Schlechte Nachrichten für die Bürgerinitiative "Klinik Zell erhalten". Am letzten Tag des Klinikums Mittelmosel hat das Verwaltungsgericht Koblenz eine folgenschwere Entscheidung getroffen: Es hat den Eilantrag des früheren Notarztes Jürgen Adler gegen die Schließung des Krankenhauses abgelehnt.
Der ehemalige Arzt aus dem Hunsrückdorf Blankenrath wollte vom Gericht feststellen lassen, dass es für ihn als Bürger keine ausreichende Notfallversorgung mehr gibt, wenn die Klinik zumacht. Sein Ziel: Das Ende hinauszuzögern, bis es eine Lösung gibt. Doch daraus wurde nichts.
In der Begründung des Gerichtes heißt es, niemand habe ein Anrecht auf eine bestmögliche Gesundheitsversorgung. Und eine verfassungsgemäße Versorgung sei auch in und um Zell mit den umliegenden Krankenhäusern in Cochem, Wittlich und Simmern gewährleistet.
Letzter Tag am Klinikum in Zell
Jetzt hat die Klinik ihre Türen geschlossen. Und das endgültig, wie Melissa Lenz, Pressesprecherin des Trägers, der Katharina-Kasper-Gruppe, schreibt: "Uns ist bewusst, welche emotionale Bedeutung das Klinikum Mittelmosel für die Region hat. Die bestehende Struktur ist jedoch nicht zukunftsfähig."
Weil das Krankenhaus über Jahre Miese gemacht hat, wollen die Betreiber es in ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) umwandeln. Das heißt: Es gibt keine Notaufnahme mehr und es werden auch keine Patienten mehr stationär aufgenommen.
Bürger geben Kampf um Klinik nicht auf
Viele Bürgerinnen und Bürger wollen das nicht hinnehmen. Zu den Mahnwachen kommen seit Monaten hunderte Menschen auf dem Parkplatz vor der Klinik zusammen, sagt Horst Reis von der Bürgerinitiative "Klinik Zell erhalten": "Es ist ein Marathonlauf. Wir haben jetzt 40 Kilometer hinter uns und wir werden die letzten zwei Kilometer auch noch durchziehen."
Für viele Bürger gehört das Krankenhaus zur Daseinsvorsorge. Finanzielle Schwierigkeiten hin oder her: Sie verlangen, dass das Land sich darum kümmert, dass sie im Notfall medizinische Hilfe bekommen.
Deshalb hatte die Bürgerinitiative den Antrag des Notarztes unterstützt und Spenden für Anwalts- und Gerichtskosten gesammelt. Und noch gibt es für Adler die Möglichkeit, gegen den Beschluss eine Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht einzureichen. Auch dabei will die BI den Arzt finanziell unterstützen.
Stadt lässt Notfallversorgung prüfen
Parallel lässt die Stadt Zell ebenfalls prüfen, wie es um die Notfallversorgung in der Region steht. Eine Stuttgarter Kanzlei erstellt im Auftrag der Kommune ein Gutachten. Die Anwälte untersuchen auch, ob die Stadt Ansprüche gegenüber dem Träger geltend machen kann - ob sie zum Beispiel Geld für das Grundstück verlangen darf, das sie dem Unternehmen vor Jahren kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
"Wir haben es dem Träger damals gratis überlassen, damit er dort ein Krankenhaus betreibt und kein MVZ", sagt Stadtbürgermeister Hans-Peter Döpgen (FWG). Klagen, so wie Jürgen Adler, könne die Stadt aber nicht: "Das können nur direkt Betroffene."
Gesundheitsministerium sieht Versorgung nicht gefährdet
Beim Gesundheitsministerium geht man davon aus, dass die Patienten in der Region auch ohne das Krankenhaus gut versorgt bleiben.
Zusammen mit den Trägern des MVZ in Zell und der Klinik in Cochem habe man ein Konzept für Notfälle erarbeitet, so ein Sprecher: "Dieses Konzept sieht ein stationäres Angebot in Cochem und ein erweitertes ambulantes Angebot in Zell vor und gibt somit der Qualität der Versorgung im Kreis nicht nur eine gute Zukunftsperspektive, sondern wird auch dem Bedarf der Menschen gerecht."
Heute vorerst letzte Mahnwache in Zell
Klar ist: Heute ist der letzte Tag am Klinikum Mittelmosel in Zell. Und obwohl die Lichter in den meisten Stationen schon längst aus sind, spricht Horst Reis von der Bürgerinitiative von einem "Finale". Für heute sind die Organisatoren vorerst zur letzten Mahnwache vor das Krankenhaus gekommen.