Viele gelöschte Rezensionen im Netz

Negative Google-Bewertungen gelöscht: Was hinter dem Lösch-Hinweis bei Google steckt

"Bewertungen aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung entfernt." Dieser Hinweis taucht in immer mehr Google-Bewertungsseiten auf. Was heißt das für Verbraucher und Gastgeber? 

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Von Autor/in Alexander Winkler, Jana Klimczak

"Wir lassen löschen, das gebe ich ehrlich zu", sagt Manja Merklinghaus, Geschäftsführerin vom Piratenland, einem Indoorspielplatz in Neuwied. Über 1.200 Rezensionen hat ihr Betrieb bei Google Maps gesammelt, 4,6 Sterne im Schnitt. Seit einiger Zeit gibt es aber nun auch den Hinweis von Google im Profil: Über 250 Bewertungen wurden im vergangenen Jahr gelöscht. 

"Das ist schon eine Hausnummer", sagt Manja Merklinghaus. Das seien aber vor allem ältere Bewertungen gewesen, "von vor zehn Jahren oder älter." Den Betrieb gebe es schon seit 20 Jahren. Da habe sich einiges angehäuft, die Bewertung habe im Schnitt bei etwa 3,8 gelegen. Das habe Kunden verunsichert, berichtet sie. 

Gelöschte Google-Bewertungen: Unter dem Reiter "Rezensionen" wird ein Hinweis ausgespielt, wie viele Bewertungen aufgrund von Diffamierung von Google gelöscht wurden.
Gelöschte Google-Bewertungen: Unter dem Reiter "Rezensionen" wird ein Hinweis ausgespielt, wie viele Bewertungen aufgrund von Diffamierung von Google gelöscht wurden.

Löschen zum Schutz von Mitarbeitenden?

Auf anderen Plattformen wie Facebook gibt es weiterhin negative Bewertungen ihres Betriebs. Auch steht der Vorwurf im Raum, dass der Indoorspielplatz im Google-Profil negative Kritik grundsätzlich löschen lasse. Welche Seite in diesem Fall Recht hat, lässt sich vom SWR nicht nachprüfen.

Bewertungen, die negativ, aber gerechtfertigt sind, lassen wir stehen, um transparent zu bleiben.

Beschönigen wolle sie nichts, sagt Manja Merklinghaus. "Bewertungen, die negativ, aber gerechtfertigt sind, lassen wir stehen, um transparent zu bleiben", erklärt sie. Etwa, wenn es um Beurteilungen von Sauberkeit, Essen oder Preisen geht. Gelöscht würden zum Beispiel Bewertungen mit persönlichen Angriffen auf Mitarbeitende oder wenn Sachverhalte ihrer Ansicht nach falsch dargestellt würden. Sie müsse so ihren Betrieb und ihre Mitarbeitenden schützen. 

Google-Bewertungen machen den Unterschied 

Google ist eine der wichtigsten Plattformen für Bewertungen, zum Beispiel in der Gastronomie. Eine 4,3 oder eine 4,5 kann ausschlaggebend sein, für was sich die Menschen, die ein Restaurant aussuchen, am Ende entscheiden. Außerdem werden bei Google Maps Restaurants beispielsweise häufig empfohlen, wenn die Gesamtbewertung besonders gut ist.  

Bewertungen seien "wettbewerbsbeeinflussend", sogar "existentiell", sagt auch Gereon Haumann, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Rheinland-Pfalz (DEHOGA). Inhaber setzt das unter Druck. "Etwas Negatives ist schnell anonym ins Netz gestellt, sei es nur um Dampf abzulassen", sagt auch Manja Merklinghaus. "Und der Betreiber hat den Schaden." Ein offenes Gespräch wäre ihr viel lieber. 

Bis zu 30 Prozent der Bewertungen gelöscht 

Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur bei mehr als 3.700 gastronomischen Betrieben in mehreren deutschen Städten zeigt, dass je nach Ort zwischen elf bis 30 Prozent der Lokale Online-Bewertungen gelöscht haben. Besonders hoch war in der Stichprobe der Anteil in Großstädten wie Frankfurt, Berlin oder Köln. Mutmaßlich, weil hier die Konkurrenz untereinander besonders groß ist. 

