Eine Künstlerin zeichnet kyrillische Buchstaben an die Wand der Klosterkapelle. Es sind die letzten Bleistiftstriche. Bald ist die Frau aus Israel fertig mit den Malereien von Heiligen und von biblischen Szenen. Jeden Sonntag können rund 80 Gläubige sie beim Gottesdienst in der kleinen Kirche bewundern.
"An Ostern waren es über 200. Da standen die Menschen bis auf die Straße", sagt Erzpriester Timofey Kitnis, der hier die Messe liest. Es sind vor allem ukrainische Geflüchtete, aber auch orthodoxe Christen aus Russland, Moldawien und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, die sich in dem ehemaligen Kloster "Mater Dolorosa" in Klausen zum Beten treffen.
Immer weniger Pilger kommen nach Klausen
Das hat Tradition im Dorf. Klausen ist nach Trier der zweitwichtigste Pilgerort der katholischen Christen im Bistum. Früher reisten Tausende zur Wallfahrtskirche, weil einem Tagelöhner hier im Mittelalter die Mutter Gottes erschienen sein soll. In den letzten Jahren sind die Pilgerzahlen aber rückläufig. "Wir erreichen schon lange nicht mehr die Zahlen wie noch vor Jahrzehnten", beobachtet Albert Seul, Rektor der Walfahrtskirche von Klausen.
Das hat Folgen. Früher lebten viele Klausener von den Pilgern und dem Geld, das sie in den Geschäften und Gaststätten ausgaben. Es gab einmal rund ein Dutzend Gaststätten. Heute sind fast alle geschlossen.
Familie plant Museum, Herberge und Café
Familie Kitnis will das ändern. "Wir wollen Klausen wieder zu einem boomenden Pilgerort machen und neues Leben in das alte Kloster bringen", sagt Elvira Kitnis, die Frau des russisch-orthodoxen Erzpriesters. Was die Touristen wieder in das Dorf locken soll: ein Museum über die Geschichte des Wallfahrtsortes und die Marienerscheinung. "Aber nicht nur die Erscheinung in Klausen, sondern auch andernorts auf der Welt - solche Ereignisse werden ja seit Hunderten von Jahren überliefert", so Kitnis.
"Es soll auch digital und interaktiv etwas geboten werden und sich nicht nur an russisch-orthodoxe Christen richten, sondern an Besucher aller Konfessionen", verspricht Kitnis, die aus Sibirien stammt. Auch eine zweite Kirche, ein Café und eine Herberge für Pilger will die Familie eröffnen.
Gemeinde kümmert sich um ukrainische Geflüchtete
Noch sind allerdings einige der 69 Zimmer im Kloster belegt. Dort, wo früher Nonnen lebten, wohnen derzeit rund 30 ukrainische Geflüchtete, vor allem Frauen mit Kindern. In den Gemeinschaftsräumen finden Integrations- und Deutschkurse statt. Das Leitbild der Familie: Die Ukrainer sollen sich nicht assimilieren, sondern ihren Glauben und ihre Kultur in die deutsche Gesellschaft einbringen und zur Vielfalt beitragen.
Dabei ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die russisch-orthodoxe Gemeinde sich für die Ukrainer einsetzt. Das Oberhaupt der Kirche, Patriarch Kyrill I., gilt als Verbündeter Putins. Die Gemeinde in Klausen allerdings untersteht dem Erzbischof von Paris und distanziert sich von Putins Krieg. "Wir verurteilen den Angriff", sagt Elvira Kitnis.
Russisch-Orthodoxe lehnen Krieg ab
Konflikte mit Befürwortern des Krieges gebe es in der Gemeinde nicht. "Das ist ein Gotteshaus, politische Diskussionen bleiben draußen", sagt Erzpriester Timofey Kitnis. Er vermutet aber, dass Anhänger von Putin seiner Kirche ohnehin fernbleiben: "Die wissen ja, welche Einstellung wir haben."
Doch auch, wenn manche Gläubige nicht kommen - über zu wenige Besucher kann die Gemeinde nicht klagen. Ihre alten Kapelle in einem Hotel in Bekond war irgendwann zu eng geworden. "Und als wir 2022 das Kloster in Klausen entdeckt haben, haben wir sofort die Chance erkannt", sagt Kitnis.
Pfarrer: Gemeinde führt christliche Tradition in Klausen fort
Auch drei Jahre später gibt es zwar noch einige Baustellen in dem Gebäude, das zuletzt als Weingut genutzt wurde. "Dank der vielen freiwilligen Helfer kommen wir aber gut voran ", sagt Erzpriester Kitnis.
Und auch der Klausener Pfarrer Albert Seul unterstützt die Pläne. "Wir erleben Kirche in diesen Tagen ja vor allem im Rückbau und Rückschritt und hier wird etwas aufgebaut", sagt der Pastor. Was ihn außerdem freut: "Die Gemeinde führt das Erbe des alten Dominikanerklosters und die christliche Tradition des Ortes fort." Ob der Wallfahrtsort irgendwann wieder von so vielen Pilgern besucht wird wie in den vergangenen Jahrzehnten - das wird die Zeit zeigen.