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Alles Wichtige zum neuen SCHUFA-Score

Wie fair und transparent ist der neue SCHUFA-Score – wer wird tendenziell benachteiligt und inwiefern kann man den eigenen Score verbessern?

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Stand

Von Autor/in Barbara Hirl, Sola Hülsewig

Inhalt:
Das war die Kritik am alten Score-System
Das ist der neue SCHUFA-Score
Kritik an der Bonify-App
Auf diesen 12 Kriterien beruht der neue Score
Wer wird durch den neuen Score benachteiligt?
Mieser SCHUFA-Score: Was tun?
Vertragsschluss verweigert: Was tun?
Fehler im SCHUFA-Score: Was tun?
Probleme mit der SCHUFA
Falsche Meldungen an die SCHUFA durch Unternehmen
Wie kann ich meinen SCHUFA-Score verbessern?

Bislang wurde die SCHUFA von Kritikern als „Blackbox“ bezeichnet – wie die Scores zustande kamen war höchst intransparent. Zu diesem Schluss kam auch der Europäische Gerichtshof, der die Auskunftei seiner Rechtsprechung zu mehr Transparenz verpflichtete (EuGH, Urteil vom 7.12.2023, Rs. C-634/21; EuGH, Urteil vom 27.02.2025, Rs. C-203/22).

Das war die Kritik am alten Score-System der Schufa

Es gab sechs völlig unterschiedliche Scores - Einen für die Bank, einen für den Handyanbieter, einen fürs Online-Shopping etc.

Diese entscheidenden Scores konnte man als Verbraucher jedoch nicht einsehen. Wer die eigenen Daten abgefragt hat, hat immer nur den sogenannten Basis-Score bekommen. Das war ein grober Mittelwert aus den verschiedenen Branchen-Scores, angegeben in Prozent von 1 bis 100.

Damit stand auf dem Papier zwar irgendeine Zahl – aber wenn die Bank den Kredit abgelehnt hat, wusste man trotzdem nicht, warum.

Das ist der neue SCHUFA-Score

Das Ergebnis ist ein komplett neuer Score, der die verschiedenen „alten“ Scores ersetzen soll. Dieser Prozess soll bis Ende 2028 abgeschlossen sein – die alten Scores kursieren bis dahin parallel zum neuen. Der neue Score beruht nicht mehr auf geheimen Algorithmen, sondern nur noch auf 12 „verständlichen“ Kriterien.

Die Bewertungen werden in einer Zahl zwischen 100 und 999 zusammengefasst, 999 ist dabei der beste Score, der erreicht werden kann. Wie der Wert genau zustande kommt, können Verbraucher ab sofort selbst nachrechnen. Sie haben das Recht, die über sie vorliegenden Daten („Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO“) kostenlos einzusehen. Das geht auch ohne SCHUFA-Account hier.

Kritik an der Bonify-App

Obwohl die Bonify-App einen niederschwelligen Zugang zu den SCHUFA-Daten ermöglicht, wird sie von Datenschützern teilweise kritisiert. So könne sie Verbraucher dazu verleiten, mehr Infos von sich preiszugeben als nötig.

Der Geschäftszweck des Tochterunternehmens der Schufa, das Bonify betreibt, besteht schließlich unter anderem darin, für den jeweiligen Kunden passende Finanzprodukte zu vermitteln und dafür von den Anbietern Provisionen zu kassieren.

12 Kriterien des neuen SCHUFA-Score

Auf Basis folgender Kriterien errechnet sich der SCHUFA-Score:

  1. Alter der ältesten Kreditkarte
  2. Alter der aktuellen Adresse
  3. Anzahl von Anfragen und Abschlüssen für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen 12 Monaten
  4. Kredit mit der längsten Restlaufzeit
  5. Anzahl von Anfragen im Bereich Telekommunikation und (Online)-Handel in den vergangenen 12 Monaten
  6. Alter des ältesten Bankvertrags
  7. Immobilienkredit oder Bürgschaft
  8. Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen 12 Monaten
  9. Kreditstatus
  10. Vorliegen einer Identitätsprüfung
  11. Jüngster Rahmenkredit
  12. Zahlungsstörungen

Der Wohnort ist mit dem neuen Score kein Kriterium mehr, was in die Bewertung einfließen könnte.

SCHUFA-Score bei acht Prozent verschlechtert

Laut Aussage der SCHUFA hat sich seit der neuen Bewertungsgrundlage der Score bei neun Prozent der Menschen verbessert, bei acht Prozent verschlechtert und ist beim Rest gleichgeblieben. Obwohl der Score deutlich transparenter nachzuvollziehen ist als vorher, gebe es nach wie vor Schwachstellen, wie Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey feststellt.

So wird beispielsweise ein laufender Immobilienkredit, der pünktlich bezahlt wird, mit 55 Punkten gewertet. Wer einen Immobilienkredit bereits abbezahlt hat, erhält in dieser Kategorie jedoch 0 Punkte.

SCHUFA-Score: Junge Meschen benachteiligt?

Es gebe vor allem vier Gruppen von Verbrauchern, die systematisch benachteiligt würden, sagt Barbara Sternberger-Frey  – ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt, da die SCHUFA die Statistiken, auf die sie ihre Annahmen stützt, nicht öffentlich macht.

Nachteile haben einerseits junge Menschen. Der SCHUFA-Score fällt besser aus, je länger man beispielsweise eine Kreditkarte oder ein Bankkonto hat. Junge Menschen, die erst seit Kurzem am Geschäftsleben teilnehmen, werden hier automatisch schlechter eingestuft.

