Die Enkircher Straße wirkt überhaupt nicht wie ein Tatort. Sie liegt mitten in der Innenstadt von Traben-Trarbach. Touristen spazieren und radeln hier vorbei.
Auf der einen Straßenseite liegt ein Grünstreifen, in dem Rosen blühen. Auf der anderen: das Mittelmosel-Museum und mehrere Hotels. Nichts deutet darauf hin, dass sich hier noch vor wenigen Tagen ein bewaffneter Raubüberfall ereignet hat.
Unter den Einwohnern ist der Vorfall aber immer noch Stadtgespräch. Spätestens seit ein Video kursiert, das zeigt, wie drei maskierte Unbekannte zwei Männer mit vorgehaltener Pistole bedrohen und ausrauben.
Bürgerin: "Man kann sich nirgendwo mehr sicher fühlen"
Viele Einwohner hat der Vorfall geschockt. Heike Cullmann zum Beispiel, die in einem Restaurant in der Nähe des Tatortes arbeitet, sagt: "Das ist ein ganz ungutes Gefühl. Als könnte man sich nirgendwo mehr sicher fühlen." Auch vor dem Überfall sei sie nicht gerne nachts durch die Innenstadt gegangen: "Wenn ich oder meine Kolleginnen spätabends nach Hause müssen, nehmen wir uns ein Taxi."
Auch andere Bürger erzählen bei einer SWR-Umfrage von Schlägereien am Bahnhof und von Drogendeals, die sie beobachtet haben wollen. Wer die Pressemeldungen der Polizei in den letzten Jahren durchgeht, stößt auf einige Diebstähle, Einbrüche und Sachbeschädigungen in Traben-Trarbach.
Bürger fordern: Polizeiwache soll länger besetzt sein
Was die Bürger sich deshalb wünschen würden: Mehr Polizei. Denn die Wache im Stadtteil Traben ist nur werktags von 7 bis 16 Uhr besetzt. Abends, frühmorgens und am Wochenende übernehmen die Kollegen der Polizeiinspektion in Zell. Die liegt aber etwa 20 Minuten von Traben-Trarbach entfernt.
"Das ist natürlich ungünstig, weil bei uns in der Touristenhochburg gerade abends und am Wochenende viel los ist und es dann auch eher mal Einsätze gibt", sagt Marcus Heintel (SPD), der Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Auch der Raubüberfall ereignete sich, als in der Wache schon die Lichter aus waren - eineinhalb Stunden nach Dienstschluss.
Bürgermeister will sich für mehr Präsenz einsetzen
Bürgermeister Heintel will daher, dass die Wache künftig länger besetzt bleibt: "Es ist gut, dass wir diese Wache haben, aber ein bisschen mehr Präsenz - das wäre schon gut." Auch wenn der Raubüberfall womöglich ein Einzelfall war: "Wenn so etwas am hellichten Tag mitten in der Stadt passiert, verunsichert das die Menschen. Und das müssen wir ernstnehmen."
Heintel will daher mit dem Innenministerium und der Polizei über eine Ausweitung der Präsenz in Traben-Trarbach sprechen. Ralf Cullmann, der erste Beigeordnete der Stadt, fordert das schon länger. Er kann sich noch daran erinnern, dass es in Trarbach ein eigenes Polizeiamt in der Kirchgasse gab.
Dass diese Zeiten wiederkommen, glaubt er nicht. "Traben-Trarbach ist natürlich auch nicht Chicago", räumt Cullmann ein: "Aber eine Stadt von dieser Größe braucht eine Polizeistation - am besten eine, die 24 Stunden besetzt ist." Die Bürger würden sonst das Vertrauen verlieren.
Täter sind immer noch auf der Flucht
Das Landesinnenministerium sieht keinen Anlass dafür, die Dienstzeiten der Polizeiwache in Traben-Trarbach auszuweiten. In der Moselstadt komme es laut Polizeistatistik nicht auffällig oft zu Straftaten. Die Menschen könnten sich sicher fühlen.
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Die Täter sind derweil weiter auf der Flucht. Zeugen, die die Fahrzeuge oder verdächtige Personen gesehen haben, sollen sich unter 06542/98670 bei der Polizei in Zell oder unter 06571/95000 bei der Kriminalpolizei in Wittlich melden.