Deutschland fällt bei der Löschung von Bewertungen auf Google besonders auf. Laut einer EU-Transparenzdatenbank kamen im ersten Halbjahr 2026 fast 99,9 Prozent aller Löschungen auf Google Maps wegen "illegalem Inhalt" aus Deutschland. Viele Anwaltskanzleien und Agenturen haben sich hierzulande auf das Entfernen von Beiträgen spezialisiert und bieten online ihre Dienste an. Auch Manja Merklinghaus hat das in der Vergangenheit schon in Anspruch genommen.

Seit einigen Monaten zeigt Google nun, wie viele Rezensionen "aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung" gelöscht wurden. Genauere Angaben dazu macht Google aber nicht. Was als Diffamierung gilt und was als akzeptable Kritik eingestuft wird, liegt im Ermessen von Google. Klare, einsehbare Regeln gibt es nicht.  

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Online-Rezensionen zu Unrecht gelöscht 

Immer wieder gibt es Berichte von Nutzerinnen und Nutzern, deren Rezensionen zu Unrecht gelöscht wurden. Das erleben auch Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und ihr Team: Ein Restaurantgast, der eine schlechte Online-Kritik abgegeben hat, sitzt verunsichert bei ihnen mit einem Anwaltsschreiben. Darin wird mit einer saftigen Strafe gedroht und eine Unterlassungserklärung gefordert.  

Meist ist die Kritik sachlich formuliert, erklärt Gerhards. Nur sei der Ton nicht besonders freundlich. Der Gast habe sich eben über die Qualität oder den Service geärgert. Julia Gerhards sieht als Expertin für Verbraucherrecht und Datenschutz in fast allen Fällen keinen Grund, warum diese Kritik aus dem Netz muss. Doch die meisten Menschen hätten Angst vor juristischen Auseinandersetzungen und löschen schnell ihre Kritik.

Das wünscht sich die Verbraucherzentrale

Die Verbraucherschützerin sieht deshalb durchaus einen Vorteil darin, dass es bei Google Maps inzwischen den Hinweis gibt, wie viele Bewertungen gelöscht worden sind. Auch wenn nicht klar ist, welche Kritik verschwindet, könne dadurch ein erster Eindruck gewonnen werden.   

Gerhards meint, gute Gastronomen würden sich mit Kritik auseinandersetzen und darauf öffentlich reagieren. Das wäre dann hilfreich für Gäste. Wenn nur wortgleiche Lobeshymnen unter einem Betrieb stünden, wäre der Verbraucher inzwischen per se skeptisch.  

DEHOGA: Falsche Bewertungen müssen weg 

Haumann von der DEHOGA Rheinland-Pfalz findet es grundsätzlich richtig, dass Gastgeber die Möglichkeit haben, Rezensionen löschen zu lassen. Er sagt aber auch: Die Betriebe sollten sehr verantwortungsvoll damit umgehen. Konstruktive Kritik, "auch wenn sie schmerzt", sollte stehen bleiben. Die Empfehlung sei, "nur solche Bewertungen zu löschen, die offenkundig entweder Spam-Bewertungen sind, Diffamierungen sind, persönliche Verletzungen."

Denn es gibt Kundinnen und Kunden, die mit dem Instrument der Kritik für sich selbst Vorteile raus handeln wollen. Dem SWR hat eine Gastronomin geschildert, dass Gäste mit einer schlechten Rezension gedroht haben, weil sie außerhalb der Öffnungszeiten unbedingt rein wollten und nicht durften. Auch Haumann berichtet von Gästen, "die einen Preisnachlass oder ein Zimmerupgrade haben wollten, mit der klaren Ansage, wenn sie das nicht erhalten, werden sie eine negative Bewertung schreiben."  

Undurchsichtige Bewertungspraxis

Für die Zukunft wünscht sich Haumann, dass User nur noch Bewertungen schreiben dürfen, die das entsprechende Hotel oder Restaurant besucht haben. Nachweisen könne man das beispielsweise über einen Beleg. "Und dann, glaube ich, haben wir auch deutlich reduzierte Löschquoten." Bewertungen seien enorm wichtig - für Gastgeber ebenso wie für Gäste - da müsse es für beide Seiten fair zugehen.  

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Alexander Winkler
SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler
Jana Klimczak
Onlinefassung
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele

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