Zufrieden steht Nisha Dietz auf dem Gelände des Pferdefestivals und schaut zu, wie die Gäste ausgelassen zur Musik feiern. Nisha ist Mitglied im Verein für Kunst, Kultur und Inklusion aus Bernkastel-Kues, der nun seit rund 20 Jahren das Musikfest an der Mosel organisiert. Zu der Veranstaltung kommen Musikgruppen und DJs verschiedener Genres aus aller Welt.
Hinter Nisha und ihren Vereinskollegen liegen Monate voller E-Mails, Telefonate und Treffen. Und eine Aufbauwoche, in der sie auf der Wiese, einer Anhöhe unweit des Moselorts Piesport (Kreis Bernkastel-Wittlich), mit Strom, Wasser und Toiletten für die notwendige Festival-Infrastruktur gesorgt haben. Als Beauftragte für Barrierefreiheit kommen noch weitere Punkte auf Nishas Checkliste dazu, die sie in den letzten Wochen immer wieder aufs Neue durchgegangen ist.
Verein setzt auf Barrierefreiheit
Denn das Pferdefestival ist ein inklusives Festival: Der Verein möchte eine Veranstaltung, bei dem alle Menschen willkommen sind und ohne Einschränkungen zusammen feiern können, schaffen. Mit den Maßnahmen, die sich Nisha und die Inklusionsbeauftragten des Vereins überlegt haben, versuchen sie das Festival seit Jahren so barrierearm wie möglich zu gestalten.
"Das fängt schon bei unserer Homepage an, wo alle Informationen rund ums Parken, Campen und zur Musik in Leichter Sprache nachzulesen sind", erklärt Nisha Dietz. Apropos leicht verständlich: Auch die Schilder auf dem Festivalgelände und die Karten für Essen und Trinken sind mit Bildern gestaltet, sodass auch Menschen, die nicht gut lesen können, sich zurechtfinden.
Für Gäste, die im Rollstuhl sitzen, ist vor der Bühne auch eine eigene Tribüne aufgebaut und es gibt eine barrierefreie Toilette. Damit man mit dem Rollstuhl sicher auf dem unebenen Waldboden fahren kann, werden in diesem Jahr zum ersten Mal 75 Stahlplatten auf dem Gelände verteilt.
Viele Punkte auf meiner Liste sind vor allem zeitintensiv.
Barrieren abbauen ohne großes Geld
Natürlich gebe es Punkte auf ihrer Checkliste, die Geld kosten. So kann zum Beispiel eine barrierefreie Toilettenanlagen schnell mal Tausende Euro kosten. Und auch die Stahlplatten seien nicht günstig gewesen. Hier wird der Verein finanziell von der Aktion Mensch und der Initiative Musik des Kultursommers Rheinland-Pfalz unterstützt.
Die Kosten sind aber nicht immer ein Hindernis. "Viele Punkte auf meiner Liste sind vor allem zeitintensiv, lassen sich aber auch ohne großes Geld einfach umsetzten, wenn man sich damit beschäftigt", sagt Nisha Dietz. Wie zum Beispiel der barrierefreie Getränkestand, der an vielen Stellen abgesenkt ist.
Ähnlich sieht das auch Felix Brückner von der Initiative "Barrierefrei Feiern". Viele Veranstalter würden ein inklusives und barrierefreies Konzept noch meiden, weil sie Angst vor hohen Kosten haben. Kleinere Maßnahmen, die praktisch umsonst umsetzbar wären, würden im ersten Schritt mal Zeit kosten. Diese Zurückhaltung führe dazu, dass Barrierefreiheit oft als Extra gesehen wird, etwas das "Nice-to-have", wenn noch Geld übrig bleibt. Kleinere Maßnahmen würden dann auf der Strecke bleiben.
Inklusive Musikgruppen sind beim Pferdefestival dabei
Die Barrierefreiheit für die Gäste ist nur ein Teil des Konzeptes der Vereinsmitglieder. Menschen mit Behinderung spielen auch auf der Bühne eine Rolle: Über die letzten Jahre hat sich der Verein ein Netzwerk aufgebaut, kennt inklusive Musik- und Tanzgruppen, in denen Menschen mit Behinderung dabei sind. Und so ist in diesem Jahr neben der Tanzformation "Rico and HiS Dancing Girls" aus Trier eine inklusive Gruppe aus Wien dabei.
Auch die vereinseigene Band "Alpina Weiss Bescheid" hat ihren Auftritt am Samstagabend. Dass hier vier der sechs Bandmitglieder eine Behinderung haben, spielt keine Rolle. Es wird einfach kein großes Ding draus gemacht.
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Konzept wird weiterentwickelt
Dass ihre Checkliste noch lange nicht abgeschlossen ist, weiß Nisha. Wie jedes Jahr werden auch nach diesem Festival neue Punkte dazukommen. Denn vollkommen barrierefrei ist das Pferdefestival in Piesport noch nicht.
Barrierefreiheit gehört für viele lang noch nicht zur Realität. Dabei ist es super wichtig, dass es Realität wird.
Dabei setzen sie auch auf die Besucher mit Behinderung, die aufgerufen sind, Rückmeldungen zu geben. Und es wird Feedback aus den eigenen Reihen geben. "Barrierefreiheit gehört für viele lang noch nicht zur Realität. Dabei ist es super wichtig, dass es Realität wird," sagt Nisha Dietz.