Mitten im Trainingsraum ist ein großer Boxring aufgestellt, Boxsäcke baumeln ringsum von Haken an der Decke und Boxhandschuhe liegen herum. Was wie ein gewöhnliches Boxstudio aussieht, ist für viele, die regelmäßig hier zum Boxclub in Gerolstein kommen, mehr als nur ein Ort zum Trainieren.
Das sind Menschen wie Miran Asmar. Der 17-Jährige wohnt mit seiner Familie im zwanzig Kilometer entfernten Jünkerath, geht noch zur Schule. Jeden Dienstag und Donnerstag kommt er nach Gerolstein zum Boxtraining. Und das schon seit drei Jahren. Eine Zeit, die ihn sehr verändert hat, wie er sagt.
Durch das Boxen habe ich mich besser im Griff.
Noch vor wenigen Jahren sei er vor allem aufgedreht, laut und aggressiv gewesen, erinnert sich Miran. Heute sei das anders. Situationen und Streitigkeiten in der Schule oder seiner Freizeit, die ihn früher schnell wütend gemacht haben, könne er besser kontrollieren. "Ich habe das Boxen gebraucht. Durch das Boxen habe ich mich besser im Griff", sagt Miran Asmar. So gut, dass er im letzten Jahr die Rheinland-Meisterschaft gewonnen hat.
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Boxclub als Lebensprojekt
Dass er heute so denkt, verdankt der 17-Jährige nicht nur dem Sport an sich. "Hadi hat das geschafft", sagt Miran und meint damit seinen Trainer im Boxclub. Die Geschichten der beiden liegen nicht weit auseinander.
Bereits mit 16 Jahren fing Hadi Heidari - damals noch in seiner Heimat, dem Iran - an zu boxen. Sein Trainer brachte ihn von der schiefen Bahn ab und zeigte ihm, dass es beim Boxen vor allem um Respekt und Charakterstärke und weniger ums K.O.-Schlagen geht. Seit 2008 versucht der mittlerweile 68-Jährige diese Werte an die Jungen und Mädchen in seinem eigenen Boxclub in Gerolstein weiterzugeben.
Wir haben mehrere Nationalitäten, die zusammen boxen. Religion und Politik sind aber raus.
Damit das klappt, gibt es ein paar Spielregeln, die ihm wichtig sind: Auseinandersetzungen wegen Nationalitäten, Hautfarben, Religion oder gar Politik hätten in den Räumen des Boxclubs keinen Platz. "Wir haben mehrere Nationalitäten, die zusammen Boxen. Religion und Politik sind aber raus", sagt Hadi Heidari.
Und das habe in all den Jahren sehr gut ohne Streitereien oder Feindseligkeiten zwischen den Boxern geklappt. Über 70 Sportler sind mittlerweile im Club, darunter auch Syrer, Ukrainer, Iraner, Russen und Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind.
Im Boxclub würden sie sich auf Augenhöhe begegnen, um zu boxen und ein bisschen den Alltag zu vergessen. "Der Boxclub soll ein Ort sein, an dem sich alle wertgeschätzt fühlen und auch voneinander lernen können", sagt der Trainer. Integration passiere dann oft von alleine.
Trainer ist mehr als nur ein Vorbild
Dass viele der Jungen ihn als einen "zweiten Papa" sehen, von dem man noch sehr viel mehr als nur Sportliches lernen kann, macht Hadi Heidari stolz. Schließlich ist das auch sein Ziel.
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Ohne den Boxclub würde Gerolstein etwas fehlen, findet Miran. Es müsse mehr solcher Orte geben, an denen man zusammenkommen kann, die einem Halt geben und wo man viele neue Leute kennenlernt. Er hat im Boxclub Freunde gefunden, die er vielleicht sonst nicht kennengelernt hätte.