Auch häufige Umzüge wirken sich schlecht auf den SCHUFA-Score aus – wer aus beruflichen Gründen häufig den Wohnort wechselt, hat Pech gehabt.

Auch wer häufig seine Bank wechselt, büßt beim Score Punkte ein – obwohl dieses Verhalten eine Folge mündigen Verbraucher-Verhaltens sein kann, bei besseren Konditionen den Anbieter zu wechseln.

Und schließlich wird häufiges Kaufen auf Rechnung negativ bewertet, obwohl viele diese Option allein aus Datenschutzgründen wählen und nicht, weil sie vorhaben, nicht zu bezahlen.

Schlechter SCHUFA-Score: Was tun?

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, den eigenen Schufa-Score regelmäßig zu überprüfen, um keine bösen Überraschungen zu erleben, wenn es mal drauf ankommt. Auch nach eigenem Empfinden unbescholtene Schuldner können miese Scores haben – zum Beispiel, weil bei der Schufa hinterlegte Daten schlicht falsch sein können. Die SCHUFA selbst räumt gegenüber dem SWR ein, dass etwa zwei Prozent der Daten fehlerhaft seien.

In solchen Fällen haben Betroffene Anspruch auf Korrektur vonseiten der SCHUFA – vorausgesetzt natürlich, sie können ihre Behauptungen beweisen. Ein formloses Schreiben an die SCHUFA reicht hier aus.

Vertragsschluss verwehrt: Was tun?

Wird beispielsweise ein Kredit verwehrt oder zu schlechten Konditionen angeboten, hat man das Recht, beim Anbieter zu erfahren, woran das liegt. Ist ein schlechter Score der Grund, sollte man in Erfahrung bringen, auf welchen Score sich das Unternehmen beruft. Der neue Score wurde zwar eingeführt, allerdings kursieren die alten Scores noch bis Ende 2028 und werden erst schrittweise abgelöst.

Für die Datenabfrage bietet sich zum Beispiel der Musterbrief der Verbraucherzentralen an.

Fehler im SCHUFA-Score: Was tun?

Streitfälle mit der SCHUFA sollen schnell und unbürokratisch gelöst werden.

  • Sollte die Schufa sich weigern, einen aus Sicht des Verbrauchers falschen Eintrag zu löschen, kann sich der Betroffene an die Schlichtungsstelle, beziehungsweise die Ombudsfrau der Schufa wenden. Das Ombudsverfahren ist unabhängig, nicht an Weisungen der SCHUFA gebunden und kostenlos.
  • Wenn auch das nichts bringt, steht Verbrauchern aber immer auch noch der Rechtsweg offen.
  • Auch die Verbraucherzentralen können bei Problemen mit der SCHUFA weiterhelfen.

Probleme mit Schufa: Daten falsch verarbeitet?

Wer der Ansicht ist, dass Daten vonseiten der SCHUFA falsch verarbeitet wurden, kann sich an den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) wenden. Für die SCHUFA mit Sitz in Hessen ist der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit zuständig.

Wird dort eine Beschwerde eingereicht, prüft die Stelle das Recht auf Löschung der entsprechenden Daten. In schwerwiegenden Fällen kann der BfDI ein Verfahren einleiten, um gegen die Schufa vorzugehen. Dies kann auch die Einleitung von Bußgeldverfahren umfassen.

Falscher SCHUFA-Eintrag: Konsequenzen für Unternehmen?

Immer wieder werden Inkasso-Unternehmen nach Gerichtsverfahren zu Zahlung von Schadensersatz verurteilt wegen falscher Meldungen an die Schufa.

Dafür müssen Verbraucher aber selbst vor Gericht ziehen – denn die SCHUFA prüft die Richtigkeit von Einträgen nicht und sanktioniert somit auch keine Falschmeldungen vonseiten der Unternehmen. Sie beruft sich auf den Standpunkt, nur die Plattform zu sein, die die Infos der Unternehmen bereitstellt.

Wie kann ich meinen SCHUFA-Score verbessern?

An einigen Stellen haben Verbrauchern Möglichkeiten, durch ihr Verhalten Einfluss auf ihren Score zu nehmen. Zum Beispiel durch folgende Tipps:

  • Neue Kredite, Kreditkarten oder Kontowechsel ziehen den Score nach unten. Wer demnächst einen möglichst guten Score braucht, sollte hier zurückhaltend sein – vor allem gilt dies für neue Ratenkredite. Bei mehr als zwei neuen Ratenkrediten in einem Jahr bekommt man in dieser Kategorie 0 Punkte.
  • Für Kreditkarten gilt: Ein seit langer Zeit bestehender Vertrag wird deutlich besser bewertet, als gar keine Kreditkarte zu besitzen. Am schlechtesten wird der Neuabschluss bewertet.
  • Nicht nur Abschluss, sondern bereits Anfragen für Kredite oder Girokonten fließen in den Score ein. Wer zwei Mal im Jahr eine solche Anfrage stellt, erzielt für das Kriterium 0 Punkte. Mehre Anfragen innerhalb von 28 Tagen werden jedoch als eine gewertet – wer ein neues Konto eröffnen will, kann also durchaus mehrere Angebote vergleichen, sollte dies aber möglichst innerhalb von 28 Tagen tun.
  • Auf Ratenkauf und Kauf auf Rechnung sollte in der Zeit, wo ein guter Score wichtig ist, möglichst verzichtet werden.

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