Nach Klage und Verständigung

Lärm aus dem Geburtshaus Trier: Suche nach Lösung geht weiter

Ein Geburtsraum im von Hebammen geleiteten Haus darf derzeit nicht dafür genutzt werden. Es ist ein Kompromiss aus einem Streit um zu viel Lärm. So geht es weiter.

Teilen

Stand

Wie geht es mit dem Geburtshaus in Trier weiter, nachdem derzeit ein Raum nicht für Geburten genutzt werden kann? Darüber haben am Dienstag Vertreter mehrerer Ämter der Stadt, die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Besitzerin des Gebäudes und die Geschäftsführung des Geburtshauses gesprochen.

Laut Stadt kommt für die AWO und die Hebammen des Geburtshauses nicht infrage, einen neuen Standort zu suchen. Deshalb hätten vor allem die Bauaufsicht, aber auch Jugendamt, Rechtsamt und Gewerbeaufsicht dazu beraten, wie ein Geburtsraum im jetzigen Haus möglich gemacht werden kann.

Demnach kann die AWO entweder einen neuen Bauantrag stellen, dessen Anforderungen sie dann auch erfüllen müsste. Sie könnte auch den aktuellen Raum schallsicherer machen. Möglich wäre auch, die Wanne daraus in einen anderen Raum zu versetzen, damit dort Wassergeburten stattfinden.

Nachbar klagt wegen Lärm gegen Stadt

Noch ist nichts entschieden, die AWO sei jetzt am Zug. Sie muss eine Lösung finden, damit weiter Frauen in den Räumen des von Hebammen geführten Hauses ihre Kinder zur Welt bringen können.

In Räumen wie diesen können Frauen im Geburtshaus Trier ihre Kinder zur Welt bringen. Dagegen, dass jemand sich vom Lärm aus den Räumen gestört fühlte, soll eine Lösung gefunden werden.
In Räumen wie diesen können Frauen im Geburtshaus Trier ihre Kinder zur Welt bringen. Geburtshaus Trier

Denn in einem Raum - dem mit der Wanne für Wassergeburten - geht das im Moment nicht. Grund ist die Klage eines Nachbarn vor dem Verwaltungsgericht Trier. Der hatte nicht gegen das Geburtshaus oder die Hebammen geklagt. Sondern gegen die Stadt.

Belastung des Nachbarn hätte geprüft werden müssen

Das Haus war nämlich früher ein Studentenwohnheim. Ehe die Stadt genehmigt hatte, dass es als Geburtshaus genutzt wird. Der Kläger wohnt im Mehrfamilienhaus daneben: So nah am ehemaligen Studentenzimmer, dass ihm die Schreie der gebärenden Frauen aus dem jetzigen Geburtsraum zu laut sind.

Das Verwaltungsgericht hat die Sach- und Rechtslage in der Verhandlung nach eigenen Angaben mit dem Kläger und der Stadt erörtert: Demnach könnte es tatsächlich sein, dass die Stadt hätte untersuchen müssen, ob und wie sich der Lärm auf den Nachbarn auswirkt. Bevor sie das Geburtshaus genehmigt hat.

Kompromiss macht Rechtsstreit hinfällig

Auf diesen Hinweis hin habe die AWO, der das Gebäude gehört, sich bereiterklärt, den Raum nicht mehr als Geburtsraum zu nutzen. Er ist jetzt ein Vorsorgeraum. Damit war der Rechtsstreit für Kläger und Beklagte erledigt.

Mutter werden ohne Hebamme? „Absurd.“ Hebammen am Limit: Hilferuf aus dem Kreißsaal

Mutter werden ohne Hebamme? Für viele Frauen unvorstellbar – auch für Khadydia, zweifache Mutter aus Mainz. Die Hebammenverbände in SWR3Land signalisieren: Sie sind an der Grenze.

Das Problem aber nicht: Die Geschäftsführung des Geburtshauses sagte dem SWR, dieser Kompromiss sei eine Katastrophe. Denn mit einem Raum weniger könnten dort auch weniger Frauen bei der Geburt betreut werden.

Politischer Wille für mehr Geld?

Der Stadt ist es wichtig, teilte sie auf SWR-Anfrage mit, dass die bestehende Genehmigung für das Haus nicht entzogen werden muss. Für die Zukunft sieht der Leiter des Jugendamts Trier nicht, wie das Amt das Geburtshaus weiter mit Geld unterstützen könnte, weil das Sache der Krankenkassen sei. Zu Beginn des Projekts hatte das Amt 6.000 Euro beigesteuert.

Eifel/Mosel/Hunsrück

Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.

Sollte aber der politische Wille bestehen, weiter finanziell zu unterstützen, könnte man versuchen, andere Kommunen mit ins Boot zu holen. Schließlich würden nicht nur Frauen aus Trier im Geburtshaus gebären, sagte der Jugendamtsleiter.

Spendenaufruf für Geburtshaus

Denn nach dem Rechtsstreit ist unklar, ob sich das Geburtshaus weiter finanzieren kann. Inzwischen wurde ein Spendenaufruf gestartet. Darin heißt es, das Geburtshaus in Trier sei in akuter Gefahr.

Was für Außenstehende wie eine Auflage klinge, sei für das Geburtshaus eine existenzielle Krise. Denn in dem Raum, den das Team jetzt nur für Vorsorge nutzen darf, hätten die meisten Geburten stattgefunden, besonders Wassergeburten.

Zukunft des Geburtshauses in Gefahr

Eine Sprecherin des Fördervereins sagte dem SWR, im Geburtshaus arbeiteten vier freiberufliche Hebammen. Sie verdienen mit den Geburten ihr Geld. Sollte der betroffene Raum für Geburten nicht mehr genutzt werden dürfen, könnten nicht nur insgesamt weniger Frauen bei Geburten begleitet werden.

Trier

Neue Möglichkeiten für Schwangere Selbstbestimmte Geburten: Hebammen eröffnen Geburtshaus in Trier

Frauen, die ihr Kind nicht im Krankenhaus zur Welt bringen möchten, haben nun eine Alternative: Das neue Geburtshaus in Trier. Ein Herzensprojekt von Hebammen aus der Region Trier.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Simmern

Welthebammentag 2025 Natürliche Geburt in Simmern: Hebammenkreißsaal kommt gut an

In der Hunsrück Klinik in Simmern gibt es seit Anfang des Jahres einen der ersten hebammengeleiteten Kreißsäle in Rheinland-Pfalz. So haben die Hebammen die ersten 124 Tage erlebt.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Kirchheimbolanden

Geburtshilfe im Donnersbergkreis erweitert Neuer Hebammenkreißsaal am Westpfalz-Klinikum Kirchheimbolanden

Seit Anfang September gibt es im Westpfalz-Klinikum Kirchheimbolanden einen hebammengeleiteten Kreißsaal. Am Freitag wurde er mit einem Tag der offenen Tür offiziell eröffnet.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon
Dunja von Morzé
Dunja von Morzé am Mikrofon

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!