Streit um Biotop

Schlappe für Umweltschützer: Frasers darf auf Flugplatz Bitburg bauen

Jetzt ist es entschieden: Der Sportartikelhersteller Frasers darf auf dem ehemaligen Flugplatzgelände in Bitburg bauen. Umweltschützer wollten das verhindern.

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Stand

Einen langen Streit hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) jetzt vor dem Oberverwaltungsgericht verloren. Der BUND hatte gegen die Landesnaturschutzbehörde geklagt, die erlaubt hatte, auf dem Gelände die sogenannten Magerwiesen zu bebauen. Die Wiesen gelten für die Umweltschützer als Biotop. Eine erste Klage vor dem Verwaltungsgericht Trier war bereits gescheitert.

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Vor fast vier Jahren hat der britische Sportwarenhändler "Frasers Group" ein Grundstück auf dem früheren US-Militärgelände gekauft, um dort sein europäisches Hauptquartier zu errichten.

BUND enttäuscht über Urteil: Vögel sollten geschützt werden

Hintergrund sind laut BUND seltene Vögel, die auf den Magerwiesen auf dem ehemaligen Flugplatzgelände in Bitburg zu Hause sind. Für die Regionalbeauftragte des BUND in Trier, Agnes Tillmann-Steinbuß, kommt das Urteil überraschend. Sie habe nicht damit gerechnet, dass das Gericht die Klage der Naturschützer abweist.

Ich bin traurig darüber.

Die vom Gericht getroffene Entscheidung sei eine negative Wendung - für die Regionalplanung, den Naturschutz und die Landwirtschaft, so die Umweltschützerin gegenüber dem SWR. "Ich bin traurig darüber. Selbstverständlich unterscheidet sich subjektives Rechtsempfinden häufig von tatsächlichen Richtersprüchen."

Besonders frustrierend sei für sie, dass erste Baumaßnahmen schon gestartet seien, noch bevor sie selbst von dem Urteil erfahren habe. Bereits am Freitagmorgen habe sie mehrere Anrufe erhalten, dass auf dem Gelände die Bagger rollten.

Politiker atmen nach Urteil auf

Landrat und Verbandsvorsteher Andreas Kruppert begrüßt die klare Entscheidung des Gerichts. "Wir sehen uns in allen wesentlichen Punkten durch die Entscheidung bestätigt."

Bitburg und die ganze Region werde durch den Unternehmensbau ökonomisch und strukturell aufgewertet, so Kruppert. Insgesamt würden dadurch 360 Millionen Euro investiert. Zudem entstünden rund 800 neue Arbeitsplätze. Die Ansiedlung sei auch wichtig für die Umsetzung des Projektes Bitburg Housing. "Neue Beschäftige benötigen Wohnraum, den wir im 60 Hektar großen Housing-Areal schaffen können", so der Landrat.

Ähnlich sieht das Michael Ludwig, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Bitburg-Prüm und erster Beigeordneter. Er ist nach eigener Aussage froh mit der Entscheidung des Gerichts. Denn für die Region wäre es eine Katastrophe, wenn sich der Prozess weiter in die Länge gezogen hätte, sagte er dem SWR.

Ich habe den Glauben nicht verloren, dass Gerichte in Deutschland Maß, Mitte und Vernunft kennen und bin froh, dass so entschieden wurde.

Der Kreis habe viel getan und Millionen investiert, um für die Ansiedlung des Logistik-Unternehmens einen naturschutzrechtlichen Ausgleich zu schaffen, so Ludwig. "Ich habe den Glauben nicht verloren, dass Gerichte in Deutschland Maß, Mitte und Vernunft kennen und bin froh, dass so entschieden wurde."

Kurppert und Ludwig hoffen nun, dass es mit dem Bau schnell vorangeht.

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BUND könnte vor Bundesverwaltungsgericht ziehen

Theoretisch könnte der BUND jetzt noch vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen und dort Berufung einlegen. Der BUND-Landesvorstand werde nun gemeinsam mit seinen Rechtsanwälten das Urteil prüfen. Weil der BUND sich in wesentlichen Teilen ehrenamtlich engagiere und dadurch nur beschränkt über finanzielle Mittel verfüge, würden weitere Maßnahmen gegen das Projekt erstmal geprüft, sagte Tillmann-Steinbuß dem SWR.  

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SWR

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