Kommunikationsexperte über Social Media und Dorf-Marketing

Landtagswahl RLP: Wie die AfD in und um Kaiserslautern punktet

Teilweise Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Direktmandaten und viele Landesstimmen: Die AfD war in der Westpfalz bei der Landtagswahl besser als im Landesschnitt. Das kommt nicht von ungefähr, sagt ein Kommunikationsexperte.

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Von Autor/in Sebastian Stollhof

"Die Botschaften der AfD treffen in der Westpfalz auf fruchtbaren Nährboden", sagt Daniel Stenger. Was der Kommunikationswissenschaftler der Hochschule in Zweibrücken damit meint: "Wir haben eine Region, die seit vielen Jahren sehr strukturschwach ist. Viele Menschen erfahren nicht mehr den Wohlstand, den sie vor 15, 20 Jahren vielleicht noch hatten." Das habe Folgen.

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Die Menschen würden sich seit einigen Jahren von den regierenden Parteien nicht ernst genommen fühlen mit ihren Sorgen und Ängsten. "In diese Lücke ist die AfD reingesprungen", sagt Stenger. "Sie hat diese Region für sich als Blaupause genommen. 'Wie kann ich im Westen Wahlen erfolgreich gestalten?'"

AfD sucht das Gespräch in Dörfern im Westen der Pfalz

Die AfD gehe in die Dörfer - und habe damit Erfolg. "Sie geht mit den Menschen ins Gespräch", erzählt der Kommunikationsexperte. Was einem wiederum das Gefühl gebe, er werde gehört, werde ernst genommen. "So haben sich gerade in dieser Gegend viele der AfD zugewandt."

Hinzu seien neue Formate gekommen, zum Beispiel der "Treffpunkt Nordpfalz" in Gauersheim. Der hatte für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die AfD hat dort eine Adresse geschaffen, an der die Menschen zum Teil niederschwellig bei Getränken oder auch bei einem Weihnachtsmarkt ins Gespräch kommen sollen.

Viele Parteien haben Netzwerken auf dem Land vernachlässigt

In diese Richtung hätten andere Parteien geschlafen, sagt Daniel Stenger. "Was die AfD mit dem Dämmerschoppen initiiert hat, ist letztendlich ein Format, um auf dem Dorf Influencer-Marketing zu betreiben." Bedeutet: Die AfD wolle Reichweite erzielen. Das sei in einem Dorf zwar begrenzt. "Aber wenn ich es schaffe, die Meinungsführer im Dorf auf solche Veranstaltungen zu ziehen, also zum Beispiel Mitglieder von Vereinen mit großen Netzwerken und mit meinen Ideen in Berührung bringen kann, dann tragen die das in die Vereine und in die Familien", sagt Stenger.

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So werde für persönliche Empfehlungen gesorgt. "Das ist nicht die Reichweite, die man bei Social Media bekommt, es ist aber eine Überzeugungskraft. Und dieser Bereich wurde von Parteien gerade auf dem Land in den letzten Jahren total vernachlässigt", meint der Kommunikationsexperte. "Das Marketinginstrument, das man mit Menschen in den Dialog kommt, mit Menschen in Veranstaltungen auf dem Land nochmal die Themen bespricht, ist etwas, das die Parteien aus meiner Sicht als Lehre aus dieser Wahl nehmen sollten."

Landtagswahl RLP: Social Media von AfD genutzt

Doch auch im Social-Media-Bereich hat die AfD eine große Reichweite und kommt bei Jungwählern gut an. Für den Kommunikationswissenschaftler ist auch das kein Zufall: "Die AfD ist in den Kanälen, in denen die jungen Menschen aktiv sind, auf die richtige Art und Weise präsent. Auf Tiktok ist die AfD fast alleine unterwegs und sie bespielt den Kanal mit den Inhalten, wie Tiktok funktioniert." Das bedeute unterhaltsame Inhalte, emotionale, einfache, kurze Botschaften.

Hinzu komme, dass junge Menschen mehr zu politischen Rändern tendieren. "Für junge Menschen ist die Welt sehr komplex und beängstigend geworden. Komplexität macht auch Angst. Parteien, die es verstehen, diese Komplexität in simple Weltbilder runterzubrechen, geben den Jungen Sicherheit und Orientierung", sagt Stenger.

Nichts desto trotz brauche es im Wahlkampf auch klassische Formate wie Plakate, Hausbesuche oder Infostände. "Man muss die ganze Klaviatur bedienen", so der Kommunikationsexperte.

Parteien um Kaiserslautern brauchen klare Ziele

Doch was müssen etablierte Parteien tun, um die Menschen in der Westpfalz wieder mehr von sich zu überzeugen? "Mit einer klaren Vision, mit einem emotionalen Bild, wo wir hinwollen, starten", beschreibt es Daniel Stenger. Ein solches Ziel müsse dann mit einem klaren Plan verfolgt werden.

"Dabei sollte man sich nicht in politischen Scharmützeln oder Grabenkämpfen verlieren. Die Leute wollen heute, dass jemand Orientierung gibt. Da sollten die großen Parteien hin - ein klares Bild schaffen, einen klaren Weg dorthin und das so einfach wie möglich dem Bürger klarmachen."

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