Thomas Mares ist seit zwölf Jahren Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Trier. Er geht beispielsweise in Schulen. Dort berät er junge Menschen und hilft ihnen, einen guten Start ins Berufsleben zu finden. Mares beobachtet, dass es immer mehr jungen Menschen schwer fällt, einen passenden Job zu finden.
SWR Aktuell: Die Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen ist in den vergangenen drei Jahren in der Region Trier um 44 Prozent gestiegen. Woran liegt das ihrer Ansicht nach?
Thomas Mares: Zum einen merken wir, dass die Betriebe im Augenblick junge Menschen etwas zurückhaltender einstellen. Junge Menschen sind oft auch die, die ihren Job wieder verlieren, wenn es in den Betrieben nicht gut läuft oder es wirtschaftliche Probleme gibt.
Darüber hinaus hatten wir in den letzten Jahren eine sehr gute Marktlage. Das hat dazu geführt, dass viele Jugendliche gesagt haben: Ich gehe erst mal jobben und nicht direkt in eine berufliche Qualifikation wie Ausbildung oder Studium. Und im Nachhinein zeigt sich jetzt, dass sie die ersten sind, die freigestellt werden.
SWR Aktuell: Es kursiert innerhalb der Gesellschaft immer auch das Vorurteil, dass junge Menschen nicht arbeiten wollen. Wie nehmen Sie das wahr?
Mares: Nein, absolut nicht. Ganz im Gegenteil. Wenn ich mit jungen Menschen spreche, dann habe ich häufig Leute vor mir sitzen, die ganz gezielt ihre Zukunft planen, die auch wirklich ihre Wünsche umsetzen wollen.
Und viele sind auch sehr gut darin, ihre Lage und Möglichkeiten einzuschätzen. Dass die jungen Leute jetzt sagen "Ich will nicht mehr", habe ich ganz, ganz selten.
Arbeitsmarktforscher Prof. Enzo Weber Ausbildungsstart: Was Arbeitgeber tun müssen, um Bewerber zu erreichen
Viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt – viele Jugendliche wollen lieber direkt in den Beruf starten. Was müssen Arbeitgeber tun, damit sie Bewerber erreichen können?
SWR Aktuell: Welche Gruppe von jungen Menschen trifft die Arbeitslosigkeit am stärksten?
Mares: Es trifft überwiegend diejenigen, die keine berufliche Qualifikation haben, wie eine Ausbildung.
Je besser die Qualifikation, desto geringer das Risiko, arbeitslos zu werden.
Man kann also immer noch sagen und der Grundsatz gilt eigentlich seit vielen Jahren: Je besser die Qualifikation, desto geringer das Risiko, arbeitslos zu werden.
SWR Aktuell: Wenn Ihnen die jungen Menschen gegenüber sitzen - was fällt Ihnen da auf?
Mares: Ich erlebe sie häufig verängstigt. Welchen Beruf erwerbe ich in Zukunft? Es ist eine Entscheidung fürs ganze Leben. Im Gespräch versuchen wir dann, das Ganze ein bisschen zu lockern und den Druck rauszunehmen.
Natürlich bekommen die jungen Menschen aber auch die aktuellen Diskussionen mit. So kann ich zum Beispiel sagen: Ich berate überwiegend junge Leute, die vor ihrem Abitur stehen. Ich stelle in letzter Zeit fest, dass ich sehr viele Fragen zum Beispiel nach KI habe. Also was bedeutet KI für meinen Beruf, für meine Zukunft?
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SWR Aktuell: Was müsste sich denn strukturell ändern, damit es junge Menschen leichter haben, einen Job zu finden?
Mares: Ich denke, dass die Ausbildungen ständig auf Zukunftstauglichkeit und auch auf die Anforderungen hin geprüft werden.
In vielen Berufen werden heute Anforderungen gestellt, die vor vielen Jahren noch nicht bestanden.
Gerade junge Leute mit nicht so guten Leistungen in der Schule, tun sich mit einigen Ausbildungen manchmal schwer. In vielen Berufen werden heute Anforderungen gestellt, die vor vielen Jahren noch nicht bestanden. In Handwerksberufen zum Beispiel, ist heute sehr, sehr viel mathematisches Wissen erforderlich. Oder auch technisches Wissen rund um Wärmedämmung, Isolierung. Das war früher nicht so intensiv. Und das überfordert manche Jugendliche etwas.
SWR Aktuell: Wie können junge Menschen denn die Chancen erhöhen, einen Job zu finden?
Mares: Das ist tatsächlich die praktische Erfahrung. Seit einigen Jahren ist in allen Schulformen ein Betriebspraktikum verpflichtend. Aber es ist natürlich toll, wenn die jungen Menschen darüber hinaus noch mal in andere Betriebe hineingehen, um sich einfach mal umzuschauen und zu sehen, was läuft denn da.
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Ich sage mal so: Einen Betrieb mit allen Sinnen erleben - also nicht nur im Internet lesen. In einer Bäckerei zu sein, in einem Holzbetrieb zu sein, die Temperatur, die Lautstärke, alles mal mit allen Sinnen wahrzunehmen. Da dann auch die Kollegialität kennenzulernen, die in so einem Betrieb herrscht.
Viele junge Leute, die ein Praktikum machen, bekommen nachher auch eine Ausbildungsstelle.
Und da helfen halt einfach Praktika und praktische Erfahrungen. Viele junge Leute, die ein Praktikum machen, bekommen dann nachher auch eine Ausbildungsstelle in diesen Betrieben.