allem Laubbäume, die jetzt schon Laub abwerfen und eine bräunliche Färbung zeigen. Das ist ungewöhnlich und hatten wir in den vergangenen Jahren seltener."
Kahle Stellen und viel Laub
Gerade das Laub der Birken ist bereits verfärbt, die Blätter werden abgeworfen, liegen vertrocknet am Boden. Stellenweise sind in dem Waldstück bei Brücken meterhohe Bäume teilweise kahl oder es sind viele verdorrte Äste zu sehen.
Vor allem Plätze, an denen häufiger Menschen unterwegs sind, hat Revierförster Philipp Conrad im Blick. Dort, wo beispielsweise Straßen oder der Bahnstrecken verlaufen aber auch an Parkplätzen oder Bänken, werden die Bäume zweimal pro Jahr kontrolliert. Tote Äste und absterbende Bäume werden dann entfernt, damit sie nicht zur Gefahr werden.
Betreten auf eigene Gefahr
Für Wald- und Wanderwege oder Mountainbike-Trails gilt das aber nicht, sagt der Förster. "Grundsätzlich gibt es ein freies Betretungsrecht im Wald. Jeder muss aber grundsätzlich auch immer damit rechnen, dass Äste herabfallen, dass Bäume umfallen können. Das ist eine waldtypische Gefahr."
Dicke, große Bäume sind tendenziell gefährlicher als kleine.
Problematisch wird es eher nach starkem Sturm oder heftigen Winden. Dann fallen deutlich mehr Äste herunter oder ganze Bäume um, erklärt der Förster. "Dicke, große Bäume sind tendenziell gefährlicher als kleine. Generell helfe immer der Blick nach oben in die Baumkronen." Bereiche mit abgestorbenen oder losen Baumteilen sollten grundsätzlich gemieden werden. Wanderer und Spaziergänger müssten sich also keine Sorgen machen, sollten aber wachsam sein.
Jungbäume in Trier sollen bis Herbst bewässert werden
Wie viele Menschen hofft auch Philipp Conrad, dass bald der Regen kommt. Während er derzeit nur beobachten und abgestorbene Bäume aus dem Wald entfernen kann, geht es unterdessen in Trier weiter darum, die Bäume gut durch die Hitzeperiode zu bringen.
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Bis Oktober – so schätzt er – müssen die Jungbäume im Stadtgebiet Trier bewässert werden. Dabei können Oliver Kolz und sein Team auch auf die Mithilfe vieler Trierer zählen. Die versorgen gerne mal den einen oder anderen Baum mit Wasser.
"Wir sind jeden Tropfen froh und über jeden, der mithilft." Wenn jemand merkt, dass bei einem Baum mal nachgeschaut werden sollte, ist das Team schnell vor Ort – und dankbar für jeden Hinweis.