- Wie Regen der Landwirtschaft helfen kann
- So entwickelt sich das Niedrigwasser im Rhein
- Auswirkungen von Regen auf die Waldbrandgefahr
- Die aktuellen Wetteraussichten im Hinblick auf Regen
In Rheinland-Pfalz fehlt Wasser. Die Böden sind ausgetrocknet, der Rhein ist so leer wie nie. Auf den Feldern herrscht Dürre und der kleinste Funke reicht aus, um einen Waldbrand auszulösen. Die vielen erschöpften Feuerwehrleute würden sich über einen anhaltenden Landregen freuen. Auch die Landwirtschaft und die Schifffahrt hoffen auf Niederschläge.
Das Land braucht langen Regen, keine Gewitterschauer
Doch kurze Gewitterschauer helfen der Natur nicht wirklich. Damit sich die Situation in Rheinland-Pfalz entspannt, müsste es länger regnen. Wie viel Regen braucht es tatsächlich? Was sagen die aktuellen Wettervorhersagen? SWR Aktuell hat mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen gesprochen. Einen Satz haben wir dabei immer wieder gehört: "Wir brauchen dringend Regen."
Regenmenge liegt deutlich unter dem langjährigen Mittel
Wie selten es in diesem Sommer geregnet hat, zeigt ein Blick in die Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Bislang sind in diesem Jahr durchschnittlich 330 Millimeter Niederschlag im Land gefallen. "Normal" sind laut DWD im langjährigen Mittel etwa 440 Millimeter bis Ende Juli. In der Vorderpfalz waren es Mitte August sogar nur 200 Millimeter Regen.
Damit die Pflanzen in den oberen Bodenschichten wieder ausreichend Wasser finden, bräuchte es in Rheinland-Pfalz nach Einschätzung des DWD etwa 30 bis 60 Millimeter Niederschlag. Allerdings müsste der Regen über längere Zeit fallen, nicht als kurzer Starkregen. Ein einzelner Regenschauer, selbst wenn er ergiebig ist, sorgt nicht dafür, dass die Böden so feucht werden, wie sie eigentlich sein sollten.
Später Regen für Aussaat der Winterkulturen wichtig
Ein Sprecher der Landwirtschaftskammer des Landes beschreibt es deutlich: "Der Wasserbedarf ist groß, es bräuchte mehrere Wochen 'Landregen', damit sich die Lage etwas entspannt, vor allem für die kommenden Herbstaussaaten." Für viele Getreide-, Obst- und Gemüsesorten käme der Regen allerdings schon zu spät.
Massive Ernteausfälle aufgrund der Trockenheit
Der Bauern- und Winzerverband Süd spricht von "irreversiblen Schäden" bei Mais und Zuckerrüben. Bei Obst und Gemüse führen Hitze und Trockenheit zu Flecken oder verschrumpelten Früchten. Die Folge: Beschädigte oder zu kleine Früchte lassen sich schlechter verkaufen oder bringen weniger Geld. Dadurch sinkt der Gewinn der Betriebe nach der Ernte.
Jeder Niederschlag hilft dem Rhein
Doch Regen spielt nicht nur für die Felder eine entscheidende Rolle, sondern auch für die Flüsse in Rheinland-Pfalz. Der Rhein hat in den vergangenen Tagen vor allem mit Rekordniedrigwasser von sich reden gemacht. "Grundsätzlich hat jeder Niederschlag eine positive Wirkung auf den Wasserstand", erklärt Florian Krekel vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein.
Kein plötzlicher Anstieg trotz Regen
Dafür muss der Regen über Bäche und Flüsse in den Rhein gelangen und darf nicht sofort wieder verdunsten. Die kleinen Nebenflüsse können durch kräftige Schauer schnell ansteigen und ebenso schnell wieder fallen. Bei einem so großen Fluss wie dem Rhein verteilen sich solche kleinen Spitzen aber und in der Summe steigt der Wasserstand eher langsam an.
Pegelstand in Kaub bald wieder 70 Zentimeter höher?
