Die Stadt Zell hat ihre Schwarze Katz, Simmern hat den Schinderhannes und Mainz die Mainzelmännchen. Viele Städte und Gemeinden werben mit historischen Figuren oder Maskottchen - so auch der Moselort Kinheim. Nur dass den Kinheimer Werbebotschafter bislang kaum jemand kennt: Es ist Sucellus, der römische Schutzpatron der Winzer und Küfer.
Wer in dem Dorf spazieren geht, stößt überall auf den bärtigen Mann mit Hammer und Trauben im Arm. Er ist auf dem Ortsschild abgebildet, auf Flaggen und Bannern. Und sogar zwei Statuen finden sich in der Tourist-Information und in der Nähe eines Spielplatzes.
Römervilla wurde vor 50 Jahren ausgegraben
Es sind Nachbildungen eines Sandsteinreliefs, das im Trierer Landesmuseum ausgestellt wird. Archäologen haben es 1976 in einem Steilhang über dem Ortsteil Kindel ausgegraben. Die 80 Zentimeter große Figur stand in einer römischen Villa, von der heute nur Ruinen übrig sind.
"Diese Statue ist einer der ältesten Beweise dafür, dass die Römer hier schon vor fast 2.000 Jahren Reben angebaut haben", sagt Ortsbürgermeister Christian Franzen (parteilos): "Die wussten also schon damals, dass es an der Mittelmosel den besten Wein gibt."
Römischer Weinbau an der Mosel
Und das ist gar nicht weit hergeholt. Denn tatsächlich wurden Darstellungen des Sucellus nur in den besten Weinbauregionen des römischen Reiches gefunden - zum Beispiel in den Tälern der Rhône und der Saône in Frankreich. Und eben an der Mosel. Dort, wo es heute noch Spitzenlagen gibt.
So hat es der inzwischen verstorbene Altertumsforscher Manfred Kotterba im Jahr 2000 in seiner Dissertation über Sucellus geschrieben. Darin wird übrigens auch die Statue aus Kinheim erwähnt, die der Autor für wenig gelungen hielt: "Sie erscheint zu gedrungen, da die Beine zu kurz und der Oberkörper zu breit dargestellt sind."
Kinheimer wollen römisches Erbe bekannter machen
Wozu der Hammer diente, den der Kinheimer Sucellus dabei hatte, ist unklar. Im Dorf glaubt man, dass er dafür da war, die Weinfässer mit Stahlreifen zu beschlagen. Der Historiker Kotterba hingegen meinte, es sei ein Hammer zum Einschlagen der Holzpflöcke, an denen die Reben empor rankten.
Fakt ist: Die Römer haben damals die Weinbautradition begründet, die sich bis heute an der Mosel hält. Im Nachbarort Erden zeugt davon noch eine antike Kelteranlage.
"Ich glaube, die Römer haben unsere Region stark geprägt und es fließt noch viel römisches Blut in unseren Adern", meint Silvia Zeimet vom Tourismus Ausschuss von Kinheim: "Ich fand es immer schade, dass wir daraus so wenig machen - anders als zum Beispiel in Trier."
Veranstaltungen, Wanderweg und Kinderbuch
Genau daran will die Gemeinde jetzt aber etwas ändern. "Aus einer Weinlaune heraus kam der Gedanke auf, die römische Kultur in Kinheim wieder aufleben zu lassen", sagt Ortsbürgermeister Christian Franzen: "Wir wollten erst nur ein Event machen, um die Ausgrabung vor 50 Jahren zu feiern."
Doch bei den Planungen im Tourismus Ausschuss entwickelten sich immer wieder neue Ideen. "Und so sind wir in dieses Sucellus-Jahr praktisch rein gestolpert."
Ab Januar soll es nun jeden Monat eine Veranstaltung rund um den Weingott geben. Auf dem Programm stehen Weinproben, Vorträge und Themenwanderungen. Außerdem schreibt der Ortsbürgermeister an einem Kinderbuch über Sucellus und plant einen Rundweg mit Infotafeln, der durch die Nachbarorte Lösnich und Erden führen soll.
Römerspektakel mit Gladiatorenkämpfen
Der Höhepunkt des Sucellus-Jahres soll aber das sogenannte Römerspektakel am letzten Juli-Wochenende werden - ein großer Markt am Moselufer mit römischen Handwerks- und Essensständen, Musik und Show-Einlagen wie Gladiatorenkämpfen.
Paare sollen sogar nach römischer Sitte heiraten können, mit lateinischen Sprüchen und einem roten Schleier für die Braut. "Es gibt so viele Weinfeste an der Mosel, aber so eine Veranstaltung gab es noch nie", verspricht Silvia Zeimet vom Tourismus Ausschuss. Und das - dank Sponsoren - sogar bei freiem Eintritt.
Ziel ist es, dass das Sucellus-Jahr in Erinnerung bleibt, sagt Ortsbürgermeister Franzen: "Es wäre super, wenn Leute, die sich für die römische Geschichte interessieren, künftig nicht nur an Trier oder Neumagen-Dhron denken, sondern auch an Kinheim."