Es könnte der hitzigste Moment im Wahlkampf von Gordon Schnieder gewesen sein: Der Angriff auf den AfD-Spitzenkandidaten Jan Bollinger in der SWR-Wahlarena. "Sie sollten sich schämen!", rief der 50 Jahre alte CDU-Spitzenkandidat dem Landeschef der AfD zu, von der er sich deutlich abgrenzt.
Es ging um Äußerungen über die Abschiebung von Syrern mit deutschen Pässen. Zuvor hatte Schnieder bereits mehrmals klargemacht: "Keine Zusammenarbeit mit der AfD!" Wer mit ihr zusammenarbeite, müsse sich fragen, ob die CDU noch seine politische Heimat sei.
Nun steht Schnieder vor einem großen Erfolg, scheint es ihm doch gelungen zu sein, einen Schlussstrich unter 35 Jahre Opposition in Rheinland-Pfalz zu ziehen.
Zeichen standen schon lange auf GroKo
Für die Familie Schnieder ist es das zweite, große Amt in der Politik - Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (57) ist Gordon Schnieders älterer Bruder.
Aus dem Machtkampf der Christdemokraten nach der verlorenen Landtagswahl im Corona-Jahr 2021 ging er als Sieger hervor. Die Partei versammelte sich hinter ihm, in der Hoffnung, im Bundesland von Helmut Kohl endlich wieder an die Regierung zu kommen.
Wahl beim Parteitag in Frankenthal Gordon Schnieder ist neuer Landeschef und Spitzenkandidat der CDU in RLP
Auf dem Parteitag der rheinland-pfälzischen CDU in Frankenthal ist Gordon Schnieder zum neuen Landesvorsitzenden gewählt worden. Er wurde zudem einstimmig zum Spitzenkandidaten für die nächste Landtagswahl gekürt.
Schnieder vereint Partei und Fraktion
Der aktuell starke Mann der rheinland-pfälzischen CDU führt als Spitzenkandidat auch Partei und Fraktion. Das war bei seinen der SPD zuletzt unterlegenen Vorgängern Julia Klöckner und Christian Baldauf nicht immer so. Authentisch, bodenständig und geradeaus - so sehen ihn viele. Schnieder gilt als solider Redner, der sich eng an sein Manuskript hält.
Anders als seinen Bruder zieht es ihn nicht nach Berlin, auch wenn er Mitglied im Bundesvorstand der Partei ist. Der CDU-Landeschef ist gelernter Diplom-Finanzwirt, hat in Nordrhein-Westfalen in der Finanzverwaltung gearbeitet und je drei Jahre in Köln und Bonn gelebt, bevor er in die Kreisverwaltung in den Eifelkreis Bitburg-Prüm wechselte. Denn er lebt gerne in der Eifel.
Familienmensch mit Briefmarken- und Münzsammlung
Familie ist Schnieder wichtig, er wohnt im Eifelort Birresborn mit drei Generationen in seinem Elternhaus. Er ist Vater von drei Kindern. Auch wenn er aus Termingründen nicht zu Hause übernachten kann, spricht er morgens als Erstes mit seinen Kindern und seiner Frau, wie er sagt. "Das ist mir heilig."
Er entspannt beim Wandern oder Radfahren, hat eine Briefmarken- und Münzsammlung, kocht und grillt gerne – und hat eine Schwäche für Gummibärchen und Schokolade. Außerdem hat er die Gabe, "immer und überall schlafen" zu können.