Thomas Maurer vom Bundesamt für Gewässerkunde in Koblenz geht davon aus, dass der Rhein den "sehr extremen Niedrigwasserbereich" bald verlässt. Die Niederschläge in den kommenden zwei Wochen lassen den Pegelstand um 30 bis 50 Zentimeter steigen. Die Sechs-Wochen-Vorhersage zeigt, dass die für die Schifffahrt wichtige Marke, der sogenannte gleichwertige Wasserstand, wieder erreicht wird. In Kaub wären das etwa 70 Zentimeter mehr als der aktuelle Stand.
Langfristig mehr extreme Niedrigwasser am Rhein
Dafür ist es wichtig, dass es überall rund um den Rhein regnet. Bleibt es in den Alpen extrem trocken, können die Nebenflüsse entlang des Rheins das Niedrigwasser nicht alleine auffüllen - und umgekehrt. Langfristig erwartet Thomas Maurer, dass extreme Niedrigwasser häufiger auftreten. Wegen des Klimawandels gibt es in den Alpen weniger Schnee und der schmilzt auch immer früher. Weniger Schmelzwasser und lange Trockenphasen könnten dafür sorgen, dass der Rhein in Zukunft öfter so leer ist wie im Moment.
Waldbrandgefahr sinkt und steigt sehr schnell
Einen sehr kurzfristigen Effekt hat der Regen bei der Waldbrandgefahr. Niederschläge und feuchtere Luft können nach Angaben von Landesforsten Rheinland-Pfalz die Gefahr von Waldbränden schnell sinken lassen. Das funktioniert aber auch umgekehrt: Folgt auf den Regen wieder Trockenheit, steigt die Gefahr genauso schnell wieder an.
Der Waldbrandgefahrenindex zeigt die Problematik
Das liegt an der Streuauflage am Waldboden, also an abgefallenen Blättern, Nadeln, kleinen Ästen, Rinde oder vertrocknetem Gras – allem, was von Pflanzen abfällt und noch nicht vollständig zersetzt ist. Diese Streuschicht ist wie eine Decke über dem Waldboden und trocknet an heißen, windigen Tagen sehr schnell aus. Die Folge: Die Waldbrandgefahr steigt.
Bäume in RLP benötigen dringend Wasser
Damit die Gefahr dauerhaft sinkt, brauchen die Wälder in Rheinland-Pfalz kühlere Temperaturen und regelmäßigen Regen. Die Birken haben vielerorts bereits ihr Laub verloren, auch Ahorn, Buche und Eiche leiden stark unter der Trockenheit. Einzig die Fichten sind noch "erstaunlich grün", so eine Sprecherin der Forstverwaltung. Der Winter und das kommende Jahr werden zeigen, wie stark die Trockenheit sie beschädigt hat.
Aktuelle Gefahrenstufe in Rheinland-Pfalz Waldbrandgefahr in Ihrer Region
Im Sommer kommt es oft zu Waldbränden. Hier sehen Sie, wie hoch die Waldbrandgefahr aktuell bei Ihnen ist und welche Regeln Sie einhalten sollten, um einen Ausbruch zu verhindern.
Prognose: So viel Regen kommt (vielleicht) runter
Die Wettermodelle, die der DWD nutzt, kommen für Rheinland-Pfalz auf teils deutlich unterschiedliche Regenmengen. Bis Samstag sind je nach Modell 4 bis 45 Millimeter Niederschlag möglich. Eine ähnliche Menge könnte erneut bis Sonntag auf das Land herabregnen. Bis kommenden Mittwoch sagen die Wettermodelle zwischen 10 und 75 Millimeter Regen voraus.
Wettervorhersage Das Wetter in Ihrer Region
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Heißt im Klartext: Es wird regnen. Aber ob es eher hier und da mal tröpfelt oder kräftig regnet, ist noch unklar. Der DWD sagt: Für die ersten etwa drei Tage sind solche Vorhersagen relativ sicher. Nach einer Woche sei nur noch ein grober Trend erkennbar, keine zuverlässigen Zahlen.
Wetter im Herbst sorgt wieder für nassere Tage
Langfristig steigt die Chance auf einen ausgiebigen Landregen wieder, denn mit Beginn des Herbstes ziehen stärkere Tiefdruckgebiete über das Land. Wenn warme und kalte Luft aufeinandertreffen, regnet es oft längere Zeit und über große Flächen. Gewitter gibt es dann seltener.