Bilanz nach Millionenförderung

So hat sich die Idar-Obersteiner Innenstadt entwickelt

Seit drei Jahren erhält die Stadt Idar-Oberstein Fördergeld, um die ausgestorbene Innenstadt wieder zu beleben. Das Programm läuft in diesem Jahr aus. War es erfolgreich?

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Von Autor/in Maximilian Storr

Der Schleiferplatz vor der Idar-Obersteiner Edelsteinbörse am Feierabend: Auf der Bühne legt ein DJ auf, mehr als 200 Menschen sind gekommen, um Bier, Wein oder Cocktails zu trinken.

Es ist die siebte Ausgabe der sogenannten Afterwork-Reihe. Sebastian Stüber ist seit dem ersten Tag dabei. Er betreibt in Idar-Oberstein eine Weinbar und ist bei dem Event mit einem eigenen Stand vertreten. "Beim ersten Event hatte ich den Ansturm noch unterschätzt und viel zu wenige Weine kaltgestellt", erzählt er.

Sebastian Stüber betreibt in Idar-Oberstein eine Weinbar und auf dem Afterwork in Idar-Oberstein mit einem Stand vertreten.
Sebastian Stüber betreibt in Idar-Oberstein eine Weinbar und auf dem Afterwork in Idar-Oberstein mit einem Stand vertreten.

1,1 Millionen Euro aus Bundesförderprogramm

Die Afterwork-Reihe ist für Stüber und andere Gastronomen in Idar-Oberstein ein großer Erfolg. Veranstaltet und bezahlt werden die Events von der Stadt Idar-Oberstein. Das Geld kommt aus einem Förderprogramm des Bundes.

Rund 1,1 Millionen Euro hat die Stadt in den vergangenen drei Jahren bekommen, um ihre Innenstadt wieder lebendiger zu machen und die Händler und Gastronomen zu unterstützten. "Es ist immer wieder geäußert worden, dass der Stadt Veranstaltungen fehlen. Und dann haben wir überlegt, wie wir Menschen mit relativ einfach Mitteln in die Stadt holen können", sagt Sarah Wagner von der Wirtschaftsförderung der Stadt Idar-Oberstein.

Pop-up-Store ist nicht erfolgreich

Mit dem Fördergeld sollten aber nicht nur Events, sondern auch Händler angeworben werden. Gerade in der Fußgängerzone im Stadtteil Oberstein zieht es kaum noch Menschen, viele Schaufenster sind leer.

Sarah Wagner (links) und Caroline Pehlke freuen sich über die positive Resonanz auf dem Afterwork in Idar-Oberstein.
Caroline Pehlke (links) und Sarah Wagner von der Wirtschaftsförderung in Idar-Oberstein hatten die Idee, ein Afterwork in der Stadt zu veranstalten.

Das wollte die Stadt mit einem Pop-up-Store ändern. Interessierte konnten sich dort über Monate praktisch kostenfrei einmieten, um ihren Waren zu verkaufen.

Am Anfang haben sich schnell Mieter gefunden, aber mittlerweile steht der Laden seit Monaten leer, sagt Caroline Pehlke von der Wirtschaftsförderung in Idar-Oberstein. "Man muss ganz klar sagen, das hat nicht funktioniert", sagt sie. Deshalb habe man das Geld für andere Dinge ausgegeben, etwa für mehr Pflanzen und Grün in der Innenstadt.

Café Maje lockt Menschen in Fußgängerzone

Lichtblicke gibt es trotzdem. Der Idar-Obersteiner Michael Winter hat mit seiner Freundin Luisa Bernard vor fünf Monaten ein neues Café in der Stadt eröffnet, ohne Fördergeld des Bundes aber dafür mit ausgefallenen Frühstücksplatten, veganen und vegetarischen Alternativen.

Michael Winter und Luisa Bernard haben Idar-Oberstein ein Café eröffnet. Dafür gab es zwar keine Förderung aus Bundesmitteln, trotzdem gilt das Café als Lichtblick in der Fußgängerzone.
Michael Winter und Luisa Bernard haben Idar-Oberstein ein Café eröffnet. Dafür gab es zwar keine Förderung aus Bundesmitteln, trotzdem gilt das Café als Lichtblick in der Fußgängerzone.

Außerdem veranstaltet das Café Events wie einen Malworkshop oder einen Yoga-Abend. "Es geht darum, dass die Fußgängerzone nochmal Erlebnisse bietet. Das was man sich nicht im Internet bestellen kann, ist ja ein guter Café, ein gutes Gespräch und eine tolle Begegnung", sagt Michael Winter.

Finanzierung von Afterwork noch unklar

Neuansiedlungen können also auch ohne Fördergeld funktionieren. Das Bundesprogramm läuft in diesem Jahr ohnehin aus – wie es danach mit den geförderten Veranstaltungen wie dem Afterwork weitergeht, ist noch unklar. Derzeit laufen nach Angaben der Wirtschaftsförderung Gespräche.

Die Idar-Obersteiner wollen in jedem Fall, dass es weitergeht. Denn auf dem Schleiferplatz sind sich die Leute einig: Solche Veranstaltungen haben der Stadt lange gefehlt